Kirstin Schwab, Wir teilen unser Ungleichgewicht
In schwärmerischen Naturbeschreibungen der Romantik wird öfters beschworen, dass es das Ungleiche ist, das in der Natur die Lebewesen zuerst von einander in Schach hält, ehe sich dann ein harmonischer Zustand einstellt. – Im politischen Diskurs hingegen gilt das Ungleichgewicht meist als Anlass, geeignete Maßnahmen zu setzen, und sei es nur, dass man sich wie Justitia die Augen verbindet. - In der Liebe hingegen brauchen diese Augen nicht verbunden zu werden, denn die Liebe macht ja von sich aus blind.
Kirstin Schwab kümmert sich in ihren Gedichten um dieses Ungleichgewicht, das die Seelen umgibt, manchmal als schwere Krise einer Lebensentscheidung, dann wieder als stilles Ungemach, das einen unerwartet beschleicht. Der Übergang der Befindlichkeit von poetischer Erregung in profane Erschlaffung ist fließend und funktioniert in beiden Richtungen.
„Das Hauptziel der Arbeit liegt darin, ein Konzept zu entwickeln, das es Lehrern ermöglicht sich selbst und andere in Konflikt- und Kommunikationssituationen besser einzuschätzen, um distanzierter, kompetenter und professioneller mit den Problemen ihrer täglichen Arbeit umzugehen.“ (S. 2)
„Gute Wissenschaftspraxis erwartet fortlaufende Selbstreflexion und kritischen Austausch auch über die Grenzen der eigenen Fachdisziplinen hinaus. Sich Ansätzen und Kritik anderer Perspektiven zu verschließen, würde Einbußen in gesellschaftlicher Legitimation und Resonanz sowie Weiterentwicklung der eigenen Forschung und Lehre bedeuten. Das betrifft Disziplinen, deren Forschungsfeld und Zielkategorien im Bildungsbereich zu finden sind, möglicherweise noch einmal im Besonderen, weil kaum ein Forschungsgegenstand die Aufmerksamkeit derart vieler Fachperspektiven bündelt und auch verlangt.“ (S. 7)
„Und woran denkst du?“ – Das Mädchen wurde steif. „An welchen Beruf?“ erklärte er rasch. (20) Sobald Sätze fallen, tun sich Missverständnisse auf. Während sie gesprochen werden, heißt es schon zu erschrecken und sie zurücknehmen. Oder zumindest sie abzufedern, oder nachzufragen, oder abzuwiegeln.
„Anlass des vorliegenden Sammelbandes zu Problemen des Antirassismus ist ein grundlegendes Unbehagen mit diesen, in der Öffentlichkeit oft kritiklos und mit großer moralischer Verve verbreiteten Dogmen des vorherrschenden Antirassismus. Es stellen sich Fragen wie: Was soll eigentlich ›systemischer‹ oder ›institutioneller Rassismus‹ sein? Verdrängt dieser Begriff allmählich gesellschaftstheoretische Ansätze überhaupt …“ (S. 9)
Die Literatur hat ganz schön Mühe, mit dem Anwachsen der Mediensorten mitzuhalten und dabei vielleicht sogar mit eigenen Genres zu kontern. Allen Anstrengungen gemein ist freilich die Aufgabenstellung, die der Germanist Stefan Neuhaus der Gegenwartsliteratur zugeschrieben hat: „Literatur ist Vermittlung.“
Das Genre Verwicklungsroman behandelt mehrere Handlungsstränge, die an sogenannten Umsteigeknoten einen Wechsel in eine neue Erzählung ermöglichen. Der österreichische Verwicklungsroman gleicht ziemlich genau dem Netz der österreichischen Bundesbahnen, das heißt, er kann von einer Person mit einem einzigen Ticket innerhalb von ein paar Halbtagen abgefahren werden.
„An die Stelle des feministischen Subjekts ist heute die »Performität« aller möglichen Identitäten getreten, mit denen herzhaft gespielt und en passant um die vielfältigsten Geschlechterpronomen gewetteifert wird. In Zeiten des flexibilisierten Spätkapitalismus ist die vereinzelte Identität – ganz im Gegensatz zur Individualität – die schlechterdings gefragte Bastion.“ (S. 10 f)
Seit ewigen Zeiten bevölkern Krähen den Kontinent und werden im Frühjahr mit Geräuschen und Fetzen vom Saatgut verscheucht, im Herbst sind dann sie es, die die Menschen in die Häuser verscheuchen, indem sie ihnen vormachen, im Nebel sei der Tod nahe.
Ein gutes Lesebändchen ist stets aufgeregt, wenn es wo eingelegt wird. Es kommuniziert mit den Lesern und fragt stumm, warum es in welcher Reihenfolge wo eingelegt wird.