Reinhold Aumaier, Zwischentraum

Buch-CoverWenn jemand verlässlich vom Jenseits berichten kann, dann ist es die Literatur! Reinhold Aumaier überschreibt seinen Text über den Ausnahmezustand, der nicht von dieser Welt ist, einerseits mit Zwischentraum, andererseits gibt er auch noch der Textgattung ein Zwidder-Dasein auf den Weg: Romanfantasie.

Um diesen Zustand, in dem nichts mehr so wie früher ist und das Neue vielleicht noch gar nicht ganz fertig installiert ist, geht es.

Der Körper hat sich aufgelöst, was eine seltsame Ereignislosigkeit nach sich zieht. Denn mit dem Körper sind auch die Sinnesorgane verschwunden und ohne Sinnesorgane klappt es mit der Wahrnehmung nicht mehr. So beziehen sich beispielsweise Binsenweisheiten oft auf Sinnesorgane, wenn diese fehlen, gehen auch die Binsenweisheiten in die Binsen.

Das "fantasierende Ich" formuliert beispielsweise etwas aus der ehemaligen Hüfte heraus, die sich inzwischen aufgelöst hat.

Ich weiß noch immer nicht, ob ich wach bin oder träume; möglicherweise sogar in einem dritten Zustand verharre. (33)

Ehe dieser Zustand eingetreten ist, dem offensichtlich eine Art Tod vorausgegangen ist, hat der Erzähler seiner irdischen Geliebten noch in die Hand versprochen, alles aufzuschreiben, wenn es ein Jenseits gibt und eine Schrift das aushält. Denn einmal Schriftstelle, immer Schriftsteller, ganz egal in welchem Körper oder Nichtkörper er steckt.

Auch sonst sind die neuen Erfahrungen noch recht mäßig, angeblich soll Gott in der Nähe wohnen, aber in dieser kurzen Zeit konnte er noch nicht ansichtig gemacht werden.

Gehe mit dem Gefühl schwanger, einen Regentag auf Lager zu haben; austragen und auf die Welt bringen zu müssen. (51)

Mit solchen Jenseitseintragungen hält sich der Erzähler vorläufig über Wasser und nennt seinen Zustand "entgeistert".

Manchmal tauchen in der Erinnerung Wunden auf, die auch ohne Körper noch schmerzen, das frühere Leben ist zwar irgendwie zu Ende gebracht, aber noch längst nicht aufgearbeitet. Vielleicht gibt es auch zwischen Körper und Seele etwas, das sich an beidem reibt, vielleicht ist es dieser Zwischentraum, der eine zu große Reibefläche aufweist.

Reinhold Aumaier erzählt von diesem seltsamen Thema, über das wir so wenig wissen, mit beinahe überspitzter Ironie. Die großen Gedankengänge, die es über das Jenseits gibt, werden oft wörtlich aufgegriffen und mit einer humoresken Volte aus den Angeln gehoben. Hinter der Geschichte, wie es einem körperlosen Erzähler im Jenseits so ergehen mag, steckt auch ein Stück Theorie der Poesie. Wenn es gelingt, das Jenseits zu beschreiben, dann gelingt auch die Poesie.

Reinhold Aumaier, Zwischentraum. Romanfantasie.
Wien: Klever 2009. 120 Seiten. EUR 15,90. ISBN 978-3-902665-07-2.

 

Weiterführende Links:
Klever-Verlag: Reinhold Aumaier, Zwischentraum
Wikipedia: Reinhold Aumaier

 

Helmuth Schönauer, 27-05-2009

Bibliographie

AutorIn

Reinhold Aumaier

Buchtitel

Zwischentraum. Romanfantasie

Erscheinungsort

Wien

Erscheinungsjahr

2009

Verlag

Klever

Seitenzahl

120

Preis in EUR

15,90

ISBN

978-3-902665-07-2

Kurzbiographie AutorIn

Reinhold Aumaier, geb. 1953 in Linz, lebt in Wien.

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