Geschichte | Politik

Zambulat Idiew, Spiele hinter Stacheldraht

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverNovellen sind üblicherweise eine spannende Angelegenheit, die auf ein Hauptereignis hin getrimmt und mit einer edlen Sprache umhüllt ist. Die Tschetschenen-Novellen von Zambulat Idiew hingegen könnte man als Brutalo-Novellen bezeichnen.

Das liegt nicht an der Erzählweise, die sarkastisch raffiniert ausgeübt wird, sondern schlicht an den brutalen Themen.

Géza Ottlik, Die Schule an der Grenze

h.schoenauer - 06.06.2009

Buch-CoverSchlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.

Dieses menschenverachtende Unternehmen ist eine Kadettenschule an der Außengrenze Ungarns, darin eingefangen sind die Söhne des Establishments, die noch nach Jahrzehnten an dieser sogenannten Ausbildung leiden.

Dan Lungu, Die rote Babuschka

h.schoenauer - 27.05.2009

Buch-Cover"Als ich heute Morgen aufwachte, war ich alt. (244) - Selten tritt das Ergebnis eines ganzen Romans mit einem so klaren Satz zu Tage wie am Schluss von Dan Lungu's "roter Babuschk".

Vermutlich besteht das alt werden darin, dass man die erlebten Zeiten nicht mehr scharf genug einschätzen kann und alles in einem wohligen Erinnerungsbrei endet.

Herbert Rosendorfer, Dem Mann kann geholfen werden

h.schoenauer - 24.05.2009

Buch-CoverKlassische Stücke fordern oft geradezu eine zeitgemäße Fortsetzung heraus, man denke nur an die vielen Faust Drei oder an die Godots, die fallweise erscheinen oder sich unverblümt verleugnen lassen.

Herbert Rosendorfer setzt mit seinem Stück Schillers "Räubern" eines drauf und nennt das humorvolle Trauerspiel "Dem Mann kann geholfen werden".

Ekkehard Schönwiese, Schluss mit dem Hofertheater!

h.schoenauer - 14.05.2009

Buch-CoverEin Hofer-Jahr erkennt man daran, dass ab Jahresmitte plötzlich alle Wörter mit der Vorsilbe Hofer lächerlich werden. Hofer-Jahr, Hofer-Theater, Hofer-Umzug, die Leute biegen sich mittlerweile vor Lachen.

Ekkehard Schönwiese greift diese abgestumpfte Hoferstimmung auf und setzt noch eines drauf. Er untersucht mit frechem Auge die jeweiligen Inszenierungen, dramaturgischen Hofereien und Zwangsheroisierungen diverser Hoferstücke.

Cornelius Hell, Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth Erwachendes Vilnius

h.schoenauer - 29.04.2009

Buch-CoverDie Liebe zu einer Stadt entsteht wie bei jeder Liebe zufällig. Als in den 1980er Jahren der Autor Cornelius Hell eine Stelle als Lektor irgendwo im Ausland sucht, wird ihm eine Stelle in Vilnius angeboten. Seither ist es die Stadt seines Lebens geworden.

Anhand seiner eigenen Begeisterung erzählt Cornelius Hell, was Vilnius alles durchgemacht hat, wie es immer eine faszinierende Stadt geblieben ist und wie es trotz der hohen Selbstmordrate in Litauen als einer der lebendigsten Orte Europas gilt.

Axel Brüggemann, Wir holen uns die Politik zurück!

andreas.markt-huter - 29.04.2009

Buch-Cover

Üblicherweise haben sich die Politiker damit abgefunden, dass sie unter sich bleiben müssen, weil das Wahlvolk nichts mehr von ihnen wissen will. Und das Wahlvolk hat es schon längst aufgegeben, sich um die Politik von denen da oben zu kümmern.

Curzio Maltese, Scheinheilige Geschäfte

andreas.markt-huter - 20.04.2009

Buch-Cover"Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, denn dass ein Reicher ins Reich Gottes komme heißt es in der Bibel." Curzio Maltese zeigt mit seinem penibel recherchierten Buch, wie sich der Vatikan in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Stolpersteine auf dem Weg ins Reich Gottes errichtet hat und auf Erden gut damit lebt.

Nach dem Zusammenbruch der Mailänder Banco Ambrosiano "gleichen die Finanzen der katholischen Kirche einem großen schwarzen Loch, in dem gähnende Leere herrscht" (35).

Jeannine Meighörner, Starkmut Das Leben der Anna Hofer

andreas.markt-huter - 29.03.2009

Buch-CoverPassend zum Andreas-Hofer-Jahr tritt mit diesem Roman nun auch seine Frau in das historische Blickfeld und bestätigt: hinter jedem Helden steht eine starke und leidende Frau.

Jeannine Meighörner lässt und das Leben der Anna Hofer, geborene Ladurner, von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod, aus der Sicht von außenstehenden Fremden miterleben, die von der Rauheit der Bergwelt und ihrer Menschen fasziniert sind.

Didier Goupil, Castro ist tot

h.schoenauer - 24.03.2009

Buch-CoverRevolutionen sind vor allem für eines gut: Sie erwecken eigenbrötlerische Rituale von Melancholie und verdampfen dann als Klischee in den eigenen Sprüchen.

Didier Goupil führt den Leser in die satte Welt der abgehangenen kubanischen Revolution. Im ersten Teil taucht ein Ich-Erzähler als Kulturjournalist in Kuba auf, er lässt sich an alle Schauplätze bringen, die wir als Revolutions-Romantiker in Europa kennen. Im französischen Original schlängelt sich der Text in jenem Delirium zwischen Realität und Trance durch die Möglichkeitsform, die Traum und Wirklichkeit zulassen.