Werner Grabher, Nebenschauplätze

Miniaturen entfalten ihre wahre Größe durch Vorbei-Schauen. Wenn man Miniaturen anstarrt, zerfallen sie.
Werner Grabher geht, was die Titel seiner Texte betrifft, fürs erste einmal die Tiergattungen durch, denn eine gewisse Ordnung muss sein. Freilich tut sich sofort ein geheimnisvoller Zusammenhang auf, wenn nach der Hummel die Möwe und dann als einziges Tier ohne Artikel einfach Ameise kommt. Aber die Tiere spielen nur im Titel die Hauptrolle, in den Miniaturen sind sie Stofflieferant, Anlass für einen lexikalischen Eintrag oder Aufbereitungen für eine Prüfungsfrage.
Manche Romane zielen in keine Richtung, sie explodieren als Rohrkrepierer samt der erzählerischen Abschussrampe.
Manchmal ist der Alltag so aufregend, dass man ihn weder aktiv noch passiv hinkriegt. Eine typische Reaktion für eine überschwappende Ereignislosigkeit ist auf die Frage, was los sei, das alles erklärende "Nichts, nichts".
Die Literatur muss alles: Die Zeit zurückdrehen, anhalten oder beschleunigen, je nach Aufgabenstellung erledigt sie alle diese Vorgänge tapfer. Und es ist kein Geheimnis, dass wir alle sagen: Wenn etwas bleibt von der Gegenwart, ist es die Literatur.
Manchmal muss man nur diesen Ansaugstutzen beschreiben, der ganze Lesergenerationen in das Buch hinein saugt, um das Werk zu beschreiben.
Seit dem west-östlichen Divan wissen aufmerksame Leser, dass der Diwan nicht nur etwas zum Sitzen, sondern auch eine persische Gedichtsammlung meinen kann.
Jede Literatur ist letztlich Reiseliteratur, denn es gibt nichts anderes auf der Welt zu erzählen, als wie Menschen zu sich, zu anderen oder sonst wohin unterwegs sind.
Chinesische Romane schaffen es spielend, die Lesegewohnheiten jedes europäischen Lektüre-Freaks aus den Angeln zu heben.
Meist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.
Komplizierte Vorgänge brauchen eine komplexe Darstellungsweise, und was ist als Stoff üppiger als das Leben?