Gesellschaft | Kultur

Katja Lange-Müller, Die Letzten

h.schoenauer - 23.07.2009

Buch-CoverManchmal entsteht sogar in der Arbeitswelt der Hauch von Verzückung und Geheimnis. Zumindest für den Leser gibt es nichts Schöneres, als durch das längst ausgestorbene Buchstabenreich einer alten Druckerei zu wandern.

Bei Katja Lange-Müller freilich ist für die Ich-Erzählerin die Druckerei ein ärgerlicher Höhepunkt einer miesen Arbeitswelt. Quasi als Not-Job heuert die Erzählerin in einer Klein-Druckerei an und ist sofort von seltsamen Kollegen umgeben.

Alex Capus, Der König von Olten

h.schoenauer - 23.07.2009

Buch-CoverIn einer mittelmäßigen Kleinstadt muss ein Schriftsteller immer damit rechnen, dass er argwöhnisch beäugt wird, wenn er etwas schreibt. Andererseits hinterlassen die Menschen einer solchen Stadt auch immer Wünsche, was der Autor als nächstes schreiben soll.

Alex Capus ist ein begeisterter Olten-Bewohner, der für einen Außenstehenden geradezu berührende Geschichten über jenes Kleinod des Zusammenlebens schreibt, das unsereins in der Hauptsache als Bahnknoten kennt.

Blixa Bargeld, Europa kreuzweise

h.schoenauer - 04.07.2009

Buch-Cover

Du kannst mich mal kreuzweise! - Diese Fügung bedeutet allgemein, dass jemand von einer Sache oder Person ziemlich genug hat.

Blixa Bargeld verwendet diesen satten Begriff "kreuzweise", um einerseits die Abgeklärtheit gegenüber Europa als Geographie auszudrücken und andererseits zu erzählen, dass er jeden Winkel des Kontinents irgendwann einmal aufgesucht hat.

Stephan Alfare, Meilengewinner

h.schoenauer - 03.07.2009

Buch-CoverIm Flugverkehr gibt es fallweise so etwas wie Bonus-Meilen oder Vielfliegergratifikationen. Am Boden ist ein Meilengewinner offensichtlich jemand, der sich selbst mit dem Absolvieren von Meilen belohnt.

Das Hauptthema im Roman ist die Gelassenheit und Beiläufigkeit, mit der die Figuren unterwegs sind. Der Ich-Erzähler strolcht mit sich im Süden herum, trifft ununterbrochen neue Leute, trinkt mit diesen, ehe die zufällig zusammengekommenen Grüppchen sich wieder in alle Winde zerstreuen.

Günther Zäuner, Unterösterreich

h.schoenauer - 02.07.2009

Buch-CoverJede Gesellschaft besteht aus Untergesellschaften, die nach eigenen Spielregeln handeln und in sich abgeschottet sind. Man denke nur an die Kaste der Politiker, Adeligen oder Universitätsprofessoren, die vor allem eines im Auge haben:

Niemand, der nicht die Initiationsriten dieser Subgesellschaft absolviert hat, darf in diesen kompakten Kleinwelten auftreten.

Ilse Kilic / Fritz Widhalm, Zeilen entlang der Zeit

h.schoenauer - 02.07.2009

Buch-CoverManchmal wird die Literatur so eigenständig, dass sie nach einer neuen Gattung verlangt. Ilse Kilic und Fritz Widhalm komponieren schon seit Jahren eine realistisch üppige Literatur zusammen und statten sie ständig mit neuen Gattungsbegriffen aus.

So bietet etwa der Verwicklungsroman eine feine Möglichkeit, Geschehnisse und Verhältnisse aus der Vergangenheit autobiographisch mit der Gegenwart zu verknüpfen.

Jan Kossdorff, Sunnyboys

h.schoenauer - 30.06.2009

Buch-CoverEin Roman kann an manchen Tagen wie eine Zauberformel wirken. Der mieseste Alltag, die gewöhnlichste Trivialität, die flachsten Gedankengänge - alles kann plötzlich zu einem Abenteuer werden, wenn sich ein Roman dieser Dinge annimmt.

Jan Kossdorff verzaubert mit seinem Roman gewöhnliche Figuren und lässt sie als echte Sunnyboys auftreten. Die Brüder Clemens und Claudio Kommenda sind nicht nur sonnige Typen, sie führen auch das passende Sonnenstudio dazu.

Georg Elterlein, Der Hungerkünstler

h.schoenauer - 29.06.2009

Buch-CoverZu einer Zeit, als es noch kein Big Brother im Fernsehen gab, waren Hungerkünstler zur Unterhaltung am Werk, indem sie ihre Hungerei öffentlich zur Schau stellten. Franz Kafka hat in seiner gleichnamigen Erzählung so einen Hungerkünstler als ironisches Lichtbild eines idealen Künstlers entworfen, der Künstler wird darin einfach im Käfig vergessen und stirbt.

Bei Georg Elterlein tritt der Hungerkünstler als modernen Held voller Psychosen auf.

Ursula Haas, Drei Frauen

h.schoenauer - 29.06.2009

buchcoverVielleicht kann man ein Leben nur dann halbwegs beschreiben, wenn man gleich drei beschreibt. Ursula Haas verknotet in ihrem "Künstlerinnen-Roman" drei Stränge ineinander, dabei erzählt sie in Ich-Du-Sie-Form.

Als Ich-Erzählerin führt die Schriftstellerin Lenka durch den Roman. Diese Figur ist teilweise autobiographisch angelegt, 1943 in Tschechien geboren ist das erste aufwühlende Ereignis die Flucht zu Kriegsende in den Westen.

Isabella Breier, 101 Käfer in der Schachtel

h.schoenauer - 28.06.2009

Buch-CoverEine Liebesgeschichte, die mit Ludwig Wittgenstein loslegt, kann das gut gehen? - Und wie, denn das Verhältnis zwischen Klarheit und Unklarheit lässt sich kaum besser ausdrücken als mit dem Bild Ludwig Wittgensteins, wonach jeder einen anderen Käfer in seiner Schachtel sieht.

Isabella Breier unterlegt den Kosmos von Nähe und Ferne, Liebe und Coolness, Nähe und Distanz mit einem minimalen Plot.