Gesellschaft | Kultur

Waltraud Seidlhofer, Tage, Passagen

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverNach einer intensiven Reise wird das Informationsmaterial meist in einer Schachtel abgelegt und Jahre später wird alles umgestülpt und neuerlich zum Vorschein gebracht. Die wahre Ordnung einer Reise aber bestimmt stets der Reisende.

In Waltraud Seidlhofers poetischer Materialschachtel betritt vielleicht jemand ein Museum, umkreist es, geht hinein und legt sich eine Ordnung der ausgestellten Dinge zurecht. Ähnlich geht man ja auch beim Erkunden einer Stadt vor, man reist an, umkreist sie und durchschreitet sie mit aufgerissenen Augen.

Tristan Egolf, Kornwolf

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-Cover

Im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges wurden Außenseiter, Deserteure und Flüchtlinge, die sich in den Feldern versteckten, Kornwölfe genannt. Der Begriff hat in älteren deutsch-amerikanischen Gemeinden bis heute überlebt.

Tristan Egolf beschreibt Amerika stets von den Rändern her, dort wo der amerikanische Traum längst aufgehört hat, wo die Verkehrsverbindungen an ihr Ende kommen, wo sich eine verzopfte Gedankenwelt über Jahrhunderte ungeschoren als Desaster im religiös verwirrten Kopf halten kann.

Manfred Chobot (Hrsg.), Genie & Arschloch

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverEs gibt die schöne These, wonach sich das Genie nach außen und das Arschloch nach innen zeigen. Zyniker meinen, bei Österreichern sei es genau umgekehrt.

Manfred Chobot hat ein Dutzend Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingeladen, über das grandios widersprüchliche Begriffspaar Genie und Arschloch jeweils Fallbeispiele zu dokumentieren.

Mieze Medusa / Markus Köhle, Doppelter Textpresso

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverSlam Poetry hat sich längst von einer spontan süffisanten Verbaleinlage für einen literarischen Wettstreit zu einer selbständigen Kunstform entwickelt.

Dabei steht der fetzige Vortrag im Mittelpunkt der Darbietung, aber durch die Konservierungsform CD und Buch erfährt der Slam eine neue Seh- und Hörweise und entsprechenden Tiefgang.

Lorenz Langenegger, Hier im Regen

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es eine eigene Kategorie von Regen-Romanen, darin wird alles hinter einem Guss aus Wasser erzählt, die Konturen der Helden sind naturgemäß mit der Umwelt verflossen und die Seele der Figuren zieht sich dabei auf das Erbärmlichste zusammen und verkriecht sich unter der eigenen nassen Haut.

Bei Lorenz Langenegger regnet es den ganzen Roman hindurch, und der Titel Hier im Regen evoziert die Redewendung im Regen stehen lassen.

Martin Beyer, Alle Wasser laufen ins Meer

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-Cover

Manchmal gelingt Dichtern nicht nur der große literarische Wurf, sondern auch ihr Leben verläuft dermaßen dicht, dass daraus wieder Stoff für einen Roman wird.

Martin Beyer wendet sich mit seinem Roman Alle Wasser laufen ins Meer Georg Trakl und seinem Verhältnis zu seiner Schwester Grete zu. Dabei geht es vor allem um die Beschreibung einer Künstlertruppe am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Norbert Loacker, Der Zufällige

h.schoenauer - 14.12.2009

Buch-CoverWahrscheinlich gibt es keine spontanere Lebensform als jene, welche permanent dem Zufall gehorcht.

Norbert Loacker schickt seinen Helden als Zufallsmenschen durch den Alltag. Morf ist nicht nur selbst ein zufällig herumschwirrender Mensch, seine größte Leistung besteht darin, dass er aus dem Zufall heraus sein Kind zeugt.

Erika Wimmer, Die dunklen Ränder der Jahre

h.schoenauer - 09.12.2009

Buch-Cover

Der Sinn des Lebens besteht unter anderem auch aus einem historischen Bewusstsein. Es nützt offensichtlich die beste Ausstattung nichts, wenn man nicht weiß, wer man ist.

In Erika Wimmers Roman suchen Vater und Tochter letztlich ihre wahre Identität.

Susanne Dir, Es hat sich eröffnet

h.schoenauer - 09.12.2009

Buch-CoverManche Jahreszeiten brauchen ziemlich viel Input, damit sie anschließend mit vollem Lebensglück zurückstrahlen. Aus diesem Grund gibt es für jedes größere Fest eine Unzahl von Gebrauchsbüchern, die das Ereignis mit Tipps unterfüttern.

Susanne Dirr hat eine Advent-Unterstützung geschrieben, die ihren Reiz darin hat, dass die Empfehlungen alle aus erprobter Praxis kommen. Und außerdem ist es durchaus lesenswert, was in einem spezifischen Bezirk, in diesem Fall dem Außerfern, so alles an stimmungsvollem Material in der Luft liegt.

Daniel Schwartz, Schnee in Samarkand

h.schoenauer - 08.12.2009

Buch-CoverWas haben Reisen und fette Bücher gemeinsam? - Mit beiden lässt es sich aus der Zeit aussteigen.

Daniel Schwartz ist zwischen 1987 und 2007 als einsamer Fremder in jene asiatischen Gebiete der Zeitlosigkeit gereist, die oft schon eine Hochkultur entwickelt hatten, als in unseren Gegenden noch nicht einmal die Bäume aufgestellt waren, von denen später der homo alpinus heruntergeklettert ist.