Gesellschaft | Kultur

Wolfgang Pollanz, Kurze Geschichte der Welt in 25 Gängen

andreas.markt-huter - 10.10.2007

Buch-Cover

Was wären die großen Weltereignisse ohne das Essen, und artet nicht manches Mahl zu einem Weltereignis aus?

Wolfgang Pollanz serviert die Weltgeschichte anhand toller Tafel-, Snack- Fressgeschichten.

Josef Winkler, Roppongi

andreas.markt-huter - 07.10.2007

Buch-CoverRoppongi heißt jener Stadtteil von Tokio, in dem die österreichische Botschaft untergebracht ist. Dem Icherzähler wird an diese Botschaft die Nachricht übermittelt, dass zu Hause in Kärnten der Vater 99-jährig verstorben sei.

Der Autor kauft eine Kerze und zündet sie im Hotelzimmer an, er beschließt, nicht zum Begräbnis nach Kärnten zu reisen.

Bernhard Strobel, Sackgasse

andreas.markt-huter - 07.10.2007

Buch-CoverWenn man so Einfamilienhäuser verloren in ihren Siedlungen liegend betrachtet, fragt man sich oft, wozu diese Dinger gut sein könnten. Bernhard Strobel lässt darin frech seine Sackgassen-Erzählungen spielen, und der Sound kaputter Wüstenrothäuschen entwickelt sich sofort zu einem beeindruckenden Ereignis.

Jemand kann nicht schlafen, die Nacht ist unendlich lang und wird vor allem nach hinten hin zu einer unerträglichen Sackgasse des Empfindens. Da führen Johannes und seine Schwester ein Gespräch voller Trash und Langeweile, um die Zeit totzuschlagen.

Andreas Renoldner, Unter die Haut

andreas.markt-huter - 07.10.2007

Buch-CoverWas für ein sinnlich gruseliger Titel! - Unter die Haut geht bekanntlich alles, was man an Schrecken und Gefühlsexplosion als Inhaber eines Körpers noch nicht richtig einem Sinnesorgan zuordnen kann, und unter die Haut wird im medizinischen oder Junkie-Bereich alles gespritzt, was nicht in die Venen gehört.

Andreas Renoldner bringt für seine verspielt kühle Liebesgeschichte einen Erzähler in Stellung, der immer wieder ins lyrische Du hinüberwechselt, aber dann doch recht ernüchtert unter seine eigene Haut schlüpft, in der er manchmal gar nicht stecken will.

Rolf Dobelli, Turbulenzen 777 bodenlose Gedanken

andreas.markt-huter - 03.10.2007

Buch-CoverPerfekte Literatur kommt letztlich ohne Handlung aus. Im Gegenteil, sie streift jede irdische Beschwernis ab und geht in die Luft.

Rolf Dobelli legt den Rahmen seines Buches äußerst karg und ökonomisch an, dafür gibt es dichtestes Material in Form von Sentenzen, kleinen Aphorismen, halbwachen Gedankenpixeln.

Margit Schreiner, Haus, Friedens, Bruch

andreas.markt-huter - 02.10.2007

Buch-Cover

Wenn es im Leben drunter und drüber geht, hilft ein geradliniges Buch gar nichts, da muss eine Texttrommel her, die die Lebensgeschichte ordentlich durch wirbelt.

Margit Schreiners Konvolut mit dem aufgesplitteten Titel "Hausfriedensbruch" zerlegt eine komplizierte Lebenssituation in die scheinbar so harmlosen Wörter Haus, Frieden und Bruch. Die Ich-Erzählerin ist Schriftstellerin, Alleinerzieherin, Wechseljahrgang und Wohnungsbewohnerin. Aus diesen Zuständen ergibt sich ein rasantes Leben, das mit Überdruck durch die eigenen Adern schießt.

Linda Stift, Stierhunger

andreas.markt-huter - 02.10.2007

Buch-CoverDer Gugelhupf gilt nicht nur als der König der österreichischen Kaffeejause, unter Gugelhupf versteht man auch eine psychiatrische Anstalt mit mehr oder weniger ringförmigem Auslauf.

Der Roman Stierhunger beginnt wie eine Vorabendserie. Eine unbekannte Frau bittet die Ich-Erzählerin, ihr doch den halben Gugelhupf abzunehmen, da ihr ein ganzer zu viel ist. Über den Gugelhupf kommen bekanntlich die skurrilsten Leute zusammen, die Erzählerin ist bald einmal bei der Gugelhupffrau zu Gast und erlebt einen Transfer in eine andere Zeit.

Kurt Lanthaler, Das Delta

andreas.markt-huter - 21.09.2007

Buch-CoverIm Zeitalter durchgehender Terrorangst darf man nirgendwo auf der Welt einen Koffer abstellen, ohne dass dieser nicht sofort gesprengt würde.

Diese Erfahrung macht auch der Lebenskünstler Fedele Conte Mamai - wörtlich übersetzt der treue Graf Niemals (S. 78) -, als er nach Jahrzehnten wieder in das Po-Delta zurückkehrt. Irgendwie verliert er den Koffer aus den Augen und ist schon dran. Carabinieri wollen alles wissen, wer warum weshalb, und genau auf diese Fragen weiß der treue Graf keine Antwort.

Gabriele Bösch, Der geometrische Himmel

andreas.markt-huter - 18.09.2007

Buch-CoverNirgendwo lässt sich die Geschichte so genau beschreiben wie im Familienkreis. Selbst die großen weltbewegenden Vorgänge wirken manchmal wie ein Durchblättern eines Familienalbums.

In Gabriele Böschs Erzählung stellt eine so genannte Dutzendfamilie die Zeitgeschichte der Sechziger- und Siebzigerjahre dar. Magische Jahreszahlen tauchen als Kapitelüberschriften auf, 1948, 1958, 1979 etwa, und man merkt gleich, dass diese herausgepickten Jahre nicht immer mit den großen Ereignissen in der Welt etwas zu tun haben. Es sind persönliche Fransen, wo ein Familienmitglied vielleicht etwas Poetisches, Elementares oder auch nur bemerkenswert Alltägliches erlebt hat.

Hans Salcher, Vater

andreas.markt-huter - 18.09.2007

Buch-CoverDein Bild ist gemalt / wir bewundern es jeden Tag! – Bereits diese Präambel, die wie ein Grabstein vor die Erzählung gemeißelt ist, lässt erahnen, mit welcher Inbrunst hier ein Vaterbild an die Wand der Erinnerung gehängt wird.

Die strengen Züge des Vaters werden Absatz für Absatz entstrafft, bis allmählich ein gutmütiges, wohlwollenden und trauriges Erinnerungsbild übrig bleibt.