Sepp Kahn, Der Birnbaum schweigt
Vielleicht kann man die Gattung Bauernkrimi ausrufen, um Sepp Kahns wundersame Agrar-Bio-Orgie irgendwie zu beschreiben.
Der Fall lässt sich wie ein kitschiges Löwinger-Stück an. Der Lift-Theo ist in Frühpension gegangen und bewirtschaftet eine entlegene Hütte, dabei meditiert er viel, moderiert mit sich selbst das Aussteigerleben und legt eine satte Spur von Lebenswitz und Lebenserfahrung hin.
An schaurigen Orten kriminellen Geschehens wird oft eine Gedenktafel aufgestellt, auf der in heftig blutigen Sätzen der Ablauf des Verbrechens im Inschriften-Stil dokumentiert wird.
Für die aktuelle Erforschung eines Lands sind nach wie vor fetzige Krimis der beste Zugang.
Wie kann man zwischen Wahn und Wahrnehmung hin und her driften, ohne dass man nicht restlos den Überblick verliert?
So entlegen kann eine Gegend gar nicht sein, dass darin nicht ein Krimi spielen könnte. Man braucht nur den wundersamen Begriff „Tibet“ im Kopf in seine Begriffsfelder zu zerlegen und hat schon die Zutaten für einen vortrefflichen History-Transzendenz-Exotic-Krimi.

Seit Karl May lieben wir Leser alle diese Serienhelden, die in jedem Fall bei Null anfangen und uns mit ihrer offenen Art in die Arme und ein paar hundert Seiten lang in ihre Welt mitnehmen.
Diese kleinen Filialleiter, die immer wieder auf der Kriminalseite der Tagespresse auftauchen, sind die Idealen Helden, um große Systeme zu sprengen. Angetrieben von der Geilheit des Geldes sind sie so gut wie zu jedem Verbrechen fähig und immer wieder haben sie die Moral auf ihrer Seite, denn sie haben ja nichts anderes im Sinn, als ein freches unmenschliches System ordentlich auszureizen.
Auf eine sichtbare Kakerlake kommen zehn unsichtbare, allein in diesem Zimmer wird mindestens ein Kilo Kakerlaken herumkriechen. - Kommissar Harry Hole aus Oslo ist ziemlich fertig, er liegt in Bangkok im Hotel und soll kühl einen Mord an einem norwegischen Diplomaten untersuchen.