Anitra Nottingham / Jason Phillips, Typisch Typo
„Das Alphabet ist eines der wenigen menschlichen Werkzeuge oder Erfindungen, die enorme technologische Umbrüche unbeschadet überstanden hat. Die Geschichte der Schriftarten ist jedoch nur nicht nur eine Geschichte des Alphabets. Designerinnen und Designer haben Schriften aus allem möglichen Gründen entworfen (und verbessert): aus ästhetischen und technischen, aber auch aus politischen, philosophischen und persönlichen Gründen. Schriften haben den Gang der Geschichte miterlebt, aufgezeichnet – und gelegentlich sogar vorangetrieben.“ (S. 7)
Viele Menschen setzen sich täglich mit Schrift konfrontiert ohne sie meist bewusst wahrzunehmen, weil sie sich auf den Inhalt des Geschriebenen konzentrieren. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Schriftarten, die auch unser Leseerlebnis mit beeinflussen. „Typisch Typo“ bietet eine Einführung, einen Überblick und eine kleine Geschichte zu verschiedenen bekannten und weniger bekannten Schriftarten, die ebenso informativ wie unterhaltsam ist.
Das Unerfüllbare / fülle ich / mit Unerfüllbarem. (16) ‒ Selten ist die Absicht der Lyrik so klar formuliert wie in der „Stunde der Wintervögel“. Dieser magische Titel kreist scheinbar um das gängige Hauptmotiv der Gegenwartslyrik, den Vögeln, in Wirklichkeit aber ist ein poetischer Teppich über das Land gelegt, aus dem wie in alten Zeiten des Teppich-Klopfens Gebrauchspartikel der unmittelbaren Gegenwart geschüttelt werden.
„Unter all den Vorwürfen, die gegen das seltsame politische Gebilde namens Europa und seine Bewohner in jüngeren Tagen laut geworden sind, […] dürfte der mildeste jener sein, wonach es durch seine telefonische Unerreichbarkeit auffalle. Man hat dem altgedienten, im November 2023 verstorbenen Politologen Henry Kissinger, einem vormaligen Außenminister der USA, das Scherzwort zugeschrieben, er wisse nicht, welche Nummer er wählen könnte, falls er Europa an die Leitung bekommen wollte.“ (S. 9)
Widerstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.
Zuerst liest man aus einer vagen Erinnerung heraus von einem Marterpfahl, aber dann schärft sich der Blick nach und es löst sich der Begriff „Auf Marterpfaden“ vom Cover.
„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)
In der Rezensionstechnik gilt eine magere Empfehlung, wonach man aus Respekt vor dem Kunstwerk Superlative nur ironisch verwenden soll. So ist auch die Behauptung zu verstehen: „Alois Schild gilt in Tirol als der Künstler mit dem größten Verkehrswert.“ Diese Anspielung beruht auf der Tatsache, dass an ein paar wesentlichen Verkehrsknoten und Kreisverkehren Tirols tatsächlich Skulpturen von Alois Schild aufgestellt sind.
Was sich wie ein kontrollierter Fluch einer seelisch austarierten Person anhört, entwickelt sich im Verlaufe des lyrischen Prozesses zu einer Sucht. „Herr Gott noch mal“ kann eben auch den Wunsch ausdrücken, etwas möge noch einmal geschehen.
Noch vor dem Aufschlagen des Gedichtbandes löst der Titel schon erste Bilder und assoziative Aufregungen aus. ‒ Handelt es sich bei der weichen Masse um einen Hundekot, wie er in modernen Gesellschaften massenhaft in Städten ausgelegt ist? Ist die weiche Masse vielleicht das Hirn, von dem sich ein Gegenüber einen virtuellen Abdruck verschafft hat? Oder ist gar ein Verbrechen geschehen, und ein Forensiker gießt einen Fußabdruck mit einer weichen Masse aus?
Wenn man die weite Welt nur eng genug fasst, hat man sie bald vollends im Griff und sie frisst einem aus der Hand. Alfred Paul Schmidt schrumpft in seinem Roman „Diese weite Welt“ das Universum auf die Stadt Graz herunter, der er den wundersamen Namen Schenn gibt, was schnell ausgesprochen etwa „schön“ bedeuten könnte. Und weil es so schön ist, heißt auch der Fluss Schenn, an den die Stadt angedockt hat.