Alfred Paul Schmidt, Diese weite Welt
Wenn man die weite Welt nur eng genug fasst, hat man sie bald vollends im Griff und sie frisst einem aus der Hand. Alfred Paul Schmidt schrumpft in seinem Roman „Diese weite Welt“ das Universum auf die Stadt Graz herunter, der er den wundersamen Namen Schenn gibt, was schnell ausgesprochen etwa „schön“ bedeuten könnte. Und weil es so schön ist, heißt auch der Fluss Schenn, an den die Stadt angedockt hat.
Ich-Erzähler, Protagonist und Antreiber für exzessives Denken ist Christian Leitner, Schriftsteller und siebenundvierzig Jahre alt, was ein gewisser Anachronismus ist, denn üblicherweise sind erzählende Schriftsteller allemal in Ruhestand. Aber das ist der Held vielleicht auch, denn er geht keiner geregelten Arbeit, ja nicht einmal geregeltem Schreiben nach. In der Hauptsache streift er durch die Stadt und bleibt am Lokal Neger hängen, dessen Namen man gerade noch aussprechen darf, weil es sich um einen Traditionsbetrieb handelt, der nichts für Political Correctness kann.
Ein ermunternder Zuruf an Beamte – was für ein frecher Titel! Christian Steinbachers Quellgebiet sind die Archive, Geheimdepots für Geschichten, Nachlässe von Eremiten und Tiefbohrungen in Wortschutzgebieten. Seine Gedichtbände gleichen Inventarverzeichnissen verschollener Texturen und poetischen Erkundungsstollen, weshalb der Band „Hoch die Ärmel“ auch mit der Genrebezeichnung „Gedichte“ und der Forschungsmethode „Schritte“ bezeichnet ist.
Sobald man das Mittelmaß von etwas zu ermitteln versucht, treten die Extreme und Extravaganzen unkündbar in den Vordergrund. Ein durchschnittliches Leben zu ermitteln, führt in der Literatur verlässlich zu einem Heldenepos, in dem sich die Protagonisten nicht gegen ihre wahrhaftige Bedeutung zur Wehr setzen können.
Widerstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.
Was immer das Leben unvergessen machen kann, es gleicht einer Sanduhr, die ein paar Mal gedreht wird, ehe der Sand in der Zeit verschwunden ist.
Das Unerfüllbare / fülle ich / mit Unerfüllbarem. (16) ‒ Selten ist die Absicht der Lyrik so klar formuliert wie in der „Stunde der Wintervögel“. Dieser magische Titel kreist scheinbar um das gängige Hauptmotiv der Gegenwartslyrik, den Vögeln, in Wirklichkeit aber ist ein poetischer Teppich über das Land gelegt, aus dem wie in alten Zeiten des Teppich-Klopfens Gebrauchspartikel der unmittelbaren Gegenwart geschüttelt werden.
Zumindest in der Literatur, sagt man, kann es Austria mit Amerika aufnehmen. Und dann werden gleich wuchtige Beispiele von Kürnberger, Kafka, Roth und Handke genannt, worin von Europa aus ein kontinentales Weltbild von Amerika entwickelt worden ist.
Im Idealfall beschreibt ein einziges Wort einen Kosmos voller Gefühle, Erinnerungen und Träume. In der Lyrik sind diese Zauberbegriffe oft in rätselhaften Gedichten versteckt, manchmal werden sie auf das Cover gespült und schalten dabei das Licht an für eine wundersame Imagination – Lunapark.
Welches Werkzeug passt zu welchem Kunstwerk? – Wenn Literatur als Kunstwerk die Gegenwart erhellen soll, braucht es auch einen Blick auf das Genre, das als Medium diese Gegenwart betreut.
Wenn zwei lyrische Kerne als Projekte aufeinandertreffen, entsteht eine Art lyrische Kettenreaktion, die sich in einem plastischen Kunstwerk äußert. - Im Falle von OUT NOW lässt sich diese lyrische Plastizität als flugschrift N° 51 geradezu mit Händen und Augen greifen.