Literatur

Heinz D. Heisl, Abriss

h.schoenauer - 27.10.2008

Buch-CoverErinnerung gleicht manchmal jenem Vorgang, den wir "in die Speichen greifen" nennen, das Rad der Zeit dreht sich unbarmherzig, wer unvorsichtig hineingreift holt sich oft blutige Finger.

In Heinz D. Heisls Roman Abriss geht es um Verletzungen, Abrechnungen, Wunden aus der Kindheit.

Dietmar Bittrich, Altersglück

h.schoenauer - 19.10.2008

Buch-CoverWollte man das Buch vom Altersglück und dem Segen der Vergesslichkeit inhaltlich korrekt rezensieren, sollte man als Rezensent augenzwinkernd schreiben. "Ich habe schon wieder vergessen, was ich gelesen habe".

Dietmar Bittrich, der bereits so große Themen wie den Nutzen der Bildungsromane oder den Unsinn von Familien behandelt hat, widmet sich in diesem Essay-Roman dem Thema Altern und Vergessen.

Güni Noggler, Eine Selbstverständlichkeit

h.schoenauer - 09.10.2008

Buch-CoverEin Leben, das voller Selbstverständlichkeit abläuft, kann durchaus dick daherkommen. Güni Noggler erzählt auf beinahe siebenhundert Seiten in großen Schleifen von einem Dutzendleben, wie es im zwanzigsten Jahrhundert wohl mannigfach vorgekommen ist.

Leopold Kramer ist ein lebensintelligenter Mensch, der stets den Anforderungen der jeweiligen Gesellschaft gewachsen ist. Doch jetzt, am Ende seiner Durchschnittskarriere, löst sich sein Leben nicht nur biologisch auf, auch was ihn ideell zusammengehalten hat, geht restlos in die Binsen.

Klaus Rinner, Dr Stegers Herzensverdruss in sechs Tagen

andreas.markt-huter - 28.09.2008

Buch-CoverHerzensverdruss löst eine recht melancholische Stimmung aus und ist ein Mittelding zwischen Weltverdruss und Herzinfarkt.

Dr. Steger biegt als Ich-Erzähler seine Tage herunter mit dem Gefühl der Selbstverachtung, als Leser begleiten wir ihn sechs Tage lang, und jeder Tag liegt schwer auf dem Gemüt des Helden. Als Rechtsanwalt streunt Dr. Steger durch seine Fälle und stolpert zwischendurch über sich selbst.

Rosewith Holzknecht-Strickner, Windeln im Wind

h.schoenauer - 28.09.2008

Buch-CoverManchmal genügt eine Wortinsel, um einen ganzen Lebenslauf zu dokumentieren. Windeln im Wind ist so eine lyrische Fügung, die sofort heftige Bilder evoziert.

Veränderung steht vor der Tür, das Wetter schlägt vielleicht um, Wind kommt auf und peitscht die Windeln auf, die geometrisch abgeklärt im Freien hängen.

Paul Flora, Fauna Fabeln und Figuren

h.schoenauer - 22.09.2008

Buch-CoverWas gibt es Schöneres, als pünktlich zu Herbstbeginn einen neuen Flora-Band aufzuschlagen, der pünktlich zu Herbstbeginn frisch ausgeliefert worden ist?

Als Motto ist diesem Bildband jenes wunderbare Blatt aus dem Jahre 2001 vorgespannt, worin ein altösterreichischer Spion als Baum verkleidet einem ahnungslosen russischen Grenzwächter gegenübersteht.

Elias Schneitter, Österreich Karl

h.schoenauer - 21.09.2008

Buch-CoverWas der Herr Karl sagt, ist Österreich, und Österreich ist folglich Karl. Spätestens seit Helmut Qualtingers grandiosem Monolog "Der Herr Karl" aus dem Jahre 1961 lässt sich Österreich auf die Kurzformel Karl bringen.

Elias Schneitter nennt seine drei Erzählungen über wahnsinnige Österreicher schlicht Karl, denn obwohl die großen Adeligen oft Karl geheißen haben, ist dies der Name des kleinen Mannes, der durchaus zwischendurch etwas trinkt und dadurch allerhand von der Welt mitbekommt nach dem Motto: "Mir macht keiner mehr was vor."

Thomas Schafferer, Jahrzehnt Ligurien

h.schoenauer - 21.09.2008

Buch-CoverManchmal ziehen Maler in lichte Gefilde, um den Pinseln endlich jene Leuchtkraft zuzumuten, von der sie zu Hause nicht zu träumen wagen.

Thomas Schafferer hat sich zwischen 1992 und 2006 ein Dutzendmal ins Mediterrane begeben, um den Gedichten einen Wind zu verpassen, den es bei uns sonst nicht gibt.

Lisa Mayer, funke zinte zepf ahschneide

h.schoenauer - 21.09.2008

Buch-CoverWem gehörst denn du? fragt gleich zu Beginn ein lyrischer Geist, so wie in alten Filmen der Tourist das in Tirol am Zaun aufgestellte Mädchen fragt. - Ja wem gehören diese Gedichte und wo gehören sie hin?

Lisa Mayer stellt ihre Gedichte mitten in die Welt des 21. Jahrhunderts, obwohl der Dialekt archaisch anmutet und es auf der beigefügten CD akustisch ziemlich rund geht.

Norbert Gstrein, Die Winter im Süden

h.schoenauer - 09.09.2008

Buch-CoverBei Revolutionären und sonstigen politischen Vorpresch-Aktivisten ist die schlimmste Zeit der Winter. Als "Überwintern der Revolutionäre" wird süffisant jener Zustand bezeichnet, in dem die Akteure auf sich selbst gestellt ein unscheinbares Leben führen müssen.

Norbert Gstrein schickt seine Figuren in den Süden, denn die Winter im Süden sind schrecklich (160) Einmal steigt Marija, eine Frau aus Wien, aus ihrer Ehe aus und überwintert seelisch in Zagreb, der Stadt ihrer Kindheit. Zum anderen ist ein alter National-Haudegen nach dem Weltkrieg nach Argentinien abgehauen und überwintert politisch auf der südlichen Halbkugel.