Lyrik

Gregor M. Lepka, An der Zeit vorbei

h.schoenauer - 17.01.2012

Buch-Cover

Im Idealfall gräbt sich der Titel eines Gedichtbandes beim Vorübergehen so in das Gedächtnis des Lesers, dass man einen Schritt zurückgeht, das Buch nimmt und es wissen will: Was hat es mit diesem Titel auf sich?

Gregor M. Lepka stellt seinen Gedichten dieses ?An der Zeit vorbei voran, ein Programm, das einerseits zeitlos ist, weil es auf die Zeit keine Rücksicht nimmt, andererseits programmlos ist, weil seine Zeit schon abgelaufen ist.

Axel Karner, Chanson Grillée

h.schoenauer - 17.01.2012

Buch-Cover

Gegrillte Gedichte sind vielleicht eine ideale Zutat zu gewissen Grillanlässen im Freien, sie besingen die geschlachtete Materie, die auf dem Grill bruzzelt, sie verweisen auf das Irdische allen Fleisches und die verfressenen Lüste der Menschheit.

Axel Karner verweist in einem Kommentar zu seinen gegrillten oder gerösteten Gedichten auf die Entstehungsgeschichte seiner poetischen Feinschmeckereien. Angeregt von einer Lithographie des Mexikanischen Malers Francisco Toledo ?Ein Grashüpfer kämpft mit dem Tod hat der Autor ein Alphabet des Schlachtens verfasst.

Erich Schirhuber, Im Herbst fast weiß

h.schoenauer - 04.12.2011

Buch-Cover

In Gedichten wird der wahre Blick manchmal durch Ironie oder andere Ablenkungen etwas beiseite gekrümmt, um den Weg auf die Wahrheit frei zu legen.

Erich Schirhuber verwendet oft bekannte Sequenzen, um sie durch ein paar raffinierte poetische Handgriffe lyrisch zu tunen und unvergessliche Gedichte daraus zu machen. Schon der Titel ?Im Herbst fast weiß zeigt diese Methode. Der Lebensabend, im Haar vielleicht vollkommen weiß, wird euphemistisch noch Herbst genannt, und auch die offensichtlich vom Winter schon geweißelte Szenerie suggeriert noch die Sattheit des Herbstes.

C.W. Bauer, mein lieben mein hassen mein mittendrin du

h.schoenauer - 18.11.2011

Buch-Cover

Lyrik besteht einerseits aus einzelnen Gedichten, die jeweils wie ein optisches Gerät einen anderen Blick auf die Gegenwart ermöglichen, andererseits ist Lyrik ein Universum, worin die einzelnen Texte sich bis zur Größe einer Milchstraße entfalten.

Christoph W. Bauer schickt in seinem Gedichtband ?mein lieben mein hassen mein mittendrin du in einzelnen Gedichten ein lyrisches Ich auf die Reise mit und zur Geliebten, andererseits kippt er die Zeitachse, indem er nahtlos an der erotischen Lyrik Catulls ansetzt, diesen mit Zeilen aus der Gegenwart umgarnt, übersetzt, spiegelt.

Stefan Schmitzer, scheiß sozialer frieden

h.schoenauer - 12.11.2011

Buch-Cover

Manche Gedichte sind wie verwachsene Liegenschaften, um die der Leser herum streicht, angezogen durch magische Musik, die daraus hervor dringt, abgeschreckt durch die Ahnung, dass vielleicht wilde Hunde darin herum rennen.

Stefan Schmitzers Gedichte sind voller Musik, gleichzeitig haben sie Schutzzäune um sich aufgebaut, so dass man nur an gewissen Stellen zu ihnen vorzudringen mag.

Bosko Tomasevic, Früchte der Heimsuchung

h.schoenauer - 21.06.2011

Buch-Cover

Biblisch wie die "Früchte des Zorns" von John Steinbeck sind auch die "Früchte der Heimsuchung" von Bosko Tomasevic.

In einem Ton voller Leidenschaft, an manchen Tagen wild wie eine Prophezeiung, an anderen leidenschaftlich klar wie ein Psalm ausformuliert, durchquert ein lyrisches Ich sein eigenes Schicksal, das von Sehnsucht, Gottesfurcht und Enttäuschung gekennzeichnet ist.

Rut Bernardi, Lyrik und Prosa kreuz und quer

h.schoenauer - 18.06.2011

Buch-Cover

Es gibt Literaturen, die sind so klein, dass sie fast ausschließlich sich selbst zum Inhalt haben. In der Serie Kleine Literaturen Europas stellt Rut Bernardi quasi im Alleingang das Ladinische in Lyrik und Prosa vor.

In den Texten taucht immer wieder die Frage auf, wie eine kleine Sprache überleben kann, was man auf Dauer mit dem Konzept Einweg-Übersetzungen anfängt und wie die aktuelle Gegenwart sich auf die Semantik einer archaischen Sprache auswirkt.

Jup Rathgeber, Die verwaltete Zeit

h.schoenauer - 29.05.2011

Buch-Cover

Manche Städte entwickeln kraft einzelner Künstler ein unverwechselbares Kulturambiente, das sie jeweils von anderen Habitaten unterscheidet.

In der Silberstadt Schwaz gibt es etwa ein markantes Klima des urbanen Universums. Dabei atmen die Künstler einerseits den großen Weltgeist aus, andererseits verlassen sie die Stadt nur noch zu ganz seltenen Anlässen.

Jack Hirschman, Wer trägt Sorge / Who cares

h.schoenauer - 01.05.2011

Buch-Cover

Das soziale Gewissen lässt sich wie die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens nicht durch Fachliteratur sondern höchstens durch Poesie darstellen.

Jack Hirschman gilt als sowohl als Sozialpoet als auch als poetischer Sozialist, je nachdem, als was seine Veranstaltungen angekündigt sind. In Langzeilen-Poems in der Art der Beatniks greift er aktuelle politische Situationen auf, um sie anhand der gequälten Seele darzustellen. In seinen Gedichten kommt oft der Endverbraucher zu Wort, der das alles auszubaden hat, was andere angerichtet haben.

Maridl Innerhofer, Zukunftserinnerungen

h.schoenauer - 26.04.2011

Buch-Cover

Jede Gesellschaft, die halbwegs demokratisch funktioniert, hat ein stilles Gewissen, das aus abgeklärter Distanz die Geschehnisse poetisch in die Zeitlosigkeit rückt.

Für Südtirol gilt Maridl Innerhofer als dieses stille Gewissen, ihr Gedichtband zum Neunziger heißt treffend "Zukunftserinnerungen" und spielt auf jenes Zeitfenster an, wo die Geschehnisse der Gegenwart in das Boot der Historie verfrachtet werden.