Lyrik

Elfriede Kehrer, schärfe die schatten

h.schoenauer - 31.08.2010

Buch-CoverWas haben eine Wand, ein Leintuch und ein frisch eingeschneiter Rasen gemeinsam? Jede kreative Seele wird durch die schreiend leere Flächen ermuntert, zu sprühen, zu markieren oder einfach mit den Füßen durchzuwaten.

Interessante Lyrik besteht vorerst immer aus einer weißen Fläche, die zum Aufzeichnen oder Einritzen herausfordert. Das Weiße zwischen den Zeilen ist quasi die Urleinwand der Lyrik, deren Zeichen und Wörter sich darauf mehr oder minder scharf konturiert bewegen.

Dmytro Pavlycko, Europas Fürstin

h.schoenauer - 29.08.2010

Buch-CoverWie aus der Pistole geschossen fallen beim Begriff Ukrainische Literatur die Namen Andruchowytsch, Deresch und Zhadan. Diesem Dreigestirn des anarcho-narrativen Wahnsinns ist es zu verdanken, dass die Literatur der Ukraine momentan in aller Leser-Munde ist.

Daneben gibt es selbstverständlich jede Menge großartiger Literatur, deren Erzeuger oft den simplen Nachteil hinnehmen müssen, vom jeweiligen System bis zur Auslöschung verfolgt worden zu sein.

Erich Schirhuber, Zum Beispiel im Süden

h.schoenauer - 21.07.2010

schirhuber, suedenGedichte für sich alleine gelesen, würden unter dem Auge des Lesers zusammenfallen wie die berüchtigten Salzburger Nockerln. Der kluge Lyriker montiert diesen anfälligen Texten immer auch einen Halt hinzu in Form eines deklarierten Kontexts.

Erich Schirhuber ist ein Lyriker, der um diese Zerbrechlichkeit weiß. In seinen lyrischen Texten aus Europa stellt er jeweils eine zerbrechliche Besonderheit dar und verfestigt sie durch triviale Zeilen aus dem sogenannten Presse-Alltag.

Norbert Sternmut, Nachtlichter

andreas.markt-huter - 21.06.2010

Buch-Cover"Ich weiß, / Ich entkomme aus mir. / Aus dieser Stimme, dieser Haut. / Diesem Wunsch nach Einigkeit."

Mit diesen Zeilen auf der Rückseite präsentiert uns Sternmut seinen neuen Lyrikband und das immer wieder (nicht nur) in der modernen Literatur virulente Problem der Identität bzw. der Integrität einer sich selbst bewussten Persönlichkeit.

Thomas Schafferer, fujiyama hinter dächern

h.schoenauer - 14.04.2010

Buch-Cover

Kunst besteht manchmal darin, mit frei gewählten Spielregeln einen chaotisch aufgebauten Alltag mit Eleganz in die Schranken zu weisen.

Thomas Schafferer versucht, dem unbarmherzigen Abfluss von kleinsten Alltagspartikeln mit einem Alltagebuch in Form eines Gedicht-Bild-Bandes zu begegnen. Dabei wird die Darstellungsmethode genauestens aufgezeichnet.

Ingram Hartinger, Rabe des Nichts

h.schoenauer - 22.03.2010

Buch-CoverEs gibt Gedichte, die sperren sich in sich selbst ein, sobald sie einen Leser sehen, und es gibt solche, die springen beinahe den Leser an und machen ihn neugierig mit semantisch rätselhaften Umarmungen.

Ingram Hartingers Gedichte machen auf Anhieb neugierig, man hält es nicht aus, nicht zu wissen, was hinter den rätselhaften Kapiteln steckt, die da heißen:

Christoph Simon, ein pony in nachbars park

h.schoenauer - 04.03.2010

Buch-CoverWenn er gut formuliert ist, kann der Neid durchaus in Selbstbewusstsein und Stolz übergehen und eine gute Tugend sein.

Christoph Simon dreht in seinen Gedichten immer wieder alle Wertmaßstäbe um und fegt die üblichen Größenangaben vom Tisch. So grast offensichtlich im Schlussgedicht in einem riesigen Park ein mickriges Pony, während das lyrische Ich stolz auf ein rasantes Rennpferd blickt, das allerdings in einem mickrigen Areal untergestellt werden muss, worin man auch Rinder mästen könnte.

Christl Greller, bildgebendes verfahren

h.schoenauer - 02.02.2010

Buch-CoverChristl Greller zieht den Leser mit dem Titel bildgebendes verfahren in eine Zone, wo eigene Gesetze herrschen. Schon im ersten Gedicht tönt dieser fröhliche Trotz hervor, wenn eine Lyrikerin in der Großstadt schwer lenkbar durch die Motive und Gedanken huscht, ehe sie schmunzelnd ein Motto für sich selbst ausgibt: "muss ich meine buchstabensuppe / alleine auslöffeln..." (7)

Dieses lyrische Ich wird an manchen Tagen gebeutelt von Kälte, Frost und fernen Frostbeulen, die man auf den ersten Blick einer Stadt und in ihr erträumten Gegenden gar nicht zumutet.

Robert Huez / Anne Zauner, laut lauter lyrik

h.schoenauer - 29.01.2010

Buch-CoverEs gibt in der Lyrik Haltegriffe, da fragt im Verlaufe des Zeitstroms niemand mehr, worum es geht, wenn man nur diesen Haltegriff in Händen hält.

Eine wunderschöne Rettung in Sachen Politik, Liebe und Leben ist Erich Fried, seine Lyrik ist unbestechlich überzeugend, gerade weil sie sich so bescheiden protokollarisch zeigt.

Barbara Hundegger, schreibennichtschreiben

h.schoenauer - 16.11.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es, seit es die Literatur gibt, das Thema um das Schreiben. Ähnlich wie die Liebe muss das Schreiben täglich neu angegangen werden, wenn man einen Funken einer Chance haben will. Und oft werfen einen Liebe und Schreiben an einem einzigen Tag gleich zweimal ab.

Barbara Hundegger hat ihrer Lyrik vom schreibennichtschreiben ein sehr bissiges "intro" verpasst, ehe sie die Leserschaft in den Hauptteil lässt. In beiden Teilen geht sie alphabetisch vor und rollt das Alphabet von hinten auf, weil das schon eine Menge vom Nichtschreiben sagt. Ein Alphabet ist ja gerade für Bibliothekare das wichtigste Überlebenselement, gibt es doch vor, einen Sinn zu stiften und die Welt von A bis Z in den Griff zu kriegen.