Lyrik

Ingram Hartinger, Rabe des Nichts

h.schoenauer - 22.03.2010

Buch-CoverEs gibt Gedichte, die sperren sich in sich selbst ein, sobald sie einen Leser sehen, und es gibt solche, die springen beinahe den Leser an und machen ihn neugierig mit semantisch rätselhaften Umarmungen.

Ingram Hartingers Gedichte machen auf Anhieb neugierig, man hält es nicht aus, nicht zu wissen, was hinter den rätselhaften Kapiteln steckt, die da heißen:

Christoph Simon, ein pony in nachbars park

h.schoenauer - 04.03.2010

Buch-CoverWenn er gut formuliert ist, kann der Neid durchaus in Selbstbewusstsein und Stolz übergehen und eine gute Tugend sein.

Christoph Simon dreht in seinen Gedichten immer wieder alle Wertmaßstäbe um und fegt die üblichen Größenangaben vom Tisch. So grast offensichtlich im Schlussgedicht in einem riesigen Park ein mickriges Pony, während das lyrische Ich stolz auf ein rasantes Rennpferd blickt, das allerdings in einem mickrigen Areal untergestellt werden muss, worin man auch Rinder mästen könnte.

Christl Greller, bildgebendes verfahren

h.schoenauer - 02.02.2010

Buch-CoverChristl Greller zieht den Leser mit dem Titel bildgebendes verfahren in eine Zone, wo eigene Gesetze herrschen. Schon im ersten Gedicht tönt dieser fröhliche Trotz hervor, wenn eine Lyrikerin in der Großstadt schwer lenkbar durch die Motive und Gedanken huscht, ehe sie schmunzelnd ein Motto für sich selbst ausgibt: "muss ich meine buchstabensuppe / alleine auslöffeln..." (7)

Dieses lyrische Ich wird an manchen Tagen gebeutelt von Kälte, Frost und fernen Frostbeulen, die man auf den ersten Blick einer Stadt und in ihr erträumten Gegenden gar nicht zumutet.

Robert Huez / Anne Zauner, laut lauter lyrik

h.schoenauer - 29.01.2010

Buch-CoverEs gibt in der Lyrik Haltegriffe, da fragt im Verlaufe des Zeitstroms niemand mehr, worum es geht, wenn man nur diesen Haltegriff in Händen hält.

Eine wunderschöne Rettung in Sachen Politik, Liebe und Leben ist Erich Fried, seine Lyrik ist unbestechlich überzeugend, gerade weil sie sich so bescheiden protokollarisch zeigt.

Barbara Hundegger, schreibennichtschreiben

h.schoenauer - 16.11.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es, seit es die Literatur gibt, das Thema um das Schreiben. Ähnlich wie die Liebe muss das Schreiben täglich neu angegangen werden, wenn man einen Funken einer Chance haben will. Und oft werfen einen Liebe und Schreiben an einem einzigen Tag gleich zweimal ab.

Barbara Hundegger hat ihrer Lyrik vom schreibennichtschreiben ein sehr bissiges "intro" verpasst, ehe sie die Leserschaft in den Hauptteil lässt. In beiden Teilen geht sie alphabetisch vor und rollt das Alphabet von hinten auf, weil das schon eine Menge vom Nichtschreiben sagt. Ein Alphabet ist ja gerade für Bibliothekare das wichtigste Überlebenselement, gibt es doch vor, einen Sinn zu stiften und die Welt von A bis Z in den Griff zu kriegen.

Emanuel Heger, Verzwicktes und Verzwacktes

h.schoenauer - 20.10.2009

Buch-CoverBei Auftritten jeglicher Art entscheidet sich innerhalb von Sekunden, ob der Abend gelingen wird oder nicht. Auch in der Lyrik zeigt sich oft schon am ersten Gedicht eines Bandes, ob es was wird oder nicht.

Emanuel Heger, ein alter Haudegen für Performances und Auftritte, stellt seinem Band über Verzwicktes und Verzwacktes gleich ein wunderbares Liebesgedicht voran, damit klar ist, hinter diesen vertrackten Kleinigkeiten des Alltags steckt eine große Seele.

Dine Petrik, Wortreich verschwiegen

h.schoenauer - 19.10.2009

Buch-CoverDer Kopf der Lyrik, sagt man oft, ist der Titel, unter dem zahllose Gedichte zwischendurch gebündelt ins Licht der Lese-Realität treten.

Dine Petrik hat den Titel klug gewählt, denn einerseits bezeichnet das Wortpaar wortreich.verschwiegen das Wesen der Lyrik überhaupt, andererseits bezeichnet es sehr genau, was sich im Innern des Gedichtbandes so alles abspielt.

Georg Bydlinski, Jahrzehnteschnell

h.schoenauer - 30.09.2009

Buch-CoverWas ist schon die Zeit? Was ist schon ein Punkt in der Erinnerung? Georg Bydlinski surft gegen den Ablauf des Lebens mit einem Lyrik-Bord an, sechzig Gedichte aus dreißig Jahren.

Wie irdisch die Dinge sind, merkt man erst, wenn man die Poesie der Zeitlosigkeit den Gebrauchsgegenständen gegenüber stellt.

Edmund Mach, Meine abenteuerlichen Schriften

h.schoenauer - 20.09.2009

Buch-CoverWas ist in der Literatur normal? - Das, was Germanisten dafür halten!

Bei Edmund Mach handelt es sich um einen Schriftsteller, der der Art brut zuzurechnen ist, immerhin ist sein Schreibertalent im Haus der Künstler in Gugging entdeckt worden. Edmund Mach schreibt daher als sogenannter "schizophrener Anstaltspatient" völlig ungewöhnlich.

Sonja Steger, keine details

h.schoenauer - 24.08.2009

Buch-CoverImmer wieder glaubt man bei Lyric-Productions, dass ein verfilmbares Leben der wahre Grund für Gedichte sei. Manchmal wirkt dieser, wie jeder, Glaube skurril, etwa wenn eine Autorin ihr biographisches Credo den Gedichten voranstellt mit dem grandiosen Grundriss Schenna, Meran und Mals.

Wahrscheinlich jeder von uns wohnt gleichzeitig im Zimmer, in der Küche und am Klo, nur die lyrischsten Gemüter kommen aber auf die Idee, diesen Orten Ortsnamen zu geben.