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Martin Wittmann, Total alles über Bayern

h.schoenauer - 17.09.2015

Wer keine Klischee-freien Daten hat, ist gezwungen, Klischees zu übernehmen. Im Falle Bayerns bedeutet das eine riesige Lederhose, die das schwarze Loch der Einheitspartei nur zaghaft bedecken kann.

Martin Wittmann steuert diesen Vorurteilen entgegen, indem er in Wort und Bild, englisch und deutsch alles aufblättert, was irgendwann einmal erhoben, erforscht oder für einen Quiz erfunden worden ist. Denn letztlich funktioniert Wissensvermittlung oft nach der guten alten Quiz-Methode, indem man so lange verrückte Fragen stellt, bis die entsprechend verrückte Antwort auftaucht.

Michael Gehler, Von der Befreiung zur Freiheit

andreas.markt-huter - 21.06.2015

„Dieses Werk beginnt mit einem etwas unkonventionellen vierfachen Einstieg. Die Fragen, die uns bei der Erstellung der Bilddokumentation bewegten, lauteten: Was steht für das alte, was für das wiedererstandene, was für das neue und was in gewisser Weise immer noch für das heutige Österreich?“ (7)

Der Fotobildband des Zeitzeugen und heute weltberühmten Fotografen und Meisters der Fotoreportage Erich Lessing erzählt die Geschichte der Anfänge der 2. Republik Österreich vom Kriegsende im Jahr 1945 über das Ende der alliierten Besatzung 1955 bis zum Jahr 1961. In den Fotodokumenten erwacht die Zeit des Wiederaufbaus, des Kalten Krieges und der Besatzung zu neuem Leben. Der Historiker Michael Gehler liefert die historischen Hintergrundinformationen zu den Anfängen der 2. Republik und zu den einzelnen Fotografien.

Günther Loewit, Sterben

h.schoenauer - 28.05.2015

Jedes Buch löst in der Leserschaft Reaktionen aus, aber darüber hinaus ergibt sich auch ein Wechselspiel zwischen Leseambiente und Lektüre. Ein Buch über das Sterben wirkt in einem Umfeld voller Apps wischender Kids und in Krimis blätternden Bobos geradezu elementar herausragend.

Der Arzt, Philosoph und Fiktionalist Günther Loewit hat nämlich ein kleines Handbuch über das Sterben geschrieben, worin Elemente eines Sterbe-Lexikons, Fall-Geschichten und Essays zu einem logischen Grundgedanken verknüpft sind. Wenn wir schon über die Geburt halbwegs ausgelassen mit Bräuchen und Feiern herziehen, könnten wir dann nicht auch das Sterben in Würde und Freiheit ins Auge fassen.

Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert

andreas.markt-huter - 05.05.2015

„Dennoch glaube ich, dass Forscher aus den Sozialwissenschaften wie allen anderen Disziplinen, Journalisten und Kommentatoren sämtlicher Medien, Gewerkschaftler und politische Aktivisten aller Richtungen, und vor allem sämtliche Bürger ernsthaft über Geld nachdenken sollten […]. Diejenigen, die viel davon haben, werden gewiss nicht vergessen, ihre Interessen zu verteidigen. Von den Zahlen nichts wissen zu wollen, dient selten der Sache der Ärmsten.“ (793)

„Das Kapital im 21. Jahrhundert“ bietet wirtschafts-historische Erklärungen für Erfahrungen, die ein großer Teil der Bevölkerung bereits seit längerer Zeit selbst unmittelbar spüren kann: Die finanziellen Möglichkeiten der breiten Schicht der Bevölkerung werden zunehmend geringer, die Einkommensschere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.

Peter Steiner, Der Sandfallenbauer

h.schoenauer - 30.04.2015

Nur selten gelingt es einem Helden, das abgehangene Spätlebensalter als geerdetes Kind auf einem Traktor zu verbringen und dabei die Leser zu verzücken.

Peter Steiners Roman vom „Sandfallenbauer“ ist beinahe ein Märchen vom geglückten Leben. Der Ich-Erzähler hat sein Leben in allen Weltteilen als Geologe und Gesteinserkunder verbracht, er kann die Erde lesen mit ihren Faltungen, Ritzen und Verwürfen. Jetzt für den Lebensabend hat er sich mitten in Amerika ein Stück unbebautes Land zugelegt und verbringt mit seiner Frau die Tage hautnah an den Poren der Erdkruste.

Bernhard Kathan, Wir sehen Tiere an

h.schoenauer - 21.04.2015

Wenn Tiere mehr als eine Sache aber weniger als ein Mensch sind, muss folglich auch unser Blick auf sie heftiger als auf Sachen aber weniger intensiv als auf Menschen ausfallen.

Bernhard Kathan vergleicht in seinem Essay diverse Ereignisse in Literatur, Forschung und Psychologie, die zu einem Aufeinandertreffen von Menschenblicken auf Tiere handeln. Während in der Erforschung des Faschismus der berühmte Denkansatz lautet „Tiere sehen dich an“, nimmt Bernhard Kathan den an und für sich neutralen Vorgang der Tierbeobachtung, um daran aufzuzeigen, welchen scheinbaren Menschenbildern wir dabei nachgehen.

Tiroler Landesmuseum (Hg.), Druckfrisch

h.schoenauer - 06.02.2015

Das Druckwesen hat zur Entwicklung der Gesellschaft mindestens so viel beigetragen wie die Adelsgeschlechter zusammen, daher gebührt es einer guten Druckerei, dass sie zwischendurch epochal dargestellt wird.

Unter dem Ausstellungs-Titel Druckfrisch werden im Innsbrucker Ferdinandeum die epochalen Leistungen des Druckhauses Wagner gezeigt, ein 375-Jubiläum ist durchaus nicht jeden Tag in der Provinz zu feiern.

Susanne Waiz / Andreas Hempel, Das Land baut

h.schoenauer - 21.01.2015

Auf den ersten Blick besteht die Unsterblichkeit in Gebäuden, Galerien und Kreisverkehren. Was eine Gesellschaft im Laufe einer Generation zusammenbaut, beeindruckt auf Anhieb durch Architektur, Funktion und Verbrauch von Landschaft.

Susanne Waiz und Andreas Hempel zeigen unter dem lapidaren Titel „Das Land baut“, was in den letzten fünf Jahren in Südtirol öffentlich gebaut worden ist.

Robert Winston (Hg.), Wissenschaft

andreas.markt-huter - 15.12.2014

„Dieses Buch zeigt, wie unser Einfallsreichtum die Entwicklung immer mehr beschleunigte. Mit Erfindung des Ackerbaus vor etwa 10 000 – 12 000 Jahren veränderten unsere Vorfahren ihre Umwelt. Einige Tausend Jahre später hatten wir Städte erbaut, die Schrift erfunden und Fahrzeuge entwickelt, die überraschend schnell fuhren.“ (9)

Der opulente Bildband bietet als Jahreschronik Daten und Fakten zu den großen wissenschaftlichen Entwicklungen in den Bereichen Naturwissenschaft, Medizin und Technik. Dabei reicht die Darstellung von den ersten Steinwerkzeugen und der Beherrschung des Feuers bei den frühesten Menschen bis hin zur Entdeckung entferntester Galaxien, kleinster Elementar-Teilchen und der DNA als Grundbaustein des Lebens in unserer Gegenwart.

Martin Kolozs, Karl Rahner. Innsbrucker Jahre

h.schoenauer - 14.11.2014

Im Volksmund heißt es, man muss dreimal nach Innsbruck, um es in seiner Belanglosigkeit zu kapieren. Der weltberühmte Theologe Karl Rahner ist tatsächlich dreimal nach Innsbruck, einmal um von den Nazis vertrieben zu werden, ein zweites Mal um vor dem Konzil von den eigenen Leuten ruhig gestellt zu werden, und letztlich um zu sterben. Karl Rahner hat dabei sicher mehr für Innsbruck getan als umgekehrt.

Martin Kolozs würdigt den Jesuitenpater Karl Rahner vor allem mit Dokumenten aus der Innsbrucker Zeit, dabei spiegelt sich in den jeweiligen Epochen durchaus der Zeitgeist und es ist interessant zu sehen, wie sich ein großer Theologe in einer abgelegenen Kleinstadt geistig über Wasser hält.