slavo zizek, pandemie 2Die Größe eines Themas misst der Bibliothekar mit dem Meterband, wenn er die Regale abgeht. Zeigt das Verzeichnis lieferbare Bücher für das erste Corona-Jahr nur 217 Treffer, so sind es im zweiten Jahr vom ersten Quartal hochgerechnet bereits 600. Und natürlich ist kein Ende der Publikationen abzusehen, bei einem so großen Thema.

Der Philosoph Slavoj Žižek nennt seine Schriften Epochen-bildend „Pandemie!“ und nummeriert sie durch. Noch vor dem zweiten Pandemiejahr liefert er bereits den zweiten Band, worin fünfzehn Aufsätze und ein Anhang versammelt sind.

jens beljan, resonanzpädagogik auf dem prüfstand„Wir reden über Zweifel und Hoffnungen an der Resonanzpädagogik. Dabei erkunden wir das Wesen von Resonanz- und Entfremdungserfahrungen, thematisieren das Verhältnis zwischen Leistung und Resonanz im Bildungssystem, diskutieren über die Autonomie der Pädagogik und ihre Verortung gegenüber anderen Disziplinen, aber auch, was das spezifisch Neue an der Resonanzpädagogik ist.“ (S. 7)

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung mit der Resonanzpädagogik ist die Frage, ob sich die Schule zu einem besseren Ort des Lernens und Lehrens machen lässt. Aber auch der Umstand, dass sich an den Schulen ein deutlich spürbares Unbehagen beobachten lässt, der sich aus einer zu starken Betonung äußerer Anreize als Leistungsmotivation ergibt, der die soziale Komponente pädagogischer Arbeit zu kurz kommen lässt. Wo dabei Probleme auftreten und wie sich mit dem Ansatz der Resonanzpädagogik Veränderungen bewirken lassen, ist Thema dieses Buch.

slavo zizek, pandemieIm Schrecken dient das Rufzeichen als kurzes Atemholen, um die Dimension des Desasters für einen Augenblick in den Griff zu bekommen. Pandemie! (mit Rufzeichen) entspricht dem Pest! im Mittelalter, oder auch dem Alarm Feuer!, der in allen Sprachen wirkt.

Slavoj Žižek schlägt als zeitgenössischer Philosoph sofort einmal Alarm. Pandemie! Dieser Begriff umspannt nicht nur die ganze Welt, sondern auch den gesamten Wortschatz mit all seinen Begriffen.

Es ist noch nicht klar, was dieser Schock für die Welt bedeuten wird, aber in spontanen Hochrechnungen der Begriffe zeigt sich, dass so gut wie alles sich verändert. Nichts wird mehr so sein, wie wir es einmal verschriftlicht haben.

joachim detjen, politikkompetenz urteilsfähigkeit„In der Politikdidaktik herrscht mittlerweile weitgehend Einverständnis darüber, dass sich die mit Hilfe des Politikunterrichts anzustrebende Politikkompetenz aus vier Komponenten, Kompetenzdimensionen genannt, zusammensetzt. Es handelt sich um das politische Wissen, um die politische Urteilsfähigkeit, um die politische Handlungsfähigkeit sowie um politische Einstellungen und Motivation.“ (S. 6)

Das Sachbuch zur Politikdidaktik verfolgt das Ziel, die jeweiligen Kompetenzbereiche für die Entwicklung politischer Urteilsfähigkeit im Rahmen des Unterrichts herauszuarbeiten und aufzuzeigen.

ned beauman, Warum der Wahnsinn einer Niederlage vorzuziehen istLässt sich das große Amerika besser würdigen, wenn man einen Hollywood-Film mit voller Dramaturgie im Dschungel dreht und dabei einen Maya-Tempel als Kulisse missbraucht, oder ist es gleich besser, diese Pyramide abzutragen und missbräuchlich in New York aufzustellen?

Was auf den ersten Blick wie ein Scheinproblem klingt, ist vielleicht auch eines. Denn in Wirklichkeit geht es darum, ob im amerikanischen System nicht jede Auseinandersetzung in Wahnsinn enden muss, weil niemand die Niederlage versteht.

jaron lanier, anbruch einer neuen zeit„Unser Gehirn ist nicht in Stein gemeißelt.“ (77) So ein Satz verändert nicht nur die gesamte Weltlage des Denkens, sondern weist darauf hin, dass es in der Kunst tatsächlich immer Überraschungen und Weiterentwicklungen gibt.

Jaron Lanier gilt als einer der Schöpfungs-Väter der sogenannten Virtuellen Realität, professionell VR genannt. Als markantestes Bild dient dabei eine virtuelle Brille, die den User von der Realität abschottet und in eine andere Welt führt. Ein markantes Beispiel für so eine Grenzüberschreitung soll ein Foto zeigen, worauf man Jaron Lanier mit einer Virtuellen Brille im Gesicht unter mehreren Servern liegen sieht, scheinbar frei schwebend und verzückt. Dieses Bild zeigt genau, was mit der VR los ist. Die, die drinnen sind, sind verzückt, die draußen stehen, halten die Schwebenden für verrückt. Es ist dies der ideale Zustand, den eine Kunst auslösen kann.

thomas macho, das leben nehmen„Im übertragenen Sinn beginnt jede Karriere eines Selbstmörders mit einem Hungerstreik.“ (257)

Der Kulturphilosoph Thomas Macho nimmt dem Tabu-Thema Suizid die erste Verbunkerungsmöglichkeit, indem er das Thema scheinbar beiläufig analysiert wie alles, was in Geschichte, Film und Literatur in den letzten Jahrhunderten so vorgekommen ist. Das Zitat vom Hungerstreik geht auf Hermann Burger zurück, der seine Literatur offensichtlich auf den Suizid hin komponiert hat. Und einmal ins Fahrwasser der Diskussion gelangt, gibt es fast nichts, was nicht mit einem Suizid zu tun haben könnte. „Wem gehört mein Leben?“ Nicht umsonst steht als Abspann diese Frage auf dem hinteren Cover.

wolfgang streeck, Zwischen Globalismus und Demokratie„Dieses Buch steht, wie vieles, was heute geschrieben wird, in der Tradition Karl Polanyis. Gegenstand jeder politischen Ökonomie in seiner Nachfolge, theoretisch wie praktisch, ist die gesellschaftliche Einbettung der unter dem Liberalismus losgelassenen kapitalistischen Ökonomie – die Sozialisierung der Ökonomie zur Verhinderung der Verwirtschaftung der Gesellschaft. Einbettung heißt Rückgewinnung gesellschaftlicher Kontrolle über den Selbstlauf selbstregulierender Märkte.“ (S. 9)

Wolfgang Streeck geht der Frage nach den Ursachen zunehmender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Verwerfungen sowie den schwindenden politischen Lösungsmechanismen in unserer globalisierten Welt nach und stellt die Frage nach dem Verhältnis zwischen Globalismus und Demokratie. Liegt die Lösung in mehr überstaatlicher Zentralisierung oder kleineren staatliche Einheiten?

gertrude maria grossegger, wendelWas ein eigentümlicher Charakter ist, braucht eine eigene Sprache dafür, und auch dann ist ihm nur bedingt mit Sätzen beizukommen. In der Romantik hat man solche faszinierenden Menschen oft eine schöne Seele genannt.

Gertrude Maria Grossegger nennt ihren Helden amtlich Wendelin, aber als Figur mit spezieller Identität wird er zum Wendel. Dadurch ist er einmalig wie der ganze Roman, den er bestreicht. In nicht ganz dreißig Episoden zeigt sich Wendel dabei als hintersinniger, geradliniger, ungebrochener Mensch, der sich dadurch von der Umwelt zu schützen weiß, dass er sich abduckt, zusammenrollt und herunterfährt. Am idealsten geschieht diese Maßnahme, indem man in einen Sack kriecht.

andreas von westphalen, die wiederentdeckung des menschen„Was wäre, wenn der Mensch eine falsche Vorstellung von seiner eigenen Natur hat? Was wäre, wenn wir uns über so etwas Existenzielles täuschen wie unser eigenes Wesen? In diesem Buch werden wir uns gemeinsam auf die Reise zu einem weithin unbekannten Wesen aufmachen, einem ebenso faszinierenden wie beeindruckenden Geschöpf: dem Menschen.“ (S. 11)

Andreas von Westphalen kritisiert das Menschenbild, das den meisten gegenwärtigen Wirtschaftstheorien und dem neoliberalen Wirtschaftsdenken zugrunde liegt und den Menschen als faul und auf den eigenen Gewinn und Vorteil ausgerichtetes Wesen betrachtet, das unter Konkurrenzdruck seine besten Leistungen vollbringt. Ein Bild über die Natur des Menschen, das mittlerweile fatale Folgen zeitigt.