Roman

Hannes Köhler, In Spuren

h.schoenauer - 17.07.2012

Seit Paracelsus wissen wir, dass alles eine Frage der Dosis ist. Hannes Köhler geht in seinem Roman „In Spuren“ der Frage nach, ab welcher Dosis eine Persönlichkeit entsteht beziehungsweise verschwindet.

Zu diesem Zweck gibt es eine interessante Versuchsanordnung im studentischen Milieu. Eine Kneipengruppe erzählt sich mehr oder weniger gelungene Witze und huldigt einem aktuellen Lebensprogramm:

Mareike Krügel, Bleib wo du bist

h.schoenauer - 12.07.2012

Es gibt diese Seelenlandschaften, die selbst einen Psychiater in die Knie zwingen. Meran und die sanfte Umgebung drum herum gelten als besonders feinfühlige Landschaftskissen, in denen die gequälte Psyche wie von selbst zu sprechen beginnt.

In Mareike Krügels Psychiater-Roman „Bleib wo du bist“ tagt im feinem Kongress-Ambiente von Meran eine psychiatrische Gesellschaft, mit dabei ist auch Matthias Harms, Psychiater für Zwangsneurosen.

Drago Jancar, Nordlicht

h.schoenauer - 05.07.2012

Oft presst sich einem der Anfangssatz eines Romans wie ein literarischer Ohrwurm ins Gedächtnis, in skurrilen Büchern wie bei Drago Jancars „Nordlicht“ kann aber auch das Schluss-Bild unvergesslich sein.

In dieser Geschichte, die man sich offensichtlich auch schwerhörig zu Gemüte führen kann, kommt ein gewisser Josef Erdmann aus Lienz zu Jahresbeginn 1938 in seiner Geburtsstadt Maribor an, weil er mit Jaroslav einen geschäftlichen Termin ausgemacht hat. Wie bei einem echten Warte-Stück Marke Godot kommt der Erwartete natürlich nie.

Vladimir Pistalo, Millennium in Belgrad

h.schoenauer - 16.01.2012

Buch-Cover

Ein Millenniums-Sprung garantiert immer eine gewisse Veränderung, auch wenn sich letztlich nichts verändert. Allein schon die Erwartung einer neuen Epoche lässt alles Geschehene als neu erscheinen, wenn sich nur die passende Jahreszahl dazu einstellt.

Vladimir Pistalo erzählt in seinem Roman von der unverwüstlichen Stadt Belgrad, die auch das neue Jahrtausend in irgendeiner Form über die Runden der Geschichte bringen wird. Was immer auch in Zukunft geschehen wird, es wird eine Kleinigkeit gegen diesen Schock sein, den der Tod Titos ausgelöst hat.

William C. Gordon, Missgeburt

h.schoenauer - 16.01.2012

Buch-Cover

Mittlerweile ist der Krimi-Markt knallvoll, so dass die Verlage immer absurdere Werbestrategien fahren und Klappentexte schreiben müssen, um die Spannung des jeweiligen Werkes im Publikum zu installieren.

William Gordons literarische Leistung besteht auf den ersten Blick darin, der Mann der Erfolgsautorin Isabel Allende zu sein. Auf den zweiten Blick hat er sich mit der Figur des San- Francisco-Redakteurs Samuel Hamilton in die Herzen des Retro-Krimi-Publikums geschrieben und im dritten Ansatz zieht er als Schwarz-Weiß-Anhänger gerade noch rechtzeitig seinen Schreiber-Kopf aus der Klischee-Schlinge.

Orhan Pamuk, Schnee

h.schoenauer - 11.01.2012

Buch-Cover

Jedes Land hat vermutlich einen sogenannten National-Roman, der in Gestalt einer einleuchtenden Story Auskunft gibt über Probleme und Bemühungen einer aktuellen Gesellschaft.

Im Falle der Türkei erfüllt sicher Orhan Pamuk, der Nobelpreisträger von 2006, mit seinem Roman ?Schnee diese Aufgaben. Noch zehn Jahre nach seiner Erstauflage dient "Schnee" im Inland als Kodex politischer Auseinandersetzung und im Ausland als Foyer, die reichhaltigen Mythen und den alltäglichen Kampf um ein politisch erträgliches System in Augenschein zu nehmen.

Elmore Leonard, Dschibuti

h.schoenauer - 09.01.2012

Buch-Cover

Nichts ist so schwer zu erzählen wie Anarchie und Auflösung der Ordnung, denn jede Erzählung schafft ja Ordnung und zerstört dadurch die Anarchie.

Elmore Leonhard, bekannt für speedige Romane weit jenseits der Rechtsordnung, greift mit dem Roman Dschibuti in die Seeräuberei vor Somalia ein. Der Blickwinkel wechselt dabei von Seite zu Seite oder von Einstellung zu Einstellung. Dschibuti nämlich ist vorerst nämlich ein Haufen digitales Rohmaterial, aus dem die Regisseurin Dara Barr vielleicht einen Dokumentarfilm, vielleicht aber gar einen Spielfilm machen will. Der Titel jedenfalls ist klar: "Dschibuti", knapp wie der Film-Mythos "Casablanca".

Beppo Beyerl, Die alten Leiden der Frau Hermi

h.schoenauer - 03.01.2012

Buch-Cover

Wenn man die wahre Kultur einer Gesellschaft entdecken will, muss man zu ihren Bewohnern hautnah in die Wohnung kriechen.

Beppo Beyerl fühlt in seiner Erzählung ?Die alten Leiden der Frau Hermi einer gewissen österreichischen Durchschnittsstimmung auf den Zahn. Die Frau Hermi im Wiener Gemeindebau ist vollgestopft mit Vorurteilen, die sie offensichtlich regelmäßig aus der Krone nachschürt. Da ihr Leben aus Leiden besteht, ist sie auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Sinnigerweise kommen diese Helferinnen und Helfer meist aus einer anderen Kultur, so dass Hermi quasi täglich eine Ausnahme von ihren Vorurteilen machen muss, um diese fremde Hilfe zu ertragen.

Jordan Iwantschew, Die Farben des Grauens

h.schoenauer - 04.12.2011

Buch-Cover

Der Zustand einer Gesellschaft lässt sich meist während der kurzen Handbewegungen des Frühstücks ausmachen. Mangel oder Überfluss, Überlebensgedanken oder soziales Kopfweh, beim Frühstück ist eigentlich der Tag gelaufen.

In Jordan Iwantschews Roman ?Die Farben des Grauens befinden wir uns schon nach zwei Absätzen mitten in der Hölle. Mit viel Glück bastelt der Philosoph Veselinov aus der Glut des Vortags eine Morgengrütze, es heißt Streichholz sparen, er und sein Sohn Christo freuen sich darüber mehr als über das Frühstück, das aus nichts besteht.

Palmi Ranchev, Der Weg nach Sacramento

andreas.markt-huter - 04.12.2011

Buch-Cover

Die einzige Triebfeder, die die Menschen auf allen Kontinenten in Bewegung hält, scheint die Sehnsucht nach Glück zu sein. Und immer wieder enden Glücksvorstellungen in Amerika, weil das Glück dort zumindest in der Verfassung steht.