Carolina Schutti, Einmal muss ich über weiches Gras gelaufen sein
Erst wenn man sich auf die Suche nach seiner verdeckten Herkunft gemacht hat, kann man mit dem Leben beginnen.
In Carolina Schuttis Roman geht die junge Frau Maja ihren eigenen Herkunftsspuren nach. Sie ist offensichtlich einst durch widrige historische Umstände in einem kleinen Dorf „gelandet“, die erste Bezugsperson ist eine sogenannte Tante, die sie in die wichtigsten Handgriffe des einfachen Lebens einführt.
Wie klingen eigentlich große Ereignisse wie die Kontinentalverschiebung oder die Fluktuation der Bevölkerung? Macht die Zeit an und für sich Geräusche oder verhält sie sich wie Windstille?
Die ideale Geschichte bringt sich während des Erzählens selbst zum Verschwinden.
Besucher sind normalerweise anonyme, neutrale und friedliche Wesen, die auf der sprichwörtlichen Besuchergalerie Platz nehmen oder eine Statistik als gezählte Individuen auffetten.
Manchmal wird ein unverwechselbares Arrangement an Orten festgemacht. Neben bekannten Speisen, die sich nach einer Stadt nennen und dadurch in aller Munde sind, gibt es auch architektonische Feinheiten wie etwa den spanischen Balkon.
Seit Paracelsus wissen wir, dass alles eine Frage der Dosis ist. Hannes Köhler geht in seinem Roman „In Spuren“ der Frage nach, ab welcher Dosis eine Persönlichkeit entsteht beziehungsweise verschwindet.
Es gibt diese Seelenlandschaften, die selbst einen Psychiater in die Knie zwingen. Meran und die sanfte Umgebung drum herum gelten als besonders feinfühlige Landschaftskissen, in denen die gequälte Psyche wie von selbst zu sprechen beginnt.
Oft presst sich einem der Anfangssatz eines Romans wie ein literarischer Ohrwurm ins Gedächtnis, in skurrilen Büchern wie bei Drago Jancars „Nordlicht“ kann aber auch das Schluss-Bild unvergesslich sein.
