Roman

Lena Avanzini, Tod in Innsbruck

h.schoenauer - 21.06.2011

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In der Krimi-Flut muss sich der Leser zunehmend öfter entscheiden, unter welche Rettungsdecke er kriecht, um nicht an der Krimitis zu ersticken.

Lena Abanzinis Krimi Tod in Innsbruck bietet allen jenen Schutz, die einen guten Titel, ein griffiges Klischee und eine groteske Überhöhung des Krimitums schätzen.

Elfriede Kopf, Die schöne Seele

h.schoenauer - 14.06.2011

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In der Romantik gilt die schöne Seele als Umschreibung für einen Menschen mit besonderer Wahrnehmung. Wenn sich jemand von der Welt abschottet, wird er in ironischen Gesprächen oft als schöne Seele bezeichnet.

In Elfriede Kopfs Roman entwickelt sich ein Mädchen zu einer schönen Seele. Diese Klara kann das Unglück bei anderen Menschen vorhersehen und manchmal auch nachhelfen. So kann sie beispielweise unliebsame Geschwister in den Tod stürzen, und wer sie mobbt, dem ergeht es bald schlecht.

Francesca Melandri, Eva schläft

h.schoenauer - 13.06.2011

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Der Legende nach soll ein Erzengel dem Adam die Zukunft der Welt erklärt haben, während Eva geschlafen hat. Dieser seltsame Zustand, dass man die wichtigsten Botschaften verschlafen muss, um sie in der Realität zu erleben, ist vielleicht auch auf ein ganzes Land anwendbar.

In Francesca Melandris Roman suchen zwei Frauen und ein Land ihren Vater oder ihr Vaterland. Das Bemerkenswerte für deutschsprachige Nord-Leser liegt darin, dass in italienischer Sprache aus italienischer Sicht die Geschichte Südtirols erzählt wird, wie sie letztlich auf die kleinen Leute durchgeschlagen hat.

Peter Steiner, Der Sturz aufs Dach der Welt

h.schoenauer - 07.06.2011

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Gegen das ewige Abenteuer der Liebe ist jede Expedition nur ein kleines Blatt im Dschungel der Gefühle.

In Peter Steiners Roman vom Sturz auf das Dach der Welt gibt es beides, bei einer Expedition stürzt der Ich-Erzähler an Bord eines Helikopters ab, und der Sturz ist so gewaltig, dass nach einem knappen Vierteljahrhundert eine große Liebe daraus hervor wuchert.

Ludwig Laher, Verfahren

h.schoenauer - 24.05.2011

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Jedes Land ist gewollt oder ungewollt Spezialist für eine identitätsstiftende Besonderheit. Österreich ist in der Weltlage zuständig für die Bürokratie, weshalb seit Kaisers Zeiten die besten Beiträge der österreichischen Literatur in Form des Bürokratie-Romans gelingen.

Ludwig Lahers Verfahren ist ein Bürokratie-Roman im besten Sinne, ausweglos grotesk, und in seiner schlimmen Zustandsbeschreibung sogar unterhaltsam.

Martin Kolozs, Jason Crane, der Tod und König Blaubart

h.schoenauer - 24.05.2011

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In einer Crimestory werden die Vorzüge des Kriminalromans verdickt auf einen klar abgesteckten Fall. Das Set ist überschaubar wie in einem Kammerstück, die Personen haben einen identitätsstiftenden Tick und die Aufgabe, ihr eigenes Schicksal auszuhalten und über die Runden zu bringen.

Martin Kolozs hat mit Jason Crane eine Figur geschaffen, die einerseits kantige Elemente eines literarisch zurecht geschliffenen Helden aufweist, andererseits mit dem Untersetzer der Trivialität des Lebens ausgestattet ist.

Selma Mahlknecht / Herbert Rosendorfer, Lunarda

h.schoenauer - 19.05.2011

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Wie Popstars erscheinen uns Lesern die Autoren, wir haben klare Vorstellungen und aufgekratzte Bilder von ihnen und lesen oft deshalb einen Text, weil wir sie Fan-mäßig lieben.

Nun haben sich Selma Mahlknecht und Herbert Rosendorfer für einen Roman zusammengetan, wohl auch um die Leser zur Frage zu provozieren, was stammt von wem? Dabei ist diese Verbindung eines erfahrenen Autors mit einer bereits als Individuum etablierten Autorin das Thema des Romans.

Cory Doctorow, Little Brother

h.schoenauer - 04.05.2011

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Alle Leser träumen ja insgeheim, dass ein Buch nicht nur sie selbst sondern die ganze Welt verändert. Cory Doctorows Widerstandsroman ?Little brother ist so ein weltbewegendes Buch.

Cory Doctorow, erfahrener Web-Aktivist, beschreibt in seinem Roman nicht nur ein außer Rand und Band geratenes Staatsgefüge, er stellt auch konkrete Maßnahmen vor, wie sich das Individuum gegen einen mächtigen Staat wehren kann. So ist auch der Titel zu verstehen, dem Großen Bruder aus Orwells 1984 gilt es viele kleine Brüder entgegenzusetzen.

Fred Vargas, Das Zeichen des Widders

h.schoenauer - 02.05.2011

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Dunkel, fleckig, verschachtelt - das sind die ersten Eindrücke, die der Krimi-Comic auf den Leser zurückspiegelt. Und in dieser visuellen Komposition scheint schon das Motto verarbeitet zu sein, "die Dunkelhäutigen sind Massenware und werden von der Gesellschaft immer an den Rand gespült".

Zumindest behaupten das die beiden Protagonisten, die gleich auf der ersten Seite mit einem kleinen Überfall die Aufmerksamkeit beim Leser erwecken.

Gustav Ernst, Beste Beziehungen

h.schoenauer - 26.04.2011

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Bevor üblicherweise Polizei, Rettung und Leichenbeschauer zum Tatort eilen, gibt es meist noch heftige Dispute auf emotionalstem Niveau oder überhaupt einen inneren Monolog des Irrsinns.

Wahnsinnsgespräche sind oft nahe am Small-Talk oder Familientratsch angesiedelt. Noch ist nicht geklärt, ob diese Gespräche bloß Vorboten für den Amok sind oder ob der gediegene Amok nicht durch diese Gespräche ausgelöst wird.