Roman

Martin Kolozs, Jason Crane, der Tod und König Blaubart

h.schoenauer - 24.05.2011

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In einer Crimestory werden die Vorzüge des Kriminalromans verdickt auf einen klar abgesteckten Fall. Das Set ist überschaubar wie in einem Kammerstück, die Personen haben einen identitätsstiftenden Tick und die Aufgabe, ihr eigenes Schicksal auszuhalten und über die Runden zu bringen.

Martin Kolozs hat mit Jason Crane eine Figur geschaffen, die einerseits kantige Elemente eines literarisch zurecht geschliffenen Helden aufweist, andererseits mit dem Untersetzer der Trivialität des Lebens ausgestattet ist.

Selma Mahlknecht / Herbert Rosendorfer, Lunarda

h.schoenauer - 19.05.2011

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Wie Popstars erscheinen uns Lesern die Autoren, wir haben klare Vorstellungen und aufgekratzte Bilder von ihnen und lesen oft deshalb einen Text, weil wir sie Fan-mäßig lieben.

Nun haben sich Selma Mahlknecht und Herbert Rosendorfer für einen Roman zusammengetan, wohl auch um die Leser zur Frage zu provozieren, was stammt von wem? Dabei ist diese Verbindung eines erfahrenen Autors mit einer bereits als Individuum etablierten Autorin das Thema des Romans.

Cory Doctorow, Little Brother

h.schoenauer - 04.05.2011

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Alle Leser träumen ja insgeheim, dass ein Buch nicht nur sie selbst sondern die ganze Welt verändert. Cory Doctorows Widerstandsroman ?Little brother ist so ein weltbewegendes Buch.

Cory Doctorow, erfahrener Web-Aktivist, beschreibt in seinem Roman nicht nur ein außer Rand und Band geratenes Staatsgefüge, er stellt auch konkrete Maßnahmen vor, wie sich das Individuum gegen einen mächtigen Staat wehren kann. So ist auch der Titel zu verstehen, dem Großen Bruder aus Orwells 1984 gilt es viele kleine Brüder entgegenzusetzen.

Fred Vargas, Das Zeichen des Widders

h.schoenauer - 02.05.2011

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Dunkel, fleckig, verschachtelt - das sind die ersten Eindrücke, die der Krimi-Comic auf den Leser zurückspiegelt. Und in dieser visuellen Komposition scheint schon das Motto verarbeitet zu sein, "die Dunkelhäutigen sind Massenware und werden von der Gesellschaft immer an den Rand gespült".

Zumindest behaupten das die beiden Protagonisten, die gleich auf der ersten Seite mit einem kleinen Überfall die Aufmerksamkeit beim Leser erwecken.

Gustav Ernst, Beste Beziehungen

h.schoenauer - 26.04.2011

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Bevor üblicherweise Polizei, Rettung und Leichenbeschauer zum Tatort eilen, gibt es meist noch heftige Dispute auf emotionalstem Niveau oder überhaupt einen inneren Monolog des Irrsinns.

Wahnsinnsgespräche sind oft nahe am Small-Talk oder Familientratsch angesiedelt. Noch ist nicht geklärt, ob diese Gespräche bloß Vorboten für den Amok sind oder ob der gediegene Amok nicht durch diese Gespräche ausgelöst wird.

Christine Hackl-Neuner, Rückgrat

h.schoenauer - 21.04.2011

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Bei einem Tiroler Heimatroman ist unter Rückgrat meistens der Grat am Rücken eines Berggipfels gemeint und nicht so sehr das Rückgrat im moralischen Sinn.

Christine Hackl-Neuner lässt ihren historischen Roman so um 1797 spielen, als die Napoleonischen Truppen erstmals Lust auf Tirol bekommen haben. Um das letztlich sehr zeitlose Heimatgeschehen im Roman halbwegs zuordnen zu können, ist für den Leser zu Beginn eine historische Schautafel für die Jahre 1794-1797 angebracht.

Andrej Gelassimow, Durst

andreas.markt-huter - 21.04.2011

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Bei einem Weltroman ist schon nach dem ersten Satz klar, dass es hier um Leben und Tod geht. Durst ist so ein Weltroman, der eine Epoche beschreibt und gleichzeitig die Kraft des Erzählens neu verteilt.

"Es passte einfach nicht der ganze Wodka in den Kühlschrank." (9) Schon mit dem ersten Satz macht Andrej Gelassimow klar, dass seine Helden nicht mit der gewöhnlichen Welt zurechtkommen. Und tatsächlich hat Kostja, ein Veteran des Tschetschenien-Krieges, ein weggesprengtes Gesicht und sieht so furchterregend aus, dass er nur noch als Kinderschreck für Kinder, die nicht zu Bett gehen wollen, eingesetzt werden kann.

Frieda Norka, Rückkehr ins Kinderseelen-KZ

h.schoenauer - 20.04.2011

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Die Logik in der Literatur ist eine andere als jene in der Forensik, Psychiatrie oder Pädagogik. Um dem Phänomen Schulmassaker ein wenig auf die Spur zu kommen, hat deshalb Frieda Norka die Form der fiktiven Dokumentation gewählt.

Was im lateinamerikanischen Raum literarisch durchaus üblich ist, stellt in unserer Lesekultur nach wie vor eine Besonderheit dar, weshalb man sich die drei Schritte der vorliegenden Dokumentation vor der Lektüre vergegenwärtigen sollte.

Hans Haid, Die Landgeherin

h.schoenauer - 14.04.2011

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Jedes Land hat an der Oberfläche eine Geschichte voller Kriege, Konflikte, Machtspiele und sozialer Tragödien, im Landesinnern unter der Haut sitzt freilich immer ein Mythos, zeitlos und voller Wahrheit.

Hans Haid hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen unter- und überirdischen Mythos des Gebirges zu erzählen. In seinem archaischen Roman ?die Landgeherin schickt er eine Salige, eine Heilige oder eine Heroische über das Land. Sie grast alle wundersamen Stellen ab, an denen sich etwas Spirituelles oder Unerklärbares zugetragen hat. So ist diese Landgeherin auf den ersten Blick eine Wallfahrerin, die von einer Kultstätte zur nächsten pilgert.

Andrej Longo, Sahras Mörder

h.schoenauer - 12.04.2011

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Mittlerweile hat das Genre Krimi die Literatur bereits dermaßen im Putsch übernommen, dass kaum noch jemand daran denkt, dass es jenseits des Krimis auch noch spannende Literatur geben könnte.

Unter dem Titel Sarahs Mörder erwartet man sich einen mehr oder weniger blutigen Krimi, zumal ja im Nobelviertel Neapels gleich zu Beginn die tote Sarah zu liegen kommt. Aber bei Andrej Longo geht es um etwas ganz anderes. Wie kann man den Dschungel Neapel aushalten, wie diese Hitze, wie dieses soziale Dickicht, in dem sich jeder Außenstehende im besten Falle blutige Finger holt?