Roman

Michaela Falkner, Du blutest du blutest!

h.schoenauer - 12.04.2011

Buch-Cover

Üblicherweise sollen Kinderspiele ohne Verletzungen abgehen, und wenn sich dann doch jemand die Nase anhaut, rufen die restlichen Kinder meist: Du blutest du blutest!

Michaela Falkner schickt in ihrem "blutigen Roman" eine Schar Kinder in die Revolution. Zwar haben sie alle pädagogisch wertvolle Sätze ausgelöffelt, dennoch aber kriegen diese Kinder mit, dass es eine andere Sprache gibt, jene des Krieges und der Gewalt. So werden Ereignisse oft mit der falschen Sprache beschrieben, als ob man sich in der Zeitung am Thema vorbeigeblättert hätte und mit der Rhetorik von Wellness den Gerichtsreport lesen müsste.

Anna K. Shevchenko, Ein fatales Erbe

h.schoenauer - 11.04.2011

Buch-Cover

Über den griechischen Wein gibt es seit Erhart Kästner den schönen literarischen Witz, dass er sich, klug wie er ist, nicht transportieren lässt. Etwas Ähnliches scheint auf manche national-Literaturen zuzutreffen.

So ist beispielsweise die ukrainische Literatur wild und anarchistisch, solange sie im eigenen Land geschrieben wird, und etwas fad und westlich, wenn die Ukrainer emigriert sind.

Vladislav Todorov, Die Motte

h.schoenauer - 08.04.2011

Buch-Cover

Brutale Vorgänge lassen sich oft nur mit makabren Erzählformen beschreiben. So gilt der Roman noir mit seinen dunklen Figuren und seinem düsteren Milieu als passable Kunstform, um so einem Unding wie dem Stalinismus irgendwie gerecht zu werden.

Vladislav Todorov erzählt eine Kriminalgeschichte, die aber durchaus politisch verläuft. Im stalinistischen Sofia der Nachkriegszeit raubt ein jugendliches Trio einen Juwelier aus, der dabei zu Tode kommt. Der Ich-Erzähler Motte geht ins Gefängnis, weil er seine Geliebte schützen will, der wahre Täter wird politischer Polizist und wartet, bis Motte wieder aus dem Gefängnis kommt, um ihm das Versteck des verschwundenen Diamanten herauszupressen.

Mathias Klammer, Der Minimalismus der Dinge

h.schoenauer - 06.04.2011

Buch-Cover

Schon beim guten alten Stifter ist im sanften Gesetz davon die Rede, dass in den unscheinbaren Dingen die große Kraft des Weltgeistes wirkt.

Mathias Klammer geht in seinem Roman vom Minimalismus der Dinge so genannten kleinen Ereignissen nach, die aber für die installierten Figuren große Auswirkungen haben können.

Ilse Kilic / Fritz Widhalm, Alles, was lange währt, ist leise

h.schoenauer - 05.04.2011

Buch-Cover

Der Verwicklungsroman gilt Kennern als ideales Genre, um biographische Geschehnisse in einem individuellen Zeitgeschichte-Beet gedeihen zu lassen.

Ilse Kilic und Fritz Widhalm legen nun schon den siebten Teil vor und erzählen ganz unverblümt, dass es vielleicht in zwei Jahren einen achten Teil geben wird.

Stefan Abermann, Hundestaffel

h.schoenauer - 05.04.2011

Buch-Cover

In der Literatur wird eine Geschichte oft dadurch plastisch und aufregend, dass sie sich beim Erzählen selbst vernebelt. Während der Leser in den Trümmern nach brauchbaren Teilen sucht, entsteht der Psychothriller wie von selbst.

Stefan Abermann macht in seinem Debütroman alles richtig. Angefangen vom bedrohlichen Titel "Hundestaffel", über das überschaubare Figurenset von drei halbstarken Erotik-Hengsten bis hin zu einem verblüffenden Plot wird hier von frei liegenden Hormonen, schweren Medikamenten und einem undurchdringlichen Lebenssinn erzählt.

Peter Clar, Alles was der Fall ist

h.schoenauer - 28.03.2011

Buch-Cover

Die besten Krimis sind jene, die erzählen, dass sie eigentlich kein Krimi sind. So hat etwa der frühe Peter Handke mit seinem "Hausierer" das ganze Genre aufgerollt bis hin zu der schönen Erkenntnis: Die Kinder spielen schon den Mord.

Peter Clar geht von diesem magischen Wittgenstein-Satz aus, wonach die Welt alles ist, was der Fall ist. Und wenn dann noch jemand vom Kirchtrum eines Kärntner Dorfes herunterfällt wie in Josef Winklers Romanen, dann ergibt sich fast automatisch ein Kriminalroman oder zumindest ein Beobachtungsdrama.

Maxi Obexer, Wenn gefährliche Hunde lachen

h.schoenauer - 27.03.2011

Buch-Cover

Es gibt heutzutage kaum eine Nachrichtensendung oder eine Dokumentation, worin nicht von gestrandeten Menschen aus Afrika die Rede wäre. Zwar wissen wir in Worten alle, dass es sich dabei um Menschen handelt, in der Realität des eingebunkerten Europa jedoch werden alle diese Schicksale zu einer Bedrohung.

Margareth Obexer, die sich vielleicht aus Solidarität zu dem Titel "Wenn gefährliche Hunde lachen" selbst wie ein Hund Maxi nennt, stellt romanfüllend das Schicksal der jungen Helen aus Nigeria vor, die nichts anderes im Sinn hat, als in das Paradies Europa zu gelangen.

Simone Schönett, re:mondo

h.schoenauer - 08.03.2011

Buch-Cover

Unbemerkt vom großen Bewusstseinsstrom der Öffentlichkeit gibt es feine Kulturformen des Lebens, die höchst selten wahr genommen werden.

So schlagen sich in Europa beispielsweise die Jenischen mehr recht und schlecht durch das Leben, manchmal werden sie Gegenstand einer wissenschaftlichen Arbeit, manchmal gibt es einen Roman über sie.

Hans Platzgumer, Der Elefantenfuß

h.schoenauer - 08.03.2011

Buch-Cover

Es gibt Themen in den Ritzen der öffentlichen Welt, die sind allein schon beim Zitieren ein Stück Literatur.

Tschernobyl, das Desaster im Dreieck Russland, Weißrussland und Ukraine aus dem Jahre 1986, ist so ein literarisches Weltereignis, worin Tod, Sinn, Exklusivität, Skurrilität, Romantik und Zeitlosigkeit mit einem einzigen Wort zusammengefasst werden können.