Roman

Klemens Renoldner, Lilys Ungeduld

h.schoenauer - 04.09.2011

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In manchen Familien ist wie bei einem Eisberg nur der unwesentliche Teil sichtbar, die wahren Klumpen des Familiengefüges bleiben unsichtbar, weil sie schon im Jenseits liegen.

In Klemens Renoldners Roman hat Lily in der Blüte ihres Lebens Suizid verübt, indem sie scheinbar grundlos von einer Brücke auf den Grund eines Flusses gesprungen ist.

Christoph Poschenrieder, Der Spiegelkasten

h.schoenauer - 30.08.2011

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In einem guten Hirn kämpfen ständig das Erinnerungsvermögen und das Vorstellungsvermögen um die Vorherrschaft. Dieser Kampf ist auch das Hauptthema in Christoph Poschenrieders Roman ?Der Spiegelkasten.

Große Erlebnisse beginnen oft trivial, ein Ich-Erzähler baut sich am Computer eine persönliche Pizza zusammen, die ihm dann in Echtzeit zugestellt wird. Beim Verzehr einer solchen PC-Pizza schüttet er Wein aus, dieser rinnt in eine alte Fotosammlung des Großonkels, die dieser anlässlich des Stellungskrieges zwischen Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg angelegt hat.

Andrej Kurkow, Der wahrhaftige Volkskontrolleur

h.schoenauer - 28.08.2011

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Verrückte Staatsgebilde produzieren meist verrückt gute Berufe. So wurde in der Sowjetunion quasi die Verwaltung neu erfunden mit lauter seltsamen Beamten, die durchgehend für die Überwachung gebraucht wurden.

Andrej Kurkow greift augenzwinkernd aus dem Heer der wahnsinnigen Beamten den "Volkskontrolleur" heraus und gibt ihm ein erbärmliches bis erbarmungswürdiges Schicksal.

Wolfgang Hermann, Die Augenblicke des Herrn Faustini

h.schoenauer - 24.08.2011

Buch-CoverJe nach Interessenslage verstehen die einen unter Faustini einen Opernlibrettisten, die anderen einen italienischen Marathonläufer.

Der echte Faustini jedoch stammt von Wolfgang Hermann und ist ein aufmerksamer Zeitgenosse mit geradezu übersinnlichen Empfindungen für den Alltag. Die neuen Abenteuer des Herrn Faustini nennen sich schlicht Augenblicke. Damit ist einmal eine kurze Zeitangabe gemeint, zum anderen eine kurze Kontaktaufnahme zur Außenwelt.

Kjersti A. Skomsvold, Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

h.schoenauer - 19.08.2011

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Vielleicht zeigt sich der Lebenssinn als dünne Speckschwarte ganz nahe am Tod angesiedelt.

In Kjersti A. Skomsvolds Roman vom Ausgeistern knapp vor dem Tod versucht Mathea Martinsen noch ein paar Kurven zu kratzen, ehe sie die große Kurve angehen wird. Sie ist steinalt und kürzlich ist ihr Mann gestorben, der mehr oder weniger alles im Leben ausrechnen konnte. Denn er war ein mathematischer Typ, weshalb er im Sinne der Wahrscheinlichkeitsrechnung Epsilon genannt wurde.

Andrea Wolfmayr, Im Zug

h.schoenauer - 16.08.2011

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Im Volksmund werden Geschichten vom täglichen Zug-Fahren längst Pendler-Roman genannt. So ein Roman wird nicht gelesen, sondern täglich inszeniert.

Andrea Wolfmayr nennt ihren Pendler-Roman Im Zug. Die Erzählerin schreibt dabei gut drei Jahre lang zwischen 2008 und 2010 alles auf, was täglich zwischen Gleisdorf und Graz im Zug passiert, und als Leser liest man diese Aufzeichnungen in einem Zug.

Stefan Slupetzky, Halsknacker

h.schoenauer - 16.08.2011

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Manche Wörter lösen vor ihrer Bedeutung noch ein Geräusch aus. Halsknacker ist so ein Beispiel, da hört man etwas Nussiges zerbrechen, ehe man dann an eine Szene denkt, wo jemand Hals und Leben verliert.

Stefan Slupetzky schart um eine verrückt genaue Vorstadt-Sprache jeweils kriminelle Szenen herum. In seinen Stories ist zuerst die Sprache auf den Beinen, ehe ihr Figuren beigestellt werden. So sprechen diese Figuren eine authentische Sprache von Raritätensammlern und Einzelgängern. Natürlich entgleist die Sprache zwischendurch, und das bedeutet in der Versuchsanordnung Stefan Slupetzks immer Mord, Totschlag oder Unglück.

Georg Haderer, Der bessere Mensch

h.schoenauer - 14.08.2011

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Ist es manchmal schon schwer, ein guter Mensch zu sein, so ist es nahezu unmöglich, ein besserer Mensch zu werden.

Niemand weiß das besser als der Wiener Polizeimajor Schäfer, den eine harte Psycho-Krise durch den Alltag jagt. Die Gegenmittel strotzen nur so von gutem Willen: selbst-dosierte Tabletten einwerfen, bis nach Mitternacht am Balkon sitzen, in der alten Donau schwimmen, mit der Freundin telefonieren, und immer wieder zur Therapie beim Psychiater hin schleichen.

Sabine Gruber, Stillbach oder Die Sehnsucht

h.schoenauer - 13.08.2011

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"Heutzutage muss alles echt wirken, auch wenn es ein Fake ist." (330) - Sabine Gruber erzählt genau auf jenem oszillierenden Kamm, an dem sich scheinbar Fiktion und Fakten scheiden, dabei sind beide Welten gleich wahrscheinlich und aufregend.

Allein schon der "oder-Titel" in Gestalt eines Broch-Romans deutet darauf hin, dass man alles auch anders lesen kann.

Monica Cantieni, Grünschnabel

h.schoenauer - 11.08.2011

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Unter einem Grünschnabel versteht man im Volksmund einen Anfänger, der schon ein gewisses Fachvokabular einsetzt, dieses aber noch nicht ganz richtig verwendet.

In Monica Cantienis Roman "Grünschnabel" wird ein Kind vorerst zum geschlechtsneutralen Erzähler / Erzählerin, es taucht in den großen allgemeinen Wortschatz der Gesellschaft ein und benützt Begriffe wörtlich, leicht daneben oder aufklärend falsch und dadurch richtig.