Roman

Jürg Schubiger, Die kleine Liebe

h.schoenauer - 02.04.2008

Buch-CoverDie Schweizer Literatur gilt oft als der Inbegriff von Genauigkeit im Umgang mit Kleinodien. Während es in der Cinemascope-Literatur oft um die große Liebe geht, handelt die Schweizer Poesie oft von der "kleinen Liebe".

Heldin der kleinen Liebe ist L., bei der es nicht einmal zu einem vollen Namen reicht. Eigentlich heißt sie Laetitia, wird aber auf einer Hochzeitstafel durchaus einmal auch als "Elle" ausgenamst.

Alek Popov, Die Hunde fliegen tief

h.schoenauer - 10.03.2008

Buch-CoverManche Bücher reißen uns zuerst mit dem Cover von den Beinen, ehe sie sie uns dann mit dem Text aus den Socken stülpen.

In Alk Popovs Roman fliegen die Hunde tief. Am Cover spaziert ein an beiden Armen durchgehend tätowierter Lebens-Bodyguard mit einem Dutzend Hunde an den Leinen den Gehsteig entlang mitten auf die Leser zu. Dieser Horde kann man nur ausweichen, wenn man das Cover raschaufschlägt und zu lesen beginnt.

Hans Haid, Similaun

h.schoenauer - 06.03.2008

Buch-CoverDer geheimnisumwitterte Gebirgsstock "Similaun" ist in aller Munde, seit in dieser Gegend Mister Ötzi gefunden und nach Jahrtausenden aus dem ewigen Eis gepickelt worden ist.

Für Hans Haid ist dieser magische Berg-Name eine Beschwörungsformel, mit der sich die Zeitlosigkeit zwischen biblischer Apokalypse und aktuellem Alpenwahn kurz und bündig darstellen lässt.

Christoph Wagner, Gefüllte Siebenschläfer

h.schoenauer - 06.03.2008

Buch-CoverMord im Feinschmeckermilieu! Wer fein isst, wird fein ermordet.

Im zweiten Carozzi-Krimi, der erste Fall wurde 2002 unter dem Titel "Schattenbach" aufgetischt, verschlägt es den Archäologen Carozzi auf die imaginöse Inselstadt Balaor vor Triest, wo er ein römisches Steine-Museum (Lapidarium) einrichten soll.

Didier Goupil, Endstation Ritz

h.schoenauer - 05.03.2008

Buch-CoverWenn sich eine Lebensgeschichte über ein Jahrhundert hinzieht, kann man auf jeden Fall von einem Roman sprechen, auch wenn der Umfang vielleicht eher an ein Prosagedicht erinnert.

Didier Goupil erzählt vor allem vom Vergessen, Versickern, Verbleichen der Zeit. Aus diesem Grund sind fallweise nur die rechten Seiten bedruckt, die linken sind quasi schon der Zeit zum Opfer gefallen.

Ferdinand Schmatz, Durchleuchtung

h.schoenauer - 01.02.2008

Buch-CoverEine echte Durchleuchtung geschieht mit Röntgengeräten oder als CT-Scann. Das Ergebnis ist eine perfekte Darstellung des Körpers, mit welcher der Fachmann zu klaren Befunden kommt.

In Ferdinand Schmatz Durchleuchtungs-Roman werden die Figuren in einem literarischen Scann-Verfahren vorgeführt. Hier handelt es sich um so etwas wie poetisches Röntgen, die Biographien der Helden werden zerlegt und dem Leser fein säuberlich präpariert dargeboten.

Rita Egger, Wohnen zu dürfen im Hause des Herrn

h.schoenauer - 30.01.2008

Buch-CoverAuch in akademisch hohen Kreisen geht es oft recht alltäglich zu. Rita Egger stellt in ihrem Roman die Protagonisten wie bei einer Vorabendserie dramaturgisch ausgewogen auf, nur dass anstatt plätschernder Unterhaltung religiöser Small talk einfließt.

Anneliese ist medizinisch-technische Assistentin in einem Labor einer Wiener Klinik, bei Überstunden für ein Forschungsprojekt lernt sie den Chemiker Manfred kennen, und schon hat das Leben einen anderen Sinn.

Wolfgang Denkel, Ja Nein Ja

andreas.markt-huter - 29.01.2008

Buch-Cover

Zwar heißt es im Sprichwort artig: Deine Rede sei ja oder nein, aber im wirklichen Leben ist eine Mischung aus Ja und Nein gefragt.

Claudia Paganini, Wagnis

h.schoenauer - 23.01.2008

Buch-CoverOrdensleute in der Kunst sind eine seltsame Sache. In Unterhaltungsfilmen und Vorabendserien treten sie meist als fröhlich swingende Glückskäfer in Kutte auf, in der Literatur hingegen sind sie zernagt und geplagt von Selbstzweifeln.

Claudia Paganini hat einen strengen Ordens-Roman geschrieben, das Wagnis besteht dabei aus einem ordensgemäßen Ein- und Austritt.

Fritz von Herzmanovsky-Orlando, Scoglio Pomo oder Rout am Fliegenden Holländer

h.schoenauer - 23.01.2008

Buch-CoverLetztlich sind alle Namen Schall und Rauch, der Sinn des Lebens besteht oft darin, seinen Namen skurril artikuliert auszusprechen.

Fritz von Herzmanovsky-Orlando ist der Meister der Österreichischen Seele, seine Figuren tapsen auf einem rutschigen Parkett herum und lassen sich dann genüsslich in die eigene Gosche fallen, meist aber hilft jemand mit einem Verbal-Tritt nach, dass der Auftritt des Mitbewerbers am Rout ins Lächerliche gezogen wird.