Roman

Helmut Brandstätter, Hör Mir Zu

h.schoenauer - 08.07.2008

Buch-CoverManche Themen sind letztlich so unfassbar, dass sie ständig neu bearbeitet werden müssen. Kommunikation ist nicht umsonst einer der hundert wichtigsten Begriffe des vergangenen Jahrhunderts.

Die Spielregeln der Kommunikation verändern sich ständig, gleichzeitig sind die darin wirksamen Urkräfte seit Jahrhunderten gleich geblieben.

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Der lange Gang über die Stationen

h.schoenauer - 07.07.2008

Buch-CoverKann man in der Einöde eine Ehe über die Bühne bringen und führt nicht jede Ehe in die Einöde?

Der Jungbauer Theo hat geheiratet, seine Frau kommt aus der Stadt, langsam wird sie in die Landwirtschaft und in das Leben auf dem Land eingeführt. Wie die Stationen eines Kreuzwegs geht es an markante Stellen des Anwesens, zum Steinbruch, an die Grundstücksgrenzen. Schon in diesem ersten Austesten entsteht so etwas wie "der lange Gang über die Stationen".

Konrad Rabensteiner, Der Befall

h.schoenauer - 30.06.2008

Buch-CoverEin ziemlich ungemütlicher Titel, Der Befall, erinnert an Maul- und Klauenseuche, wenn ganze Tierherden befallen werden. Und dabei ist es ein schöner, harmonischer, umfangreicher Roman.

Das erste, was auffällt, ist dieser lange Atem, mit dem durch die Jahrzehnte erzählt wird, das zweite ist diese natürliche Abfolge der Geschehnisse, worin alle Entscheidungen wie von selbst fallen, seien es die privaten oder die öffentlichen.

Alfred Komarek, Doppelblick

h.schoenauer - 17.06.2008

Buch-CoverLiebe, Tod und Sonnenschein, und das alles vielleicht mit einem doppelten Mausklick ausgelöst. - Unglaublich schlicht und hartnäckig geht der vierte "Käfer-Roman" mit jenen Dingen um, die den Stoff für Literatur abgeben.

Daniel Käfer startet seinen nächsten (laut Klappentext offensichtlich letzten) Lebensabschnitt mit dem Begräbnis seines Bruders. Alles ist irdisch, die Begräbnisrituale verströmen Halt und Gelassenheit und werfen schwermütige Schatten auf die Überlebenden, die bald nach der Zeremonie wieder in ihren Alltagstrott zurückfallen.

Manfred Wieninger, Rostige Flügel

h.schoenauer - 16.06.2008

Buch-CoverDiese österreichische Seele rostet nirgendwo so fluguntauglich dahin wie in der Provinz.

Harland ist die Hauptstadt dieses düsteren Desasters an Lebenswille, die Figuren gehen wie in einem Thomas-Bernhard-Alptraum geduckt und geil durch die Szenerie, und wenn etwas geschieht, dann entweder als Gerücht oder als unheimliche Übertreibung.

Thomas Pynchon, Gegen den Tag

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-CoverDa sich ein echter Pynchon-Roman kaum rezensieren lässt, hier ein paar persönliche Tipps, was man sich so denken könnte, während man im Monsterwerk blättert.

1. Kaum ein Buch kommt einem gedruckten Internet so nahe wie Thomas Pynchons Against The Day. Am Besten liest man den Roman persönlich, wie man ja auch das Internet persönlich aufruft und fallweise liest.

Margriet de Moor, Der Jongleur

h.schoenauer - 20.05.2008

Buch-CoverWie ticken Artisten, wenn sie unter sich im Hotel sind? - Wenn die Zuschauer nach Hause gegangen sind und ihr Divertimento (Vergnügen) gehabt haben, müssen sich die Artisten mit sich selbst beschäftigen.

Dabei gehen sie offensichtlich genau so leidenschaftlich und sorglos mit einander um wie das Publikum es offensichtlich tut, das sie soeben nach Hause entlassen haben.

Rainer Juriatti, 47 Minuten & 11 Sekunden im Leben der Marie Bender

h.schoenauer - 17.04.2008

Buch-CoverSekundengenaue Zeitangaben deuten oft auf einen Countdown hin, der mit einer Null als Höhepunkt endet.

Im Leben der Marie Bender handelt es sich um die letzte dreiviertel Stunde vor dem Tod, der mit der Sequenz 0 Minuten 0 Sekunden eintritt. "Schlaff liegt mein Körper. [...] Ich atme aus und höre mich." (146)

Martin Kolozs, Bar

h.schoenauer - 13.04.2008

Buch-CoverMördergeschichten sind Erzählungen von und mit Mördern im wahrsten Sinne des Wortes.

In Martin Kolozs mörderischen Texten dürfen wir Leser nämlich manchmal ins Innere eines Mörders schlüpfen, uns wie wahnsinnig aufführen, ehe wir dann geläutert und von unserem imaginären Blutrausche erschreckt uns wieder deeskalieren und zu normalen Lesern werden.

Otto Grünmandl, Pizarrini

h.schoenauer - 13.04.2008

Buch-CoverSelbst die größte Ordnung kann durch eine kleine Begebenheit mitten entzwei brechen. Otto Grünmandl bittet im ersten Kapitel seinen Buchhalter Pizarrini vor den Vorhang.

Dieser Vorhang ist ein Viertel aus dem ehemaligen Stadttheatervorhang, ein anderes Viertel wird übrigens beim Leichenbestatter für das Austrapieren von Särgen verwendet.