Markus Köhle, Land der Zäune
Hans schlägt einen Pfosten ins Erdreich und setzt einen kulturellen Claim in die Landschaft. Er ist jetzt eingemieteter Häuslbauer im Speckgürtel und hat sich erfolgreich einen Flecken Sprache, Gesinnung und Lebenssinn durch Umzäunung gesichert.
Markus Köhle schickt seinen Helden Hans in ein bodenständiges Abenteuer im Siedlungshotspot Unterbrombachkirchen irgendwo bei Wien. Als Bewohner einer eingezäunten Einfamilienburg durchlebt der selbst eingesperrte Zaunkönig einen intimen Zugang zur österreichischen Kultur, Politik und Denkweise. Alles ist geprägt von einem reinrassigen Flair an Mittelmäßigkeit.
Die fundamentalste Art, die Literaturbühne zu betreten, besteht im Auftauchen als Manifest. Vor knapp einem Vierteljahrhundert ist Jörg Zemmler mit einem Manifest an die Öffentlichkeit getreten, das auf den Leihcharakter der Literatur hinweist. „Leihworte“ zeigen unter anderem, was wir uns von unseren Vorgängern abschauen und ausleihen können. Ein verlässlicher Zugang ist dabei oft die Paradoxie. „Multimedialität entsteht aus electronic meets lyric, Prosa meets Bild und Sprache meets Text. Fragen Sie Schwitters K. und Cage J., weshalb.“ (Jörg Zemmler)
Die Komödie ist die adäquate Lebensform für das Alter. Wer bis in den Herbst des Lebens vorgedrungen ist, hat dies meist jener Kraft zu verdanken, die einen die Umtriebe des Alltags gelassen sehen lässt. Im Idealfall füttert der komödiantische Stoff die Selbstironie des Betrachters.
Zwölf Wiener Dialektlieder auf CD, ein Booklet mit den Texten im Dialekt und in einer interlinearen Übertragung, Biographien der Künstler, prägnante musikhistorische Annotation – beglücktes Herz, was willst du mehr!
Wenn man sich einmal aus Not in einen Käfigmenschen verwandelt hat, kann man dann von Amtswegen resozialisiert werden?
Die ideale Shortstory ist ein fiktionaler Kitt zwischen zwei scheinbar realen Situationen. Sie kann folglich jederzeit an jedem Ort auftreten und verändert ihr Erscheinungsbild zusammen mit dem Plot, den sie vorgibt zu erzählen.
Ein Dorf ist in der Fiktion ein gern gesehener Ort, um darin Idylle, Schrecken, Wokeness oder Klimaschutz in Szene zu setzen. Mit Wimmelbildern der Kindheit wird dieser Ort gerne als analoge Wunderwelt dargestellt, worin sich die erwachsen gewordenen Kinder später einmal zurückziehen werden. Die Wirklichkeit ist freilich auch in Romanen alles andere als eine heile Welt.
Krimi ist als Genre und Gesellschaftstreiben die am häufigsten verwendete Kategorie, um sich purem Vergnügen oder Verbrechen hinzugeben. – Die literarische Sorte Krimi spendet unter Garantie einen Roman mit Handlung, der wegen seiner klugen Gliederung ein ständiges Absetzen und Wiederaufnehmen von Lektüre ermöglicht.
Erbsenzählen und die Prinzessin auf der Erbse – der Erbsenjongleur ist als Märchenerzähler bestens eingekleidet mit Stoff.
Suche den Kern der Hülle! – In der Literatur gibt es ständig neue Rätsel zu lösen, deren Lösungen später wieder zum Aufbau neuer Rätsel genutzt werden können. Reinhard Wegerth nimmt die „besten Wunder“ aus den Gründungsmythen von Islam und Christentum unter seine literarischen Fittiche, indem er sie ohne Vorurteile behutsam aus dem religiösen Kontext schält und als Präparate der Fiktion unter das Lektüre-Mikroskop legt.