Hannes Hofinger, Die Leiche hinter dem Kriegerdenkmal
In der naiven Malerei sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst, Autodidaktik und Akademie aufgehoben. Was als schlichte künstlerische Äußerung erscheint, ist in Wirklichkeit eine Handhabung der Realität unter dem Filter der Lebenserfahrung.
Hannes Hofinger inszeniert seine „naiv-heiteren“ Dorfkrimis professionell als Textkunstwerke, worin die Handwerke des Publizierens, der Dorfchronik, der Fotografie und Dramaturgie im öffentlichen Raum jeweils zu einem unterhaltsamen Buch zusammengeführt werden. Innerhalb weniger Lesestunden gewährt diese Krimi-Sorte einen Einblick in die wahren Zusammenhänge eines Dorflebens.
Pop-Literatur und Pop-Musik haben einen gemeinsamen Freund: Den Fußball. Allen drei Kunstgattungen ist eine wolkige Aura übergestülpt, die mit dem Schlüsselbegriff „naiv-romantisch“ umschrieben werden kann.
Auch fürs Lesen gilt: Das Auge isst mit! – In den letzten Jahren ist um diese Erkenntnis herum geradezu ein Hype entstanden. In der wertschätzenden Atmosphäre für das Kulturgut Buch hat sich eine klandestine Form der Literatur entwickelt, nämlich die „haptische Fantasy“.
Eine Selbstkündigung lässt niemanden kalt. Zumindest die kündigende Person empfindet sich für ein paar Augenblicke als Individuum, das eine Entscheidung vorgenommen hat.
Manche Romane richten sich pädagogisch wohl kalkuliert an eine bestimmte Altersgruppe. Selige Unruhe legt schon im Titel nahe, dass es sich dabei um Ruheständler handelt, die artig gegendert sind.
Jede Epoche stellt vor allem die Glanzlichter als Errungenschaften ins Licht der Geschichte, Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist es dann immer, die Schattenseiten und Hinterhöfe dieser Glanzlichter zu dokumentieren.
„Der wirksamste Befehl sei aber jener, den man gar nicht mehr explizit erteilen müsse, sondern der sich als Zwangsläufigkeit aus den Umständen ergebe. Die aber durchaus vorab zu gestalten seien.“ (15) Es ist natürlich lange her, dass so gedacht worden ist, und wahrscheinlich trifft diese Vermutung über den Befehl uns durch Algorithmen orientierungslos Gewordene so ins Herz, weil diese Vermutung selbst zu einem Befehl geworden ist, der uns auch nach Jahrhunderten noch erreicht.
„Franziska Denk hatte die Pest. Schon wieder.“ – Ein Start wie die Pest! Elias Hirschl pusht den Roman „Schleifen“ hinein in das Langzeitgedächtnis der Leser, in diesem fulminanten Pest-Satz ist letztlich der ganze Roman angelegt wie eine DNA-Scheibe für das dazugehörende Individuum.
Das Groteske erscheint einem oft als eine verzerrte Welt, gesehen vielleicht durch eine verkehrt aufgesetzte Lesebrille. Selbst wenn man den irritierten Blick korrigiert, ist es nicht mehr möglich, das Schräg-Gesehene ungeschehen zu machen.
Das Aufregende am Reisen ohne Wiederkehr besteht darin, dass man mit einem einzigen Besuch im Reisebüro auskommt. Reklamationen und Schadensmeldungen sind keine Optionen, weil es keinen Vollstreckungsort gibt, außer im Innersten seiner selbst.