Vera Vieider, Am Hafen
Als die schönen Tage gelten oft die unauffälligen, als die schönen Wanderungen die gemäßigten, als die schönen Gedichte vielleicht die unspektakulären.
Vera Vieider stellt in ihren gut achtzig Gedichten eine Welt vor, die an und fürs sich recht gewöhnlich aber zwischendurch mit lyrischen Spitzen besetzt ist. Wenn man die Gedichte in einem langen Atemzug liest, verwandelt sich das Unauffällige in eine satte Erinnerungslandschaft, aus der dann seltene Begriffe aufschimmern.

Oft erreichen überladene Dinge ihre Leichtigkeit erst durch präzise Verhöhnung. Lyrik gilt oft trotz der Seltenheit der darin vorkommenden Wörter als sehr schwere Kost, die sogar Depressionen auslösen kann.
Die wahren Geschichte spielen sich meist jenseits der Google-Welt ab, nur in kurzen Schimmern tauchen dabei die Helden auf und verlöschen in sich selbst.
Was haben eine Wand, ein Leintuch und ein frisch eingeschneiter Rasen gemeinsam? Jede kreative Seele wird durch die schreiend leere Flächen ermuntert, zu sprühen, zu markieren oder einfach mit den Füßen durchzuwaten.
Wichtige Dinge muss man immer zweimal machen, einmal als Plan und dann als Durchführung. So gesehen ist der "Zweite Anlauf" die Verwirklichung der Literatur.
Wie aus der Pistole geschossen fallen beim Begriff Ukrainische Literatur die Namen Andruchowytsch, Deresch und Zhadan. Diesem Dreigestirn des anarcho-narrativen Wahnsinns ist es zu verdanken, dass die Literatur der Ukraine momentan in aller Leser-Munde ist.
In einem gelungenen Titel ist der komplette Roman enthalten. Sogar Papageien überleben uns ist ein Zitat von Joseph Roth, worin dieser die Endlichkeit des Lebens bedauert und süffisant meint, dass sogar die Papageien die Menschen überleben. (95)