Michael Krüger, Einmal einfach
Als das Reisen noch nicht mit der Maus geplant werden musste, bestellte man für besonders intensive Ausfahrten das Ticket „einmal einfach“. Darin war immer eine makabre Anmerkung für den Tod versteckt, dass man vielleicht nicht mehr zurückkommen wolle.
Michael Krügers „Spätgedichte“ haben etwas von dieser Annäherung an den Tod. Die Gedichte sind ein Anschleichen an die letzten Dinge, die man sich noch einmal kurz anschaut, ehe man vielleicht gar nicht mehr zurückkehrt in die alte Welt und vielleicht hinüberwechselt in einen anderen Zustand. So entstehen letztlich „viele Fragen, die keine Antwort brauchen.“
Die Geschichte reicht jedem persönlich die Hand, dass er sich damit auseinandersetzt. Und wer sich nicht der Geschichte stellt, der wird von der Geschichte gestellt, hat dieser Tage der österreichische Nationalratspräsident philosophiert.
In der modernen Tourismusindustrie wird den Gästen eine zweifache Eroberung des Gebirges schmackhaft gemacht. Einmal sollen sie ihre Körper auf diverse Gipfel schwingen, zum anderen sollen sie nach der körperlichen Anstrengung die Sagen, Mythen und Fiktionen aus dem Gestein herausklopfen. Daher boomen Sagen-Safaris, Dorfschreibstuben und Ofengeschichten.
Die elementarsten Veränderungen geschehen über Nacht: Du schaust beim Zähneputzen in den Spiegel und siehst, dass du ein anderer Mensch geworden bist.
Markante Lyrik punktet oft durch einen eleganten Duktus, mit dem die poetischen Schleifen durch das Gelände aus Visionen, Befindlichkeiten oder Naturresten gelegt ist.
Das Büroleben verläuft immer in einem gewissen Abstand zur Außenwelt, Veränderungen und Spannungen können daher nur entstehen, wenn sich der Graph der Außenwelt in die Zacken von Auf und Ab wirft.
Zusammengesetzte Wörter verlieren oft die Eindeutigkeit, obwohl mit jedem Wortsegment die Sache noch genauer beschrieben werden soll. Der Schildkrötensoldat kann eine langsame Witzfigur aus einem Bilderbuch sein, genauso aber auch eine bewaffnete Kröte oder ein Soldat, der hinter einem Schild versinkt.
Die intensivsten Romane sind immer jene, die einem Zustand, Material oder einer Lage gewidmet sind. Klei ist alles davon und so etwas wie der reine Roman. Klei ist nichts anderes als getrockneter Schlick, der sich jeden Tag neu formiert, um sich nach einer Weile wieder zu verlagern.
Das klassische Sklaventhema gilt in Philosophie, Literatur und Politik seit dem amerikanischen Bürgerkrieg als abgehakt. Wenn man dann freilich hinter die glatte Fläche der Smartphones blickt, sieht man hinter den Apps die Sklaven der Gegenwart, wie sie die seltenen Erden schürfen, während wir damit belanglose Nachrichten herumsenden.
Schon eine weltliche Revolution zu veranstalten, ist nur wenigen Helden möglich. Jedoch eine göttliche Revolution zu zünden, ist fast nicht von dieser Welt!