Christos Chryssopoulos, Parthenon
Kann etwas durch Zerstören entstehen? Kann ein Kunstwerk ohne Zerstörung vollkommen sein? Kann im Terror ein Sinn innewohnen?
In Christos Chryssopoulos Roman wird das Parthenon in Athen gesprengt und ein mutmaßlicher Attentäter wird stracks hingerichtet. Im Original ist von der Zerstörung oder Dekonstruktion des Parthenon die Rede. In der durch die Romantik schön gefärbten Griechenwelt der Deutschen tritt nur mehr das Parthenon selbst im Titel auf, seine fiktive Zerstörung will man der deutschen Touristenseele nicht zumuten.
Um sein wahres Leben zu begreifen, muss man sich zwischendurch aus dem Leben hinausträumen. Die Satten träumen dabei vom Abenteuer-Hunger, die Hungrigen vom Abenteuer satt zu sein.
Ein Roman gilt üblicherweise als Podium für Üppigkeit von Figuren und Ausstattung, Verknotung von Handlungen, Spiegelung von winkeligen Seelensträngen. Das Gegenteil müsste so etwas wie der Zen-Roman sein, ein Text voller Reduktion bis hin zur Auflösung jeglicher Konsistenz.
Im idealen Roman steigt man als Leser nicht nur ein bisschen aus, sondern vollkommen. Der ideale Roman liefert neben den Heldinnen und der Handlung daher gleich auch das Wertesystem mit, mit dem man der fiktionalen Fliehkraft begegnen kann.
Geschichten sind oft Destillate aus einem gewissen Zeitabschnitt, die Märchen hingegen mischen mit ihrer Zeitlosigkeit die jeweilige Epoche auf. Wenn man nun die Geschichten in die Zeit streut, kann man vielleicht sogar die Zeit verändern.
Wenn es tausend Gründe gibt, weshalb man einen Roman lesen kann, dann wird wohl auch einer dabei sein für den Roman „Die Kapitel meines Herzens“, der sehr stromlinienförmig daherkommt. Wie alle Produkte aus der Welt des „Kreative Writing“ ist der Roman ein Produkt und kein Kunstwerk. Als Produkt macht er vieles richtig.
Graffitis und Wandmarkierungen lassen bei Tageslicht nur dämmrig erahnen, was sich vielleicht in den Nächten davor abgespielt hat. Der Kampfruf, „All Cops Are Bastards“, bringt die Wut auf den Staat zum Ausdruck, wenn man die entsprechenden Geschichten hört und die einschlägigen Protokolle liest.
Tollkühn lässt sich der Zustand „interfer“ als „ungefähr“ übersetzen. Interfer ist ein Zustand, welcher Interferenzen auslöst oder umgibt, und Interferenzen sind je nach Fachgebiet Überlagerungen von Schwingungen, Übertragungen zwischen zwei Sprachen oder Wechselwirkungen von Medikamenten. Jeder Mensch hat also die Gnade, in den Sog von Interferenzen zu kommen und dabei selbst interfer zu werden.
Einem Weltroman gelingt es mit ein paar Anstichen, Atmosphäre, Zeitgeist und politischen Status einer Jahresgegenwart darzustellen. So ein Roman wird dann zu einem Referenztext, der wie ein Ohrwurm der Beatles eine Gefühlslage flächendeckend beschreiben kann.
Als das Reisen noch nicht mit der Maus geplant werden musste, bestellte man für besonders intensive Ausfahrten das Ticket „einmal einfach“. Darin war immer eine makabre Anmerkung für den Tod versteckt, dass man vielleicht nicht mehr zurückkommen wolle.