Christian Futscher, Frau Grete und der Hang zum Schönen
Der Hang zum Schönen ist meist eine elegante Umschreibung für Kitsch. Wenn die Volksseele auf die Ästhetik stößt, gibt es oft seltsame Bremsspuren, die dann bodenständig genannt werden.
Christian Futscher lässt in seinem Roman über die jüngere Zeitgeschichte Österreichs eine gewisse Frau Grete auftreten, die im ersten Teil erzählt, wie sie das Leben der Kriegs- und Nachkriegszeit gemeistert hat, und die im zweiten Teil als Ruheständlerin ihr Leben noch einmal erzählt, als Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hat.
Spätestens nach dem Zusammenbau eines Fertigteilmöbels weiß jeder, wie wichtig diese Schrauben und ihre bildhafte Gebrauchsanleitung sind.
Ein Konflikt wird ja für die Literatur erst dann interessant, wenn er vollends ausgebrochen ist. Und wenn dann wie im Falle der Killing Fields das Desaster gigantisch wird, kann es mit Worten erst wieder nicht eingefasst werden.
Die wirklich harte Erziehung für das Leben muss man sich selbst verpassen, da darf man sich auf niemanden verlassen.
Wenn ein Jahrhunderte altes Gesellschaftsmodell zerfällt, helfen oft nur mehr alt-biblische Sprüche, um das Chaos darzustellen.
Wer sich eine Vorstellung von seinem eigenen Lebensglück machen will, muss unbedingt einen Stammbaum anlegen. Nichts ist so verlässlich für die Karriere wie ein rechtwinklig abgezwickter Stammbaum.
Manche Gegenden sind so zerfleddert und zerlegt, dass sie nur mit einer Naht quer durch das Herz zu einem Bild zusammengeflickt werden können.
Eine Altherrenrunde, die sich regelmäßig dem Canasta hingibt, ist wahrscheinlich das Stabilste und Staatstragendste, was einem Staat wie Österreich passieren kann.
Das Tau der Zeitgeschichte wird aus vielen Fasern geflochten, nur die Vielfalt der Darstellung kann der jeweils komplexen Gesellschaft halbwegs gerecht werden. Freilich beschränkt sich die jeweilige Literaturwahrnehmung oft auf ein paar schwarz-weiße Strähnen, denn wenn schon der Stoff kompliziert ist, soll für schlichte Zeitgenossen wenigstens die Darstellung einfach sein.
Seit Jahrhunderten gilt der Garten sowohl in seiner floristischen als auch in seiner literarischen Form als der Inbegriff für das Paradies.