Lilian Loke, Gold in den Straßen
„Jeder lebt seine Befindlichkeiten, zu was anderem ist der Mensch gar nicht fähig.“ (303)
Lilian Loke gelingt das schier Unfassbare: als emotionsgeladener Leser entwickelt man plötzlich Mitleid mit einem Immobilien-Makler, dem das Leben mehr oder weniger selbst verschuldet zwischen den Fingern zerrinnt. Held dieses Romans vom „Gold in den Straßen“ ist der Herr Meyer, der nur ganz selten mit dem Vornamen Thomas angesprochen wird, weil er alle Freundinnen, Partner und Fans strategisch zu vergraulen weiß.
Die statische und wie eine Wurstware gut abgehangene Form der Liebe ist das „geliebt“, das wie „geselcht“ klingt.
Es müssen nicht immer für die Öffentlichkeit taugliche Heroen sein, die einen gewissen Lebensstil zur Schau tragen, die wahren Lebenskonzepte spielen sich meist ohne großen Tamtam auf kleinstem Raum mit wenig Personal ab.
Die Absichten der Literatur sind mannigfaltig, eine Besonderheit ist freilich, dass sie sich stets selbst analysiert und überprüft, ob die angestrebten Absichten auch erreicht werden. Die Literatur funktioniert dabei wie eine sich selbst reinigende Pfanne.
Wenn wir der Literatur selbstverständlich Kräfte zuschreiben, die weit in unser logisches, biologisches und historisches Bewusstsein hineinwirken, dann dürfen wir auch in der Medizin ab und zu Kräfte ins Spiel bringen, die über das Zell-logische Verhalten unseres Körpers hinausgehen.
Der Hang zum Schönen ist meist eine elegante Umschreibung für Kitsch. Wenn die Volksseele auf die Ästhetik stößt, gibt es oft seltsame Bremsspuren, die dann bodenständig genannt werden.
Spätestens nach dem Zusammenbau eines Fertigteilmöbels weiß jeder, wie wichtig diese Schrauben und ihre bildhafte Gebrauchsanleitung sind.
Ein Konflikt wird ja für die Literatur erst dann interessant, wenn er vollends ausgebrochen ist. Und wenn dann wie im Falle der Killing Fields das Desaster gigantisch wird, kann es mit Worten erst wieder nicht eingefasst werden.
Die wirklich harte Erziehung für das Leben muss man sich selbst verpassen, da darf man sich auf niemanden verlassen.
Wenn ein Jahrhunderte altes Gesellschaftsmodell zerfällt, helfen oft nur mehr alt-biblische Sprüche, um das Chaos darzustellen.