Beziehung

Hannes Hofinger, Erdbeere mit Flieder

h.schoenauer - 23.04.2013

An der Schwelle zum Herbst des Lebens reißen sich in der Literatur die Helden oft noch alle Abenteuer vom Leib und versuchen kontemplativ auf den unsterblichen Sinn des Daseins zu stoßen.

Hannes Hofinger nimmt mit dem fruchtigen Titel „Erdbeere mit Flieder“ den Helden Daniel Hiob ins Visier, der schon allein durch seinen Namen ein Programm zwischen Kampf und Niederschlag mit sich durchzieht.

Peter J. Gnad, Kreiss' Lauf

h.schoenauer - 18.04.2013

Ein Spießrutenlauf wird meist vom Publikum mit entsprechendem Kreischen begleitet und jeder Läufer tut gut daran, in solchen Situationen auf sein eigenes Inneres zu hören.

Peter J. Gnad stellt den Helden Kreiss als geschundenen, getriebenen und ausgestoßenen Helden vor, der es fallweise mit sich selbst sehr laut und heftig angeht. Sein Lebenslauf knirscht praktisch von Kindheitstagen an.

Silvia Flür-Vonstadl, Mörderisches Tirol

h.schoenauer - 22.03.2013

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1486


Im allgemeinen Gebrauch bedeutet „mörderisch“ neben dem tödlichen Aspekt auch eine zustimmende Übertreibung eines Sachverhaltes. So kann etwa ein Menü mörderisch gut sein, ein Politiker eine mörderische Aussage hinlegen oder ein Rennläufer eine mörderische Abfahrt hinunter flitzen.

Für Silvia Flür-Vonstadl ist das mörderische Tirol beides, ein Land, in dem sich gut Morde platzieren lassen und ein Land, das irgendwie mörderisch aufregend ist. Der Krimi-Band wird von einer langen Stammgeschichte dominiert, der sieben kleinere Erzählungen beigestellt sind.

Albert Ennemoser, Irrfahrten eines jungen Europäers

h.schoenauer - 20.03.2013

„Das Leben ist ein wilder Lauf zur Grube mit vielen selbst gebauten Hindernissen.“ (83)

Albert Ennemoser nennt seinen Hindernislauf Richtung Grube eine autobiographische Abenteuergeschichte. Gleich zu Beginn erklärt er seinen Auftrag mit seinem Namen, Ennemoser hat immer mit einer anderen Gegend zu tun, mit einem Gebiet, das „drüben“ liegt. Schon die Vorfahren haben sich immer mit anderen Dingen beschäftigt als mit dem unmittelbar angrenzenden Tagwerk.

Wolfgang Pollanz, Felden

andreas.markt-huter - 15.03.2013

Nichts ist wahrscheinlich so schwer zu erzählen wie eine Geschichte ohne Handlung eingebettet in einer Gegend ohne Schwerpunkt mit Helden ohne Sinn.
Wolfgang Pollanz macht sich mit Hingabe an die Aufgabe, aus der fiktiven Stadt „Felden“ den ultimativen Charme herauszupressen.

Das Leitmotiv, das dabei alle Figuren zumindest einmal aussprechen müssen, lautet ganz lethargisch: „Keiner weiß, was wirklich los ist!“

Dietmar Dath, Kleine Polizei im Schnee

andreas.markt-huter - 13.03.2013

„Wie ist das mit Klima, Demographie, Islam und alles? - Ja.“ (55)
Etwa nach dieser skurrilen Fragestellung des so genannten Qualitätsjournalismus funktionieren viele der über vierzig Erzählungen, die Dietmar Daths unter dem ziemlich weltverlorenen Titel „Kleine Polizei im Schnee“ versammelt hat.

In der Hauptsache setzen sich diese Erzählungen aus essayistischen Kurzdialogen, spontanen Übermüdungen der Helden, glossistischen Aufarbeitungen von Headlines sowie utopischen Identitätsverlusten zusammen.

Moritz Beichl, Ist mir doch scheißegal

h.schoenauer - 11.03.2013

In der Literatur ist es durchaus üblich, ein Segment der Welt für das Ganze zu nehmen und darin den poetischen Kosmos auszuprobieren. So lässt sich etwa das Nachtleben, die Welt der Bars und intimen Beleuchtungen durchaus als Primär-Welt darstellen, der sich das Tageslicht und der Alltag unterzuordnen haben.

Moritz Beichl stellt mit seinen Gedichten die Welt als Bar dar, das lyrische Ich schreibt dabei mit Nacht-zittriger Handschrift das Motto auf: „ist mir doch scheißegal“. (77)

Boika Asiowa, Die unfruchtbare Witwe

h.schoenauer - 04.03.2013

Damit eine Gesellschaft funktioniert, muss jeder und jede seine und ihre Rolle perfekt spielen. Multikulturelle Gesellschaften überleben überhaupt nur wegen dieser Verlässlichkeit.

In Boika Asiowas Roman „Die unfruchtbare Witwe“ taucht gleich zu Beginn eine Zeremonien-Meisterin als sogenanntes Kirchenweib auf. Diese Frau wacht einerseits darüber, dass die diversen Rituale in der bulgarischen Kleinstadt eingehalten werden, andererseits streut sie Gerüchte und liefert den Nullparameter für Nachrichten.

René Sydow, Der Reiher

h.schoenauer - 01.03.2013

Oft ist die Situation, in der man eine Todesnachricht erhält, beeindruckender, als die Todesnachricht selbst, vor allem, wenn man den Verstorbenen erst in der eigenen Biographie aufstöbern muss.

In René Sydows Roman „Der Reiher“ geht es um das Abrunden eines Lebens, um den Frieden mit den Verstorbenen, Überlebenden und sich selbst. Zu diesem Zweck macht der vierundsiebzigjährige Richard eine Reise zu sich selbst durch.

Peter Landerl, Die eine Art zu sein

h.schoenauer - 25.02.2013

„Der Österreicher wartet darauf, vom Denken befreit und erlöst zu werden, die Arbeit tut er gerne und gewissenhaft, aber denken will er nicht.“ (182)

Was hier im Stile Thomas Bernhards über die Österreicher philosophiert wird, stammt aus den Notizen eines Aussteigers, der durch eine Erbschaft aufs Land in die Nähe von Thomas Bernhard gespült wird. Peter Landerl stellt in seinem Roman nämlich den Helden schnörkellos einsam, österreichisch und belesen dar.