melanie hollaus, bocksiedlungDer Ruf einer Gegend ist immer stark Kapital-abhängig. Solange die Stadt einen Stadtteil sich selbst überlässt, tut sie alles, um die Gegend schlecht zu reden, damit niemand dort Investitionen verlangt. Sobald man ein Geschäft mit der Entlegenheit wittert, redet man den Stadtteil schön und schreit insgesamt nach Olympischen Spielen. Generell lässt sich sagen, eine Gegend ist umso mieser, je weniger Politiker dort wohnen, um das Elend zu sehen.

Melanie Hollaus und Heidi Schleich gehen ähnlichen Phänomenen nach, wenn sie sich um die legendäre Bocksiedlung im Osten Innsbrucks Erinnerungs-technisch kümmern. Da in Innsbruck seit Menschengedenken Wohnungsnot herrscht, lassen sich in den 1930er Jahren auf freiem Feld ein paar Familien nieder, woraus dann die Bocksiedlung entsteht, die um 1970 geschleift wird.

raphaela edelbauer, entdeckerIm Idealfall gleicht ein Buch dem ersten Lesebuch, das einem damals die Welt erschlossen hat. Man wird als Leser jung, neugierig, zukunftsfroh und vollends optimistisch, dass da etwas drinnen steht, was man sofort und für alle Zeit gebrauchen kann.

Raphaela Edelbauer nennt dieses Abenteuerbuch schlicht „Entdecker“, und da es um Dinge wie Phantasie, Sprache, Wissenschaft und Erkenntnis geht, nennt sich das Ganze eine Poetik. In diesem Lehrbuch über die entdeckerische Dichtkunst spielen Mineralien, Mikroorganismen, die Schwerkraft und ihre Kartographie die Hauptrolle.

Hans K. Stöckl, Es ist alles ganz einfachEndlich hat ein Autor in einem klaren Satz zum Ausdruck gebracht, was einen ehemaligen Bundeskanzler wegen der Komplexität der Dinge in den schieren Wahnsinn getrieben hat.

Der Karikaturist und Satiriker Hans K. Stöckl bringt sein Erklärungsmodell der Welt auf die Kurzformel: Es ist alles ganz vielfach.

Elias Schneitter, Zirl. HeimatAls die heikelste Form, etwas zu erzählen, gilt jene, es über das Heimat-Buch zu betreiben. In seinem Heimatort nämlich ist jeder ein großer Erzähler, aber es gibt kaum Zuhörer. So löst ein Heimat-Buch immer große Diskussionen aus, ob auch alle Geschichten drin sind, ob sie richtig erzählt sind, ob die Namen richtig gedruckt sind und vor allem, ob auch niemand vergessen worden ist.

Der Schriftsteller Elias Schneitter löst diese Probleme elegant, indem er das Heimatbuch zergliedert. Teil eins, zwei und drei sind schon erschienen, der aktuelle Band lässt sich nur lesen, wenn man zuvor die drei früheren Herausgeber Norbert Prantl, Benjamin Flöß und Anton Schnaiter mit ihren Werken gewürdigt hat.

Christoph Hölzl, Architekturführer InnsbruckWas das Familienalbum für die Angehörigen ist, ist der Architekturführer für die Stadtbewohner. Hier können die Zeitgenossen jeweils nachschauen, wie die Geliebten und Geschätzten beisammen sind. Denn Gebäude sind nicht nur die dritte Haut des Menschen, sondern auch ein Gegenüber, mit dem man diskutiert, indem man es betritt.

Ein Team des Archivs für Baukunst an der Universität Innsbruck hat ein Nachschlage-Bilderbuch über Innsbruck herausgebracht, in welchem knapp dreihundert Gebäude, deren Architekten, Auftraggeber und Benutzer aufgeschlüsselt sind. In der Gebrauchsarchitektur geht es um Bauten der Gegenwart, Gebäude, die es in den Überlebenskanon geschafft haben, gehen naturgemäß Jahrhunderte zurück.

sabine weiss, maximilian 1.„Am 12. Januar 2019 jährt sich zum 500. Mal der Todestag Kaiser Maximilians I. Wer war dieser Herrscher? Ist es gerechtfertigt, seiner noch nach einem halben Jahrtausend zu gedenken? Ja, denn Maximilian war eine faszinierende Persönlichkeit: stets voller Ideen und Pläne, mit ritterliche Idealen, ein arbeitsamer Herrscher, schriftstellerisch tätig, ein Liebhaber der Musik, der Frauen und der Natur, mutig bis zur Waghalsigkeit, aber auch kriegslüstern, ehr- und ruhmsüchtig.“ (7)

In fünfzehn Kapiteln skizziert Sabine Weiss anhand umfangreichen Quellen- und Bildmaterials das Leben und Handeln eines großen Herrschers, der an der Wende des Mittelalters zur Neuzeit die Geschichte Europas maßgeblich mitbestimmte. Von seiner Kindheit über seine Heirat, seinem Aufstieg zum Römischen König und schließlich Kaiser bis zu seinem Tod werden die vielseitigen Interessen und Talente des Kaisers ebenso aufgezeigt, wie seine enge Beziehung zum Land Tirol.

zeichnen wie die profis„Jeder kann zeichnen und Kategorien wie richtig und falsch gelten hier nicht. Kinder stehen sich nicht mit Zweifeln selbst im Weg. Aber auch Erwachsene können mit derselben Freude zeichnen, wenn sie wissen, wie sie ihre künstlerischen Fähigkeiten verbessern können.“ (S. 10)

Grundlage jeden Bildes ist die Zeichnung, für die man lediglich einen Stift und Papier benötigt. Zeichnungen sind die älteste Form des künstlerischen Ausdrucks, der in die Steinzeit zurückreicht. Seit dieser Zeit hat die Form der Zeichnungen immer wieder geändert, mal war sie mehr realistisch, dann wieder expressiv oder abstrakt. Die Grundlagen des Zeichnens, worauf zu achten ist und wie die verschiedenen Zeichenmaterialien verwendet werden, zeigt dieses Buch.

andreas gottlieb hempel, weinbauDie beiden wichtigsten Kulturtätigkeiten Südtirols sind nach allgemeiner Lesart die Kultivierung von Wein und das Bauen in der Landschaft.

Andreas Gottlieb Hempel zieht diese beiden Kulturwörter zu dem griffigen WeinBau zusammen, das tatsächlich den Bildband zu einem idealen Einstieg in die Welt Südtirols macht. Die Einteilung des Themas ist vino-geographisch logisch: Vinschgau, Meraner Land, Etschtal / Bozen und Überetsch / Unterland / Eisacktal.

Titelbild: Bozen - Ein Denkmal, eine Stadt, zwei DiktaturenDas Siegesdenkmal steht zwar in Bozen, beschäftigt aber wie jedes gute Denkmal das ganze Land, in diesem Falle ganz Tirol. Das Siegesdenkmal ist wie jedes gute Denkmal ständig vom Abriss bedroht und bringt dadurch ständig einen Diskurs auf die Beine. Abermals ein Beweis, dass es ein gutes Denkmal ist. Das Siegesdenkmal ist zur Zeit Anlass und Ort für eine denkwürdige Ausstellung, in der Macht, Herrschaft, Kultur, Baugeschichte und Gebrauch von Geschichte denkwürdig zum Ausdruck gebracht sind.

Das Denkmal wird zwischen 1926 und 1928 nach einem Entwurf des bedeutenden italienischen Architekten Marcello Piacentini errichtet. Benito Mussolini widmet es dem „italienischen Sieg“, und Inschriften von Barbaren, denen man Sprache und Schrift bringen muss, zeugen davon, dass hier auf freier Wiese zwischen Bozen und Gries jetzt ein anderer Wind weht. Das Denkmal darf auch nicht für sich alleine stehend analysiert werden, man muss sich immer den ganzen Stadtteil hinzu denken, wie ja auch der Architekt das Denkmal nur als Eintrittskarte für seine Bautätigkeit im ganzen Viertel gesehen hat.

Paul Jaeg, GlutDruck. Texte der Gruppe SinnenbrandWenn ein Projekt GlutDruck heißt, hört man es zischen und brodeln, da hat man noch nichts gesehen. Und dann dreht man das Buch und am hinteren Cover sieht man vier Künstler springen, musizieren, performen und diskutieren.

Die Gruppe Sinnenbrand setzt sich aus Peter Assmann (Linz), Ferdinand Götz (Bad Ischl), Paul Jaeg (Gosau) und Richard Wall (Engerwitzdorf) zusammen. Ihr Konzept besteht aus dem Verschmelzen von diversen Kunstgattungen zu einem Glutvulkan, der an bemerkenswerten Orten ausbricht.