Roald Dahl, Matilda
„Mathildas Bruder Michael war ein völlig durchschnittlicher Junge, aber seine Schwester ließ einem, wie ich schon sagte, die Kinnlade runterfallen. Im Alter von eineinhalb konnte sie perfekt sprechen und kannte bereits so viele Wörter wie die meisten Erwachsenen. Anstatt zu applaudieren, nannten ihre Eltern sie eine lärmende Plappertasche und gaben ihr scharf zu verstehen, dass man kleine Mädchen sehen, aber nicht hören wollte.“ (S. 11)
Während Kinder für gewöhnlich von ihren Eltern mit besonderem Wohlwollen und als die liebsten, klügsten und hübschesten Kinder betrachtet werden, schlagen Matildas Eltern ganz aus der Reihe. Für sie ist ihre Tochter kaum mehr als ein „Krüstchen Wundschorf“ und so kümmert es sie auch überhaupt nicht, dass es sich bei Matilda um ein ganz außergewöhnliches Kind handelt, mit einem außerordentlichen Verstand und einem besonders einfühlsamen Gemüt.
„»Ich saß allein draußen, als der mächtige Ase plötzlich dastand. Uralt und grau, mit seinem langen Bart und Umhang. Er sah mich mit seinem einen Auge an und sagte mir, ich solle in die Zukunft schauen.« Sie knetete ihre Hände so fest, dass es wehtat. »Jetzt wünschte ich, ich hätte es nicht getan.« »Was hast du gesehen?«, fragte Od vorsichtig. […] »Ich sage es dir und du lässt es aufschreiben. Jemand wird meine Prophezeiung in tausend Jahren lesen. Das ist meine Botschaft an den Raben.« (S. 11)
„Klopf-klopf. Klopf-klopf-klopf. Das Klopfen kam von der Dachbodentür, der Tür zu Dachs‘ neuem Steinezimmer. Es war Stinktier, sein Mitbewohner. Dachs würde ihn ignorieren. Der geht schon wieder, dachte er. Wichtige Steinforschung – konzentrier dich, konzentrier dich, konzentrier dich.“ (S. 7)
„Zum ersten Mal seit damals stand ich am Bahnsteig des Gare de Lyon Perrache. Nun jedoch ohne Mama und Papa, denn meine Eltern fanden, dass eine Sechzehnjährige das Recht hatte, die Welt allein zu erkunden. Sie stellten sich das wie in Büchern oder Filmen vor, in denen Jugendliche die verrücktesten Abenteuer erleben und darüber erwachsen werden.“ (S. 14)
„Gestatten, mein Name ist Murr. Ich bin ein Kater. Ein Kater, der gerne draußen lebte. Denn im Sommer war es herrlich gewesen, die Tage in Gärten und Parks zu verbringen und nachts Mäuse zu fangen oder Essen zu beschaffen. Doch dann kam der Herbst. Und mit ihm der Regen. Aber Katzen sind nun mal nicht für Regen gemacht, das weiß jedes Kind. Ich musste also unbedingt ein neues Zuhause finden.“ (S. 5)
Ich war im Schlösserknacken, Mauernerklettern, Stürzeabfangen, Lügenspinnen, Stimmenwerfen, Fallenbauen und Fallenfinden ausgebildet worden und war außerdem ein passabler Bogenschütze, Fiedler und Messerkämpfer. Und ich beherrschte ein paar Dutzend Tricks – kleine, aber nützliche Zauber. Nur leider schuldete ich der Nehmergilde so viel Geld für meine Ausbildung, dass ich jetzt mit diesen fetten Mistkerlen im Waisenwald herumlungerte, in der Hoffnung, jemanden auf die gute alte Art ausrauben zu können.
„Etzel erzählte den drei Männern, was er erlebt hatte. Vom Wald und dem Überfall, von den Räubern, dem Flammenzauber, der Flucht und ihrem knappen Entkommen. Als er geendet hatte, sagte Herzog Helm: »Ruh dich aus. Und bringe Gram die Heilkräuter.« Etzel sah zu den Damen, die wieder stickten. Dann reichte er dem Herzog die Botentasche und verließ den Rittersaal und den Saalbau.“ (S. 16)
„Grizzlybären sind wild. Sie kennen keine Angst, sind nie traurig und brüllen ganz furchtbar gerne. Nicht vor Wut oder vor Schmerz oder vor Freude. Nur vor Wildheit. Aber manchmal funktioniert das nicht so gut. Zum Beispiel, wenn man Blumen riecht und eine Biene kommt und direkt in die schwarze Bärennase sticht.“ (S. 5)
„Wir sehen sie kaum in der Dunkelheit, sie sind Schatten zwischen dem Flackern der Fackeln. Aber wir hören sie. Ein kühler Wind trägt ihre Stimmen und ihr Lachen bis zu unserem Versteck. Sie denken nicht daran, sich schlafen zu legen. Die dritte Nacht, der dritte Versuch. Wahrscheinlich der dritte Fehlschlag.“ (S. 7)
„Kommissarin Buffy hatte einen Freund, der Gordon hieß, eine alte Kröte. Früher war er Polizeichef gewesen, aber jetzt war er in Rente. Gordon wohnte noch immer in der Polizeistation – so konnte er helfen, wenn es nötig war. Aber in letzter Zeit lag er meistens im Bett und las Bücher.“ (S. 12)