Cameron Spires, Na dann, gute Nacht!
„Das ist ein Buch. Du kannst es noch nicht lesen. Halt dich einfach an die Bilder. Der Text ist für deine Eltern. Die sollen auch mal wieder was zu lachen haben“ Diese etwas überraschende Einleitung in ein Bilderbuch für die Allerkleinsten gibt bereits die Richtung des Buches vor: Die fröhlichen bunten Bilder sind zum Betrachten für die Kinder, während die sarkastischen Begleittexte dem Aufmuntern überforderter Eltern dienen, die es im Grunde nicht erwarten können, bis ihr Kind endlich schläft.
Dass die Abende und Nächte mit Kleinkindern nicht immer leicht sind, haben wohl schon alle Eltern erfahren müssen, denen im ersten Lebensjahr ihres Kindes der Schlafmangel ins Gesicht geschrieben steht. All diesen Kindern und Eltern hat Cameron Spires sein fröhliches Kinderbuch gewidmet, das sich, für Kinder unbemerkt mit seinen spitzen Texten an die Eltern richtet.
„»Cosimo, wo sind wir?« »Wir sitzen in einem miefigen Pappkarton auf einer Reise ins Ungewisse.« »Haha, sehr witzig.« »He, Claus! Was machst du?!« »Nichts … Uh, dieses Schaukeln ist ja nicht auszuhalten. Gleich kommt mein Frühstück hoch …« »UNTERSTEH DICH!«“ (S. 7)
„Es war bitter-brrrr-kalt. Neben dem Bauernhof wuchsen schneeweiße Berge in den Himmel und kitzelten die winterlichen Wolken. Es gab Felder und Wälder und … WUUUSCHHHH! Was war das denn? Na, das war natürlich Metti Meerschwein. Schneeballschnell flitzte Metti aus dem Hasenstall. Dann machte sie einen Purzelbaum.“
„Dieses Buch erzählt wahre Geschichten über Wölfe – zum Beispiel über Szelina, Luna, Kampinos, Jung oder Miko. Erzählt werden sie von Michal Figura, der seit 20 Jahren Wölfe und Luchse aufspürt und zu ihnen forscht. Die Wolfsfamilien von Grapa und Halna, von denen ihr hier lesen werdet, leben gleich hinter seinem Haus. Wir haben versucht, seine Geschichten so getreu wie möglich wiederzugeben.“ (S. 4)
„Als der Wassermann eines Tages nach Hause kam, sagte die Wassermannfrau zu ihm: »Heute musst du ganz leise sein. Wir haben nämlich einen kleinen Jungen bekommen.« »Was du nicht sagst!«, rief der Wassermann voller Freude. »Einen richtigen Jungen?« »Ja, einen richtigen kleinen Wassermann«, sagte die Frau.“ (S. 9 f)
Das bewährte Sprichwort vom Köder, der dem Fisch schmecken muss, heißt auf das Kinderbuch angewendet, dass dieses der Oma schmecken muss, wenn sie dem Enkelkind daraus vorlesen will. Für das Jugendbuch heißt der verdeckte Köder „Pädagogik“. Ein Buch muss in Thematik, Triggerwarnung und Geschlechtsneutralität vor allem der grünen Pädagogik gefallen, ehe es im gegenwärtigen Literaturbetrieb gedruckt werden und auf eine Empfehlungsliste gelangen kann.
„In der Nacht, als die Füchse ihren Vater raubten, konnte Willow nicht schlafen. Sie hatte stundenlang im Dunkeln gelegen und dem Wind gelauscht, der in den Dächern sang. Dielen knarrten, als Dad im Haus umherging. Auch er fand keinen Schlaf. Irgendwann nach Mitternacht hörte sie, wie die Hintertür aufging.“ (S. 6)
„Momo ist ein seltsames kleines Mammut. Solange Dickhäuter zurückdenken können, hat man so etwas noch nicht gesehen. Wie alle Mammuts haben Momos Eltern überall wolliges Fell, sogar zwischen ihren dicken, breiten Zehen. Und Momo? Der nicht! Seine Haut ist so glatt wie der Rücken eines Pottwals!!!“
„Alle Meere der Welt sind miteinander verbunden und bilden ein riesiges, den Planeten umspannendes Weltmeer. Die größten Meere bezeichnet man als Ozeane. In wie viele Ozeane die Menschen das Weltmeer unterteilen, hat sich jedoch im Laufe der Jahrhunderte und je nach Kultur oft geändert. Heutzutage ist die am weitesten verbreitete Einteilung die in fünf Ozeane: den Atlantischen, den Pazifischen, den Indischen, den Arktischen und den Südlichen Ozean.“ (S. 8)
„So ein Haus ist zwar aus Steinen und steht sonst im Allgemeinen ziemlich leblos und auch stumm in der Gegend dumm herum. Doch dieses Haus, das wird gleich klar ist ein besondres Exemplar. Nur schade, dass man dann und wann nicht durch die Mauern sehen kann. Drum haben wir hier mit Bedacht die Mauern einfach weggemacht.“