Friedrich Hahn, Niemand wird es je erfahren
Als Prüfungsfrage gestellt ist die Novelle diese berühmte „unerhörte Begebenheit“, von der in der Germanistik seit 150 Jahren gesprochen wird. Im Alltagsleben eines Lesers ist die Novelle eine aufwühlende Angelegenheit in einem beschaulichen Leben. Dabei kann dieses beschauliche Leben sich über Autor, Leser oder Helden legen.
Friedrich Hahn lässt in seiner geheimnisvollen Novelle „Niemand wird es je erfahren“ einen Pensionisten auftreten, der die Talsohle des Lebens erreicht hat. Stefan ist nach ein paar Jahren Frührente jetzt echter Rentner, seine Frau ist gestorben, seine Hauptbeschäftigung ist es, gelangweilt zu sein. Dabei betrachtet er seine Bücher und DVD-Sammlung, alles Mögliche könnte er anstellen, um sich vom Nichtstun abzulenken, aber schließlich rappelt er sich mühsam auf, um auf den Naschmarkt zu gehen. Den Erstbesten, den er trifft, wird er vielleicht ansprechen, aber was dann.
Tokyo Fragmente sind wahrscheinlich genauso schützenswerte Originale wie Lebensmittel, Weine oder Käse, die ihre Ursprungsbezeichnungen als Markenzeichen geschützt haben. Tokyo Fragmente könnte man in einer Schutzurkunde vielleicht als Notate bezeichnen, die ein Sprachforscher während seines Aufenthaltes im Großraum Tokyo niederlegt.
Manche Dinge sind gesellschaftlich so ungeklärt, dass man als Schriftsteller nicht einmal abschätzen kann, welche Gattung man dafür verwenden sollte.
Die Welt schrumpft in kleinen Städten an der Peripherie zu einer Trommel, auf der sich trefflich ein Polizist aufstellen lässt, der den Weltverkehr regelt.
„Tirol ist ein mehr oder weniger gelungener Bluff, der die Leute über den Tisch zieht, sobald jemand das Land betreten hat. Es gibt in Tirol nichts, was Sie nicht zu Hause in besserer Qualität haben könnten.“ (S. 5)
Die Himmelsstiege kann durchaus auch als Paradoxon gelesen werden: Während jemand philosophisch den Weg der Befreiung erklimmt, macht er die Hölle der Schwerkraft und anderer körperlicher Handicaps mit.
Die wahren Monster humpeln nicht als wuchtige Gestalten über die Leinwand, sondern als amorphe Schreckgespinste durch die Seele.
Soll ich heute überhaupt was erleben? - Diese Frage der Spätromantik gilt heute als schwer überholt, besteht der Sinn des Lebens doch darin, möglichst viel zu erleben. Im Alter freilich kommt immer öfter die Frage auf, was tue ich mit dem Erlebten?
Zu einem funktionierenden Programm gehört auch immer eine pragmatische Einschätzung, was möglich ist und was nicht. Dabei kann es sich um ein Ausbildungsprogramm, Lebensprogramm oder Sommerprogramm handeln, wichtig ist stets die Frage, was geht sich noch aus und was nicht.
Im Entertainment gelten Gespräche in einer künstlichen Küche als nette dramaturgische Konstellation, wo fallweise über Zwiebel und Kartoffel geredet werden kann, wenn das Gespräch zu sehr in die Tiefe eines Themas abdriften sollte.