Gerhard Jaschke, Gemischte Freuden
Ab wann wird der Nagel, an dem das Bild hängt, selbst zum Bild? Wie stark muss ein Satz sein, dass er einen Absatz tragen kann? Wie fett darf eine Headline ausfallen, dass sie den darunterliegenden Text gerade noch nicht erschlägt?
Gerhard Jaschkes Sprachradar hat die Fähigkeit zur Rundumsicht und zum Rundumschlag. Seine 360-Grad-Version von der Welt zeigt immer das Allgemeine in einem Mikrokosmos. Umgekehrt kann sich in der Mickrigkeit eines Satzes ein ganzes Sozio-Universum auftun.
In der Literatur geht niemand verloren! Damit dieses schöne Sprichwort auch in Gültigkeit bleibt, müssen Bücher immer wieder vor dem Vergessen gerettet werden. Der Haymon-Verlag wirkt mit seinen Werkausgaben als mustergültiger Retter abdriftender Literatur.
Die Melancholie ist gleich alt wie die Pädagogik, folglich geraten Pädagogen in zunehmendem Alter in die Melancholie.
Im Zentrum von Innsbruck ist eine Uhr aufgestellt, die ununterbrochen eine belanglose Ziffernfolge laufen hat. Meist sind es Ankünfte eines Rodlers oder Schispringers, welche heruntergezählt werden, momentan läuft die Uhr gegen die Rad-WM. Warum kann diese dumme Uhr nicht einmal etwas Sinnvolles herunterzählen, etwa, dass am 21. Juni 2018 Georg Stefan Troller nach Innsbruck kommt und in der Studia liest?
Die höchste Roman-Kunst besteht darin, sein eigenes Leben so aufzuschreiben, dass man meint, es sei eine allgemeingültige Geschichte der Menschheit.
Manchmal ist eine Seele so verletzt und aufgewühlt, dass sie nicht einmal mehr mit einem Roman über die Runden kommt, in so einem Fall hilft nur spitze Prosa.
In der Literatur sind alle Zeiten gleichzeitig vorhanden, wenn wir uns auf den Weg machen, eine Erinnerung, eine Stadt oder eine Freundschaft abzurufen.
Wer muss da nicht zugreifen: ein Buch mit Lesebändchen, saftig-erotischem Stich im Umschlaginneren und draußen am Pergament-goldenen Cover die herausquellenden Worte „Versuch über die Hurerei“!
In fast allen Genres sind Brüder-Paare ein ideales Experimentier-Feld, um zu untersuchen, was genetisch, soziologisch und psychologisch ablaufen muss, dass sich der eine in diese und der andere in jene Richtung entwickelt.
Obwohl es im Deutschen kaum originäre Vertreter des New Journalism gibt, verlangt die Gier des Publikums ungebrochen nach guten Reportagen, die das Herz aufrütteln, weil sie immer miterzählen, wie es zu dieser Reportage gekommen ist.