Erzählung

Josef Wallinger, Kindheit in Pradl

h.schoenauer - 22.05.2019

josef wallinger, kindheit in pradlDie affirmative Geschichtsschreibung versammelt die Menschen in ihrem biographischen Herbst und lässt sie schöne Geschichten aus der Kindheit erzählen. Dadurch wird die Vergangenheit erst einmal in eigene Worte gefasst und später zu einem Narrativ, das dem gesamten Leben einen Sinn gibt.

Josef Wallinger starte die Serie der Erinnerungen an Innsbruck mit seiner „Kindheit in Pradl“. Pradl ist dabei der Stadtteil östlich der Sill, der beinahe überall noch von Feldern umgeben ist. Der Autor empfindet seine Kindheits-Wohnung als Mittelpunkt der damaligen Welt, darum herum ist der Stadtteil Pradl aufgebaut. Das Volksschulkind schwebt ein paar hundert Meter die Hauptstraße der Pradler Straße entlang zur Volksschule, später erkundet das Kind die Umgebung, ehe es als Jugendlicher den Stadtteil auswendig gelernt und erobert hat.

Ron Kolm (Hg.): The Unbearables

h.schoenauer - 01.05.2019

ron kolm the unbearablesWie bei einer Band tritt das künstlerische Individuum zurück und verneigt sich vor dem Band-Namen: The Unbearables.

Die Unausstehlichen sind ein loser Zusammenschluss von New Yorker Avantgardekünstlern, die den Blick weit vorausgerichtet, das Auge tief eingedrückt und das Gehör in den Boden versenkt haben. So erinnern die Unbearables an verschiedene urbanisierte Tierarten, die den Lebenskampf zelebrieren und zu erstaunlicher Höhe emporschrauben.

Franz Schuh, Fortuna

h.schoenauer - 29.04.2019

Franz schuh, fortunaOft hilft ein Piktogramm, damit man sich etwas Abstraktes vorstellen kann. Im Falle der Fortuna steht eine Frau mit dem Rücken zum Zuschauer an einer laternenpfahlähnlichen blauen Säule und ist mit dem rechten Träger des Badeanzugs an einen Strich aus Sommer angekettet.

Franz Schuh erzählt ähnlich wie das Cover auf seinem „Magazin des Glücks“, überschaubar, reduziert, weiträumig und logisch. Man liest die längste Zeit und merkt gar nicht, dass man schweres philosophisches Gelände bewältigt hat. Seine Gedankengänge führt er oft als Unterflurtrasse durch seine eigene Textlandschaft, die beschwingt wie ein Erlebnisroman über den Fährnissen des Erzählers angelegt sind.

Kurt Leutgeb, u.a. (Hg.), Gegen den Ball

h.schoenauer - 15.04.2019

gegen den ballEin guter Roman ist wie ein Fußballspiel, Figuren rennen mehr oder weniger koordiniert einem Thema nach, Gedankengänge werden abgeblockt, plötzlich tun sich Alternativen auf, und zwischendurch gibt es starke Emotionen, wenn sich jemand verletzt hat oder gar sein Ziel erreicht, indem er das berühmte Goal macht.

Längst gilt Fußball als Kultureinrichtung wie die Oper oder das Literaturhaus, auf die Spitze getrieben wird dieser Respekt vor dem Fußball, wenn sogenannte Nationalmannschaften aus Dichtern im Rahmen eines Kulturfußballfestes gegen einander antreten mit der Absicht, niemanden außer den Ball zu treffen.

Susanne Gurschler, 111 Orte in Tirol, die man gesehen haben muss

andreas.markt-huter - 10.04.2019

susanne gurschler, 111 orte in tirol„Die Tischofer Höhle im Kaisertal ist ein mystischer Ort. Rund 40 Meter in den Felsen geht sie hinein, am Eingang ist sie rund 20 Meter breit und 8 Meter hoch. Beeindruckend ist nicht nur ihre Größe, sondern auch ihre Geschichte.“ (S. 20)

111 besondere Orte in den verschiedensten Gemeinden Tirols von Galtür im Westen bis Fieberbrunn im Osten, von Obergurgl im Süden bis Erl im Norden werden in dem kleinen aber feinen Reiseführer durch das Alpenland mit viel Sympathie und Liebe für die unscheinbaren und verborgenen Dinge vorgestellt.

Maarten Inghels / F. Starik, Das Einsame Begräbnis

h.schoenauer - 03.04.2019

inghels und Starik, das einsame begräbnisWo das Reden aufhört beginnt die Literatur. Deshalb ist der Friedhof die ideale Streusiedlung für Dichtung.

Was ursprünglich als soziales Projekt begonnen hat, ist in den letzten fünfzehn Jahren eine eigene Kulturform geworden. In der Anonymität großer Städte sterben immer wieder Menschen ohne Angehörige und Bekannte. Oft bleiben sie in einer Wohnung über und werden erst nach einiger Zeit tot entdeckt, oft haben sie sich auch wie Elefanten zum Sterben an den Rand der Gesellschaft zurückgezogen, oft erwischt sie auch der Tod aus heiterem Himmel und der Spontantod sprengt alle Zeremonien.

Szilárd Borbély, Kafkas Sohn

h.schoenauer - 01.04.2019

szilard borbely, kafkas sohnKafka ist wahrscheinlich der einzige –ismus ohne –ismus. Wer Kafka sagt, meint neben der Biographie auch einen Mythos, eine Religion, eine Schreibhaltung und lebenslängliche Auseinandersetzung mit sich selbst.

Im Nachlass des ungarischen Schriftstellers Szilárd Borbély findet sich das fast fertige Manuskript „Kafkas Sohn“, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Diese lockere Prosa räkelt sich an der Figur „Kafka“ hoch, die explizit inszeniert ist. „Wir sehen Kafka als…“ lautet die Eingangsformel für Geschichten, die ihn im Bademantel zeigen, beim Schreiben, unter Blinden oder einfach an einem trüben Tag.

Ada Zapperi Zucker / Lorella Rotondi, Von Sizilien in die Toskana

h.schoenauer - 27.03.2019

ada zapperi zucker, von sizilien in die toskana.jpgFür einen in einer anderen Sprache und in einem anderen Land sitzenden Menschen sind Sizilien und die Toskana etwa gleich weit entfernte Sehnsuchtslandschaften, für die Autorinnen sind diese Gefilde Heimaten, die einen jeweils unverwechselbaren Lebenslauf ermöglichen.

Ada Zapperi Zucker und Lorella Rotondi verschränken in diesem Erzählband jeweils drei Erzählungen zu einem plastischen Erinnerungsland, aus dem zwischendurch wie die Füße einer Kommode Sizilien und die Toskana herausragen. Dabei entsteht durch den Erzählfaden, welcher über die Generationen hinausführt, eine heftige Glaubwürdigkeit, weil sich die erzählte Welt der Heldinnen mit der erfahrenen Welt der Autorinnen überlagert.

Susanne Gurschler, 111 Orte in Innsbruck, die man gesehen haben muss

andreas.markt-huter - 25.03.2019

susanne gurschler, 111 orte in innsbruck„Ich hoffe, dieses Buch inspiriert und motiviert Sie, mit wachem Blick durch die Straße und Gassen zu flanieren, offen zu sein für die versteckten Besonderheiten und Schönheiten Innsbrucks – bemerkenswert sind sie allemal!“ (Vorwort, S. 3)

Von den 111 Orten in Innsbruck findet sich ein Großteil im Zentrum der Stadt rund um den alten Stadtkern aber auch die umliegenden Regionen, vom Flughafen bis Igls oder Arzl bieten zahlreiche Besonderheiten, die im Buch ausführlich zur Sprache kommen.

Paolo Rumiz, Der Leuchtturm

h.schoenauer - 20.03.2019

paolo rumiz, der leuchtturmIn der Literatur gilt der Leuchtturm als der Höhepunkt der Schreibkultur. Einerseits ist so ein entlegener Turm der beste Ort zum Schreiben, andererseits nimmt die Schrift das Licht der Lampe auf und leuchtet anschließend quer über die Regale der Neuerscheinungen. Gute Literatur hat Leuchtturmfunktion, heißt es dabei etwas geschwollen formuliert.

Paolo Rumiz ist Reisejournalist im erweiterten Sinn, mal tritt er dabei als Kriegsberichterstatter auf, dann als Sozialreporter und zwischendurch als philosophierender Literat. Die Grenzen sind fließend, wie sich überhaupt ein kluger Gedankenfluss nie einschränken lässt.