Fantasy | Science Fiction

Bernhard Hüttenegger, Rockall

h.schoenauer - 09.11.2022

bernhard hüttenegger, rockallWas für ein entlegener Ort. Rockall ist ein Felsen im Nord-Atlantik, der mit knapp achthundert Quadratmetern vielleicht so groß ist wie ein passables Penthouse. Freilich präsentiert sich der Felsen als so steil, dass man als Mensch darauf kaum richtig stehen oder im Biwak liegen kann.

Bernhard Hüttenegger nimmt diesen realen Felsen, der vor allem bei Survival-Wettbewerben Furore gemacht hat, um darauf eine Parabel vom Verlöschen des Lebens abzusetzen.

Nadja Niemeyer, Gegenangriff

h.schoenauer - 28.09.2022

nadja niemayer, gegenangriffWarum lassen sich die Tiere eigentlich ausrotten und abschlachten, warum tun sie nichts dagegen? – Weil sie nicht intelligent sind! Nadja Niemeyer beendet diese unintelligente Behauptung mit einem „Gegenangriff“.

In ihrem dystopischen Roman, den sie Pamphlet nennt, werden die Tiere plötzlich intelligent und rotten die Menschen aus. Das Thema ist so brisant, dass Nadja Niemeyer sich als Pseudonym schützt, Interviews verweigert und keine Talkshows zu dieser Debatte betritt.

Josef von Neupauer, Österreich im Jahre 2020

h.schoenauer - 17.11.2021

josef von neupauer, österreich im jahre 2020Utopien und Dystopien müssen den Leser mit zwei Brechstangen öffnen und bearbeiten, einmal ist es eine utopische Botschaft in Romanform, zum anderen das Aushebeln der Zeit.

Ein Buch kann noch so in der Zukunft spielen, es wird den Makel im Impressum nicht los, dass es zu einem bestimmten Jahr an einem bestimmten Ort gedruckt worden ist. Diese irdische Verankerung gilt auch für digitale Files in der Cloud.

Die Kunst dieser Romanform wird in den 1890ern vor allem in Amerika dazu genutzt, um politische Thesen und Zukunftsentwürfe zu diskutieren. Diese utopischen Thesenromane beschäftigen sich oft mit dem Thema Kommunismus, als Weiterentwicklung der Demokratie. Ein Höhepunkt dieser Gattung ist später Orwells 1984. In Europa werden diese Romane um die „Kommunisten-Angst“ diskutiert, um daraus eine Fortführung der Monarchien abzuleiten.

Marlen Haushofer, Der gute Bruder Ulrich

h.schoenauer - 05.05.2021

marlen haushofer, der gute bruder ulrichWer einmal ein Jahrhundertbuch geschrieben hat, kann auch seine übrigen Texte nicht mehr im Schatten halten. Zwar fallen diese Texte dem Gesetz der Erinnerungsschwerkraft gehorchend ins bodenlose Vergessen, sie werden aber von Nachlasspflegern und angehenden Archivaren immer wieder hervorgeholt, gedreht und gewendet und frisch für den literarischen Verzehr paniert.

Marlen Haushofer, die Bestsellerautorin der „Wand“ (1963), hat quasi als Fingerübung drei kleine Märchen geschrieben, die sie vermutlich bei den schon damals unumgänglichen Schul-Lesungen herauskramen konnte. Freilich sind die Märchen erst drei Jahre nach dem Tod der Autorin für einen Gastauftritt in der pädagogischen Leuchtschrift „Die goldene Leiter“ erschienen. In dieser Heftserie sollte zum Unterschied von den berüchtigten Schundheften wertvolle Literatur erscheinen.

Zsuzsa Selyem, Regen in Moskau

h.schoenauer - 15.02.2021

zsuzsa seleym, regen in moskauWenn einem eine Geschichte schon Haltegriffe in Gestalt von Ortsnamen und Zeitangaben in den Beipackzettel steckt, dann sollte man diese Angaben nicht ignorieren. Diese äußeren Angaben sind kleine Guckfenster, um dadurch ins Innere der Erzählung zu schauen, die unter hohem Druck steht und wie in einem Reaktor mannigfaltige historische Prozesse ablaufen lässt.

Zsuzsa Selyem beschreibt unter dem poetischen Titel „Regen in Moskau“ eine Geschichte von Zwangsmobilität, Glückssuche und Sich-zurechtfinden mit dem Faktischen. Allein schon der Erzählstandpunkt ist irritierend, neben betroffenen Aussiedlern, Wachpersonal und historischen Funktionären ist es das Ungeziefer, das erzählt. Immer wieder berichtet jemand von der Eiablage, und wie er oder sie dann von der Wand herunter sind und diesen oder jenen gestochen haben, um ihm ein wenig Blut abzusaugen.

Mark Z. Danielewski, Das Haus / House of Leaves

andreas.markt-huter - 28.10.2020

mark z. danielewski, das hausKultbücher haben den Vorteil, dass man sie nicht zu lesen braucht. Es genügt meist ein leichtes Nicken und das Thema geht vorbei. Anders ist es hingegen mit Pionierbüchern, diese muss man fast lesen, wenn man die Entwicklung der Literatur verstehen will. Und dann weiß man bei diesen entscheidenden Scharnier-Büchern nie, wie man sie lesen soll, mit der Erfahrung der Vergangenheit oder dem Geist der Zukunft?

Mark Z. Danielewskis „Das Haus“ ist beides, Kult- und Pionierbuch, weshalb man es lesen muss, denn auch hier sticht der Ober (Pionier) den Unter (Kult).

Gernot Werner Gruber, Die unglaubliche Reise des Bruder Luh, früher bekannt als Ötzi

h.schoenauer - 31.07.2020

gernot werner gruber, bruder luhWenn man sogenannte Helden aus ihrer angestammten Zeit nimmt, werden sie oft milde bis lächerlich. Auf jeden Fall aber halten sie der jeweiligen Gegenwart einen trüben Spiegel vors zeitgenössische Antlitz.

Gernot Werner Gruber belebt mit seiner „Reanimo“-Trilogie den Ötzi. Indem er diesen in der Gegenwart auftauchen lässt, entlarvt er auch den aktuellen Ötzi-Kult. So wie man in einen Kult an jeder Stelle einsteigen kann, kann man es auch in der Ötzi-Trilogie. Das Personal nämlich bleibt überschaubar.

Mario Wurmitzer, Im Innern des Klaviers

h.schoenauer - 27.05.2020

mario wurmitzer, im inneren des klaviersWas geschieht, wenn jemand im Märchenton „steckenbleibt“ und die kaputte Welt nur mit märchenhaften Satzformeln zusammenzukleben vermag?

Mario Wurmitzer erzählt einen politischen Thriller als skurriles Märchen. „Im Innern des Klaviers“ zeigt eine Königstochter und einen Lebenskünstler auf der Flucht vor einem repressiven System. Nach außen hin mag das Staats-Klavier vielleicht staatstragende Töne ausspucken, wer im Innern dieses Machtinstruments sitzen muss, ist zum Auswandern genötigt.

Sophie Reyer, Tausendundein Tag

h.schoenauer - 17.02.2020

sophie reyer, tausendundein tagGeschichten sind oft Destillate aus einem gewissen Zeitabschnitt, die Märchen hingegen mischen mit ihrer Zeitlosigkeit die jeweilige Epoche auf. Wenn man nun die Geschichten in die Zeit streut, kann man vielleicht sogar die Zeit verändern.

Sophie Reyer nennt ihre Sammlung ganz nach Märchentradition Tausendundein Tag, dabei verlieren die Erzählungen offensichtlich das Magisch-Erotische der Nacht und durchsetzen das Tagwerk mit einer Überlebensmagie. Der Ausgangspunkt für diese Märchen-Geschichten ist nämlich ein Bunker, in den sich Menschen zum Überleben geflüchtet haben. In diesem Bunker werden aber auch die Geschichten der Überlebenden erzählt, vielleicht werden Teile davon sogar wie aus einem Untergrund-Sender in die Umgebungen gestrahlt.

Sebastian Guhr, Die Verbesserung unserer Träume

h.schoenauer - 06.11.2019

bild sebastian guhr_die verbesserung unserer träumeEin utopischer Roman kann zeitlich und räumlich Lichtjahre entfernt sein, es wird in ihm doch die irdische Gegenwart erzählt, weil Autor und Leser nicht aus ihrer Haut können.

Sebastian Guhr schickt alle auf den lebensfeindlichen Planeten Rheit, wo einst einmal ausgewanderte Menschen eine Siedlung erbaut haben, die allen Widrigkeiten trotzt und Platz für die Träume schafft.