Sagen, Geschichten und Geschichte rund um Kaiser Maximilian I.

Albrecht Dürer, Porträt von maximilian 1.jpgVor 500 Jahren, am 12. Januar 1519 starb Kaiser Maximilian I., mit dem der Aufstieg des Habsburgerreichs zur Weltmacht seinen Anfang nahm. Bis heute gilt er in Österreich und ganz besonders in Tirol als einer der populärsten Kaiser, mit dem die Stadt Innsbruck für eine Zeit in das Zentrum der Weltpolitik gerückt war.

Maximilians Landlibell aus dem Jahr 1511, in dem er gemeinsam mit den Tiroler Landständen den Kriegsdienst zur Verteidigung des Landes schriftlich festgehalten hatte, entfaltete Jahrzehnte nach seinem Tod eine eigene Bedeutung. Er trägt mit den zahlreichen Sagen und Geschichten rund um das Leben des „letzten Ritters“ zu seiner großen Nachwirkung bis in die Gegenwart bei.

Zu allen Lebensabschnitten Kaiser Maximilians I. lassen sich sagenhafte Erzählung finden, wie z.B. die Sage von „St. Maximilian“, in der gezeigt wird, wie der Kaiser zu seinem Namen gekommen ist. Andere Erzählungen schildern die außerordentlichen Fähigkeiten Maximilians schon als Säugling. Besonders beliebt ist in Tirol aber vor allem die Sage von Kaiser Maximilian, wie er sich in seiner Jugend in der Martinswand bei Zirl verstiegen hat und auf wundersame Weise gerettet wird.

In der Sagensammlung der Gebrüder Grimm findet sich ein eigenes Kapitel, das von „Kaiser Maximilian und Maria von Burgund“ erzählt, deren Tod Maximilian tief getroffen hat. Mit Hilfe eines Zauberers erscheint ihm, zu seinem Entsetzen die tote Gemahlin.

In verschiedenen Aphorismen wie z.B. „Die goldenen Eier Kaiser Maximilians“ wird die Weisheit des Kaisers zur Schau gestellt, der auch seinen Schmeichlern, Gegnern und falschen Ratgebern mit treffendem Witz zu begegnen weiß.

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Eine der berühmtesten Sagen über Kaiser Maximilian I. erzählt, wie er
sich in der Martinswand bei Zirl verstiegen haben soll. Auf seinen Aufruf
"Wenn si decht endlich kematen" soll die Namensgebung der Gemeinde
Kematen zurückgehen.  
Foto: Tibs Bilderdatenbank, Anton Prock

 

In der Sage „Kaiser Maximilian I. in Feldkirch“ wird von der engen Verbundenheit der Stadt mit dem Kaiser berichtet, die ihn auf seiner Reise nach Augsburg im Jahr 1510, im Gegensatz zur Stadt Konstanz, freundlich und jubelnd ehrenvoll empfangen habe.

Sehr bekannt ist auch die Geschichte von der „Eroberung von Kufstein“ in der mit Hilfe der riesigen Kanonen „Purlepaus“ und „Weckauf“ der erbitterte Widerstand der Kufsteiner gegen den Kaiser gebrochen wird. Aufgrund er Demütigung Maximilians wird ein Teil der gegnerischen Anführer hingerichtet, während der Rest auf Fürsprache des Herzogs von Braunschweig gerettet werden kann.

Auch über den Tod des Kaiser gibt es sagenhafte Erzählungen. Am 12. Jänner 1519 stirbt Kaiser Maximilian I. in Wels, doch habe er bereits vorher in Innsbruck seinen Sarg aus einer Eiche zimmern lassen, den er auf allen seinen folgenden Reisen mit sich geführt haben soll.

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Ein Relief des Goldenen Dachls zeigt den Kaiser
mit den beiden Ehefrauen Bianca Maria Sforza
aus Mailand
(Mitte) und der schon verstorbenen
Maria von Burgund
(rechts).
Foto: Tibs Bilderdatenbank - Anton Prock

 

Neben den zahlreichen Sagen und Geschichten rund um Maximilian I. gibt es aber auch zwei autobiographische Veröffentlichungen des Kaisers selbst. Das Buch „Weißkunig“, eine Erzählung von den Taten Kaiser Maxmilians I. bleibt unvollendet und erzählt in drei Abschnitte von der Brautwerbung und Kaiserkrönung Kaiser Friederichs III., der Kindheit und Jugend Maximilians und zuletzt von seiner Herrschaft und seinen Kriegstaten.

Das zweite Buch „Theuerdank“ ist ein in Reimpaaren verfasster Versroman, in dem in 118 Kapiteln Maximilian I. als ritterlicher Held auf seiner Brautfahrt zum Fräulein Ernreich zahlreiche Abenteuer und Hindernisse bewältigen muss. Begleitet wird er von den drei Hauptleuten Fürwitz, Unfall und Neidhart, die heimlich versuchen die Mission Maximilians zum Scheitern zu bringen. Kaiser Maximilian I. gelingt es mit seinen Büchern geschickt den neu aufkommenden Buchdruck für die eigene Propaganda und Legendenbildung einzusetzen. Das Werk gilt durch seine eigens entworfene Drucktype „Theuerdank“, die als älteste Form der Frakturschrift gilt und seinen zahlreichen Illustrationen als ein bedeutendes Werk der frühen Buchdruckerkunst.

 

Teurdank dem teurlichen Held
Lag die Künigin auserwölt
Fur und fur in seinem Sinn,
Darumb er bald ginge hin
Zů seim Herren und Vater.
Demselbigen erzelt er
Den Brief, darbei alle Wort,
So er vom Boten hett gehort,
Und wie er wollt auf die Fart
Gewinnen die Künigin zart
Durch ritterlich Tat und Eer
Oder in der Welt nit mer
Leben

Projekt Gutenberg: Theuerdank - Kapitel 11

Dem stattlichen Helden Teuerdank
ging die auserwählte Königin nicht mehr aus dem Sinn,
weshalb er rasch zu seinem Herrn und Vater ging.
Diesem erzählte er vom Brief und allen Worten,
die er vom Boten gehört hatte,
und dass er sich auch den Weg machen wolle,
um die zarte Königin durch ritterliche Tat und Ehre
für sich zu gewinnen
oder nicht mehr auf dieser Welt leben zu wollen.
(Übertragung: Markt-Huter)

 

Weiterführende Links:

Sagen und Geschichten

Sagen.at: St. Maximilian
Sagen.at: Maximilian, der außerordentliche Säugling
Sagen.at: Kaiser Maximilian I. in Feldkirch
Sagen.at: Kaiser Maximilian I. in der Martinswand
Projekt Gutenberg: Brüder Grimm – Deutsch Sagen – Kaiser Maximilian und Maria von Burgund Kapitel 497
Sagen.at: Die goldenen Eier Kaiser Maximilians
Sagen.at: Die Eroberung von Kufstein
Sagen.at: Kaiser Maximilian I. stirbt zu Wels

Historische Hintergründe zur Welt Kaiser Maximilians I.

Wikipedia – Kaiser Maximilian I.
Die Welt der Habsburger: Der letzte Ritter: Maximilian I.
Maximilian 2019: Die Geschichte von Kaiser Maximilian I.
Anton Prock: Innsbruck Geschichte – Kaiser Maximilian I.
Tirol Geschichte: Kaiser Maximilian I.: Kaiser Maximilian I. - Herrscher über den eigenen Ruhm
Oberösterreichische Nachrichten: Kaiser Maximilian I. - Herrscher über den eigenen Ruhm
Sonderausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek zum 500. Todestag von Kaiser Maximilian I.

Zum Landlibell

Wikipedia: Landlibell
Tiroler Schützen: Das Tiroler Landlibell aus dem Jahre 1511
Maximilian 2019: Martin P. Schennach, Zum Tiroler Landlibell von 1511

Autorbiographische Schriften Kaiser Maximilians I.

kurz Geschichte: „Der Theuerdank Kaiser Maximilians I.
Wikipedia: Theuerdank
Projekt Gutenberg: Maximilian I. von Habsburg, Teuerdank
Heidelberger historische Bestände: Theuerdank
Albertina – Sammlungen Online: Theuerdank (Holzschnitte)
Tiroler Bildungsservice: Kerstin Kuba, Der Weißkunig

Literatur

Sabine Weiss, Maximilian I.
Michaela Sautner, Tirol - Kleines Land ganz groß
Verena Wolf / Sonja Ortner, Des Kaisers Narr ist in Gefahr

 

Andreas Markt-Huter, 20-03-2019
Titelbild: Wikimedia: Albrecht Dürer, Porträt von Kaiser Maximilian I.

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