Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
Wenn die allgemeine Literatur schon Maßstäbe für etwas Groteskes, Verrücktes und Schizophrenes zu setzen imstande ist, so lautet die Steigerung all dessen wahrscheinlich nordkoreanische Literatur.
Adam Johnson hat für Recherchen zu seinem dystopischen Mega-Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ einige Zeit in Nordkorea zugebracht, weshalb für uns Leser jeder Satz, so verrückt er auch klingen mag, authentisch wirkt.
Das bäuerliche Volksstück funktioniert in der Hauptsache als Karikatur und Groteske, obwohl es an manchen Bühnen im Glauben an die Renaissance des Genres durch Felix Mitterer immer noch ernst aufgeführt wird.
Manche Orte können es sich nicht aussuchen, ob sie von der Geschichte beglückt oder heimgesucht werden.
Damit du deine Muttersprache verstehst, brauchst du eine andere Sprache, die dich dabei beobachtet. Kann diese Glücksmethode aus der Welt der Sprache auch für die Liebe gelten?
Spielt das Alter des Erzählers eine Rolle für den Stoff des Erzählten? – Normalerweise ja, weil der Erzähler jeweils in einer gewissen Zeit verankert ist. Wenn der Erzähler freilich uralt ist, wird auch der Stoff zeitlos.
Es gibt Romane, die sind aus einem unerfindlichen Grund öfter vergriffen als zugänglich, obwohl sie die erzählten Meilensteine eines gewissen Landstücks sind. Andererseits fordert diese Vergriffenheit die Leser heraus, die aktuelle Ausgabe neu zu lesen und zu würdigen.
Die biographischen Tücken liegen bei Alltagsheldinnen meist unter einer glatt gestrichenen Oberfläche verborgen, es bedarf nur einer kleinen Erschütterung, und schon bricht alles auf.
In der Literatur ist erst dann etwas Realität, wenn es in einem Buche steht, und auch vom Glück weiß man in der Literatur nur, dass es dann eintritt, wenn man es in einem Buch nachlesen kann.
Manche Lebensformen sind so überzeugend, dass sie in jeder Generation neu erarbeitet und erzählerisch aufgetischt werden müssen. Eine dieser edlen Überlebensphilosophien ist der Oblomowismus, worin der Held mehr oder weniger im Bett liegend das Leben bewerkstelligt und zu Ende bringt.
Jede Idylle birgt immer auch das Grauen in sich. – Dieser dramaturgischen Grunderkenntnis huldigt Gustav Ernst mit seiner Familien-Groteske „Grundlsee“.