Gesellschaft | Kultur

Bora Cosic, Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten

andreas.markt-huter - 25.01.2011

Buch-CoverWenn ein Beruf nicht ausreicht, um dem Wahnsinn auf die Sprünge zu helfen, hilft vielleicht ein Gewerbe. Während in einem Beruf die jeweiligen Professionisten unterkommen, hat ein Gewerbe Platz für so gut wie alles, was der Ausgestaltung der Welt mit Sinn dient, man denke nur an das älteste Gewerbe der Welt.

In Bora Cosics Skurrilitäten-Sammlung seltener Gewerbe versuchen kreative Menschen in ungünstigen Zeiten über die Runden zu kommen.

Gregor Mayer / Bernhard Odehnal, Aufmarsch

andreas.markt-huter - 18.01.2011

Buch-CoverWenn in Österreich ein Buch über die rechte Gefahr in Osteuropa erscheint, so sollte man sich vor der Lektüre in Erinnerung rufen, dass Österreich als bisher einziges Land von der EU mit Sanktionen bedacht worden ist, weil die rechte Gefahr offensichtlich Regierungssitze erklommen hatte.

Je nach Standpunkt kann man davon ausgehen, dass das Braune wie selbstverständlich in jedem Staat vorhanden ist oder dass es schrecklicherweise gerade über Nacht wieder einmal entstanden ist.

Walter Wippersberg, Vierzehn Monate Vierzehn Jahre

andreas.markt-huter - 17.01.2011

Buch-CoverManche Autofahrer schwärmen vom Fahrtenbuch, das eine Fahrt hintennach erst zu einem Erlebnis macht, manche Autoren schwören auf das Tagebuch, das den Tag erst hintennach zu einem bemerkenswerten macht.

Walter Wippersberg hält sich lieber an das Leben, Filme machen und Romane schreiben, aber manchmal muss auch er pure Aufzeichnungen bewältigen, um den Kontakt zur Gegenwart nicht zu verlieren. Ein interessanter Kompromiss ist das Buch vierzehn Monate, vierzehn Jahre, darin sind wahllos konzentrierte Monate vorgestellt, die in ihrer Erstfassung in der geheimnisvollen Zeitschrift "99" abgedruckt worden sind.

Wolfgang Hug, Wissen, wo Barthel den Most holt

andreas.markt-huter - 17.01.2011

Buch-CoverSprichwörter und Spruchweisheiten sind gleichsam Kürzel unserer Sprache, sie haben eine inspirierende Wirkung und regen nicht selten Erkenntnisse im eigenen Erfahrungshorizont an.

Wolfgang Hug lädt uns mit seiner kleinen Kulturgeschichte Geflügelter Worte ein, auf eine spannende literarische Reise durch die ?Herkunfts- und Sinngeschichte von Geflügelten Worten.

Annette Pehnt, Mobbing

andreas.markt-huter - 02.01.2011

Buch-CoverMobbing ist so etwas wie Glück, nur verkehrt herum. Man kann es nur in Umrissen beschreiben und der Ausgezeichnete empfindet es als sehr subjektiv.

In Annette Pehnts Roman sind alle Figuren mit dem Mobbing "ausgezeichnet". Die ideale Familie, wie sie so gerne in didaktischen Vorzeige-Ratgebern vorkommt, besteht aus dem netten Häuschen in der Vorstadt, dem Vater Jo, der erzählenden Frau, dem Vorschulkind Mona und dem allgegenwärtigen Baby. Die melancholische Tragödie hat einen Hauptabschnitt "Valentinstag" und ein Stück seltsamen "Sommer".

Hagen Rudolph, Hoferissimo 2011/12

andreas.markt-huter - 21.12.2010

Buch-Cover

Die besten Kulturführer sind jene, in denen das Wort Kultur nicht vorkommt. So kann das U-Bahn-Netz einer Stadt mehr über deren kulturelle Agglomeration aussagen als der Spielplan der Oper, weil eben im Untergrund mehr Leben herrscht als in den überirdischen Opernhäusern.

Ähnlich verhält es sich mit den Gebrauchsführern des Alltags. Ein Schnäppchenführer sagt mehr über die regionalen Gelüste einer Gegend aus als ein Kulturbüro, das sich in unseren Gegenden ohnehin immer nur an Touristen wendet.

Egyd Gstättner, Klagenfurt

h.schoenauer - 15.12.2010

Buch-CoverAuch wenn in einer Stadt absolut nichts los ist, eignet sie sich immer noch als ideales Übungsgelände für einen literarischen Stadtführer.

Egyd Gstättner und Klagenfurt - das ist von vorne herein eine höchst literarische Geschichte. Während alle, die des Lesens und Schreibens mächtig sind, aus der Stadt fortgezogen sind, ist Egyd Gstättner in Klagenfurt geblieben und wird mittlerweile für jeden Satz, auch wenn er noch so schmerzt, von den Klagenfurtern und Literaturkennern geschätzt.

Thomas Bremer / Titus Heydenreich (Hrsg.), Zibaldone, No 49

andreas.markt-huter - 06.12.2010

Buch-CoverOft muss man ein paar Schritte zurückgehen, um einen frischen Blick auf einen Gegenstand zu entwickeln.

Die Zeitschrift Zibaldone, was in Anlehnung an die Aphorismen von Giacomo Leopardi etwa Sammelsurium bedeutet, wird in Halle und Erlangen redigiert und in Tübingen publiziert. Interessant ist zweimal im Jahr, was aus dieser Fernvermessung an neuen Erkenntnissen der italienischen Gegenwartskultur herauskommt.

Peter Paul Wiplinger, Schriftstellerbegegnungen 1960-2010

andreas.markt-huter - 01.12.2010

Buch-CoverWie jede Geschichte ist auch die Literaturgeschichte etwas äußerst Unruhiges, das ständig neu geschrieben werden muss. Eine recht aufregende Form, sich dem literarischen Geschehen einer Epoche zu nähern, ist die Präsentation von Insider-Wissen mit persönlicher Note.

Zum Unterschied vom Börsenhandel, wo Insider-Geschäfte streng verboten sind, ist der Austausch von geheimnisvollen Botschaften untereinander das Lebenselixier der Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

Gert Müller, Wie Sand im Licht des Mondes

andreas.markt-huter - 29.11.2010

Buch-CoverKulturelle Botschaften gehen oft geheimnisvolle Wege. So lebt einer der besten Kenner des Nomaden-Volkes der Tuareg in Innsbruck.

Vielleicht bestehen überhaupt seltsame Verbindungen zwischen den Tuareg und den Tirolern, beide Kulturen müssen sich den Herausforderungen der modernen Zeit stellen und ihre Bräuche retten, modifizieren und anpassen, ohne sich dabei aufzugeben.