Kriminalroman

Mortimer M. Müller, Kabine 14

h.schoenauer - 18.11.2013

Kabinen sind der ideale Ort für Abenteuer, ob es sich nun um Sex-, Umkleide-, Telefon oder Seilbahnkabinen handelt.

Mortimer M. Müller lässt ein verdichtetes Chaos in einer der höchsten Seilbahnen über Grund in Kitzbühel spielen, dabei ist es vor allem der atemlose Schnitt in den Hals der Erzählweise, der den Leser den Atem anhalten lässt.

Otto Licha, Sieben

h.schoenauer - 15.11.2013

Vielleicht ist das Leben nur ein Streich, den man sich selber spielt, indem man jeden Tag von einem Lebenssinn in den nächsten stolpert.

Otto Licha schickt in Mark-Twain-Manier zwei Freunde durch das Leben mit der Aufgabenstellung, gefälligst durch Dick und Dünn zu gehen. Schon der Start ist fulminant: „Alessandro war dem Kindergarten noch nicht entwachsen, da beschloss er, Bankdirektor zu werden.“ (7)

Giancarlo De Cataldo, Der König von Rom

h.schoenauer - 02.09.2013

Große Kulturen entwickeln auch immer eine eigene politische Kultur. Italien ist einerseits eine sehr junge Demokratie, andererseits eine sehr dynamische, oft ins Extrem gehende.

Der Schriftsteller und Richter Giancarlo De Cataldo hat aus Gründen der politischen Hygiene eine eigene Erzählgattung entwickelt: Den Italo-Thriller der politischen Art.

Wolfgang Popp, Ich müsste lügen

h.schoenauer - 20.06.2013

Wenn man sich vor Augen hält, wie oft jemand am Tag lügt, kann man davon ausgehen, dass die Floskel „Ich müsste lügen“ eine Leerformel ist.

Mit diesem Geräusch der Wahrheit hat es in Wolfgang Popps Roman jedenfalls die Ermittlerin Eva Rauch zu tun, sie soll einen verschwundenen jungen Lebenskünstler namens Schall ausfindig machen, eine Mission zwischen Schall und Rauch gewissermaßen. Im Mittelpunkt steht der Bestsellerautor Will, der einerseits durch seine Romane neue gesellschaftliche Wirklichkeiten schafft, andererseits seine Texte nach Fallstudien verfasst.

Sepp Kahn, In Ewigkeit Amen

h.schoenauer - 11.06.2013

Die Beschwörungsformel „In-Ewigkeit-Amen“ wird bei der alpinen Bevölkerung bis zur Unkenntlichkeit verschluckt und entstellt, wenn sie bei Begräbnissen, Toten-Rosenkränzen oder Allerseelengängen in die rurale Luft der Fassungslosigkeit gehaucht wird.

Im Allerweltsdorf Unterhirschen ist die Zeit so unauffällig unterwegs, dass sie kaum jemand mehr bemerkt und darin verdrossen selbstverständlich sein eigenes Leben installiert.

Dietmar Wachter, Das Mädchen mit der Puppe. Inspektor Matteo ermittelt

h.schoenauer - 02.05.2013

In guten Krimis ist zwar der jeweilige Fall aufregend und stechfrisch wie junges Gemüse, getragen werden diese Fälle aber von der Verlässlichkeit der aufklärenden Persönlichkeiten, die mit ihrer Individualität jedes noch so freche Verbrechen in die Schranken verweisen.

Dietmar Wachter lässt nun schon zum dritten Mal den Inspektor Matteo Steininger in der lieblichen Kleinstadt Landstein in Tirol auftreten. Dieser sitzt in Erwartungshaltung in der Kanzlei, wie er seine Dienststelle hochachtungsvoll nennt, und spielt mit einem hydraulischen Bürosessel herum. Zwischendurch räumt er die Utensilien aus den früheren Fällen „Der Holzfischer“ und „Das Zingulum“ in die Asservatenkammer in den Keller.

Silvia Flür-Vonstadl, Mörderisches Tirol

h.schoenauer - 22.03.2013

TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 1486


Im allgemeinen Gebrauch bedeutet „mörderisch“ neben dem tödlichen Aspekt auch eine zustimmende Übertreibung eines Sachverhaltes. So kann etwa ein Menü mörderisch gut sein, ein Politiker eine mörderische Aussage hinlegen oder ein Rennläufer eine mörderische Abfahrt hinunter flitzen.

Für Silvia Flür-Vonstadl ist das mörderische Tirol beides, ein Land, in dem sich gut Morde platzieren lassen und ein Land, das irgendwie mörderisch aufregend ist. Der Krimi-Band wird von einer langen Stammgeschichte dominiert, der sieben kleinere Erzählungen beigestellt sind.

Egyd Gstättner, Ein Endsommernachtsalbtraum

h.schoenauer - 09.01.2013

Der Begriff Kriminalroman gilt in literarischen Kreisen oft als Bedrohung der literarischen Intelligenz. Wenn allerdings eine Story mehr als ein Kriminalroman ist, kann man sich auf allerhand Hyper-Fiktion gefasst machen.

Egyd Gstättner liefert mit seinem Endsommernachtsalbtraum ein Sittenbild eines verrückt gewordenen Bundeslandes ab, das sich in Ermangelung jeglichen Inhalts selbst als Hallodrien bezeichnet. In diesem Land genügt es „Hallo“ zu sagen, und man ist schon jemand.

Brigitte Jaufenthaler, Diva & Angelo

h.schoenauer - 07.12.2012

Ein Krimi kann offensichtlich in jedem Milieu spielen, weil es in jedem Milieu Abweichungen von der Moral gibt. Die provinzielle Universität Innsbruck, eingekreist von akademischen Ritualen, ist natürlich ein ideales Terrain zum Abwickeln eines Krimis mit Kleingeistern als Helden.

Brigitte Jaufenthaler lässt im Studentenmilieu recherchieren. Vinzenz, der Mini-Dozent, und Theresia, die musische Studentin, treffen an einer Bar aufeinander und beginnen akademisch verbrämt ein lustvolles Geschlechtsverhältnis. Jetzt kann man mit alpin-trivialen Namen natürlich keinen Recherche-Baum ausreißen, weshalb sich die beiden Diva und Angelo nennen.

Nanni Balestrini, Sandokan

h.schoenauer - 11.09.2012

Wie kann man einen sozialen Sumpf erzählen, ohne dass man als Leser darin rettungslos verlorengeht? - Nanni Balestrini hat für seine Camorra-Geschichte die Methode der Atemlosigkeit gewählt.

Rein äußerlich tut sich eine Kriminalgeschichte auf, der Camorra-Pate Sandokan wird gleich zu Beginn eingekesselt und verhaftet, aber der Ich-Erzähler wird durch diese Aktion in einen Bottich von sozio-historischen Schlingpflanzen geworfen, dass er Mühe hat, etwas Ordnung in die Wahrnehmung zu kriegen.