Kurzgeschichten

Manfred Rumpl, Das weibliche Element

h.schoenauer - 28.11.2012

Seit den Zeiten der Wahlverwandtschaften gibt es in der Literatur immer wieder Überlegungen, ob die Erotik nicht eine chemische Angelegenheit zwischen dem weiblichen und dem männlichen Element sei.

Manfred Rumpl schickt in seinen sechs Stories den männlichen Erzähler Anatol Hofer auf die Suche nach dem weiblichen Element. Und die erste Erfahrung, die der Held dabei macht: das weibliche Element lässt sich nicht suchen und schon gar nicht finden, es taucht von sich aus ungefragt auf.

Renate Aichinger, WELT.ALL.TAG

h.schoenauer - 23.10.2012

Manche Begriffe lassen sich neu generieren, indem man sie in ihre Wortteile zerlegt wie die Glücksschweinrädchen in einem Glücksspielksautomaten. Die Wortteile sausen also als Zufallspartikel vor dem Auge ab und ergeben neue Begriffskonstellationen.

Renate Aichinger hat mit ihren gut zwanzig Geschichten und Gedichten die Welt atomisiert und aufgespalten in WELT.ALL.TAG. Die Protagonisten erleben dabei ihre Wahrnehmung als Fragmente eines Ganzen, das ihnen unerschlossen bleibt. Dennoch versuchen sie mit diesen kleinen Wahrnehmungen zurecht zu kommen und sich darin einzurichten wie in einer großen Welt.

Franz Xaver Kroetz, Blut und Bier

h.schoenauer - 16.09.2012

Was macht eigentlich ein Dichter, wenn er nicht gerade auf der Bestenliste herum klettert und Interviews gibt? - Er spukt Blut und trinkt Bier.

Franz Xaver Kroetz schenkt seinen alt und kaputt gewordenen Protagonisten nichts, in den fünfzehn plus zwei Geschichten taucht fast immer der erfolgreiche Star aus früheren Zeiten auf. Meist sind es nur große Sätze, die aus dieser Epoche geblieben sind, große Sätze vom Schreiben, wenn etwa der Satz schon im Kopf da ist, aber noch ein paar Bier braucht, dass er in die Tastatur fallen kann.

Tor Ulven, Dunkelheit am Ende des Tunnels

h.schoenauer - 24.07.2012

Das Paradoxe ist oft so vage in der Selbstverständlichkeit versteckt, dass man es erst beim zweiten Hinsehen bemerkt. So gilt das Tunnelende, wenn man es von innen her anfährt, üblicherweise als hell, bei Tor Ulven hingegen geht die Finsternis des Tunnels fließend in die Dunkelheit seines Endes über.

Die elf Erzählungen handeln von diesem existentiellen „Tunnelblick“, der ausweglos in die Dunkelheit führt. Eine minimal ausgestattete Szenerie wird jäh von einem Beobachter aufgerissen, der eine Weile gegen seine Eindrücke kämpft und dann von diesen verschlungen wird.

Josef Pedarnig, Miniaturen

h.schoenauer - 22.07.2012

Manche Geschichten schaffen es spielend, eine Gegend oder einen gesellschaftlichen Landstrich unvergesslich zu porträtieren.

Josef Pedarnig nennt seine Textsammlung aus mehreren Jahren zusammengetragen schlicht Miniaturen. Damit spielt er schon auf das Hauptthema an: Was kann in einem entlegenen Soziotop ein Thema sein, wenn nicht eine Miniatur, und werden in der Entlegenheit nicht auch große Dinge zu einer Miniatur?

Tim Burton, Das traurige Ende des Austernjungen

h.schoenauer - 29.11.2011

Buch-Cover

Illustrierte Kleinodien wie der Struwwelpeter oder Der kleine Prinz haben vielleicht deshalb Kultstatus erreicht, weil sie unsterblich schöne Sätze und Ikonenhafte Zeichnungen zu vereinen wissen.

Tim Burton, der Erfinder von fantastischen Kult-Filmen, gibt sich zwischendurch auch als Reimer und Buchillustrator die Ehre. ?Das traurige Ende des Austernjungen ist so ein schmales Frühstücksbuch, mit dem man den Tag vielleicht sinnvoller starten kann als mit der Lektüre einer hanebüchenen (Tiroler) Tageszeitung.

Peh! (Paula Gelbke), Drei Farben Weiß

h.schoenauer - 19.11.2011

Buch-Cover

Beim Poetry Slam geht es verkürzt gesagt darum, durch originelle Präsentation das Publikum für sich zu gewinnen. Die Darbietung und die Tagesverfassung sowohl der Autorin als auch des Publikums entscheiden also über die Akzeptanz des Textes.

Peh spielt im kontinentalen Poetry Slam in der obersten Liga, hat Dutzende Tagessiege und Preise eingeheimst. Ihr aktuelles Programm ?Drei Farben Weiß ist daher wie eine Partitur zu lesen, die der Leser selbst realisieren muss. Eine beigefügte CD mit zwölf Darbietungen und einem Intro von Markus Köhle gibt freilich eine erste Anregung, wie man die Texte lesen könnte.

Christoph Wagner, Das Apfelhaus

h.schoenauer - 15.11.2011

Buch-Cover

Mit einer guten Figur unter den Fingern, kannst du dir ganze Landstriche wach schreiben. - Diese Faustregel investigativer Poetik hat der 2010 verstorbene Gastro-Krimi-Schriftsteller Christoph Wagner mit seiner Figur Mario Carozzi mit Charme beherzigt.

Sein Archäologe gräbt immer etwas Interessantes aus der Erde, aus den Menschen holt er längst versunkene Erinnerungen und in diversen Küchen stößt er auf verschollene Rezepte.

David Albahari, Die Kuh ist ein einsames Tier

h.schoenauer - 28.03.2011

Buch-Cover

Kurze Geschichten können sich an manchen Tagen wie ein Ohrwurm ins Gedächtnis brennen und alle Geschehnisse im Lichte dieser Geschichte neu erzählen.

"Die Müdigkeit / Manchmal bin ich so müde, dass ich im Stehen, mit offenen Augen, einschlafe. Sobald ich sie schließe, werde ich wach." (117)

Günther Kaip, Im Fahrtwind

andreas.markt-huter - 17.01.2011

Buch-CoverIm Fahrtwind stellen sich Frisuren oft zu merkwürdigen Gebilden auf, Gesichter verzerren sich zu einem schlüpfrigen Grinsen und manchmal stehen Teile ab, die sonst nicht wahrgenommen werden.

Günter Kaip stellt seine Geschichten mit voller Brust in den Fahrtwind, wir erkennen ihre Struktur und freuen uns über diese Deformierungen, die dabei entstehen.