Kurzgeschichten

Anita Pichler, Die Frauen aus Fanis

h.schoenauer - 17.08.2014

Die heftigste Literaturform ist das Fragment, die wesentlichen Geschichten lassen sich nur als Fragment erzählen, das Fragment ist vollkommen, weil es unvollendet ist.

Anita Pichler hat vor einem Vierteljahrhundert zusammen mit der Sagenforscherin Ulrike Kindl die Sagenwelt der Dolomiten erwandert und in dreizehn Erzählungen über archaische Frauengestalten versucht, die Sagenwelt in Bruchstücken zu vermessen. „Die Frauen aus Fanis“ sind seither der Inbegriff fragmentarischen Erzählens und immer wieder wird Anita Pichler selbst als eine Frau aus Fanis empfunden.

Ann Cotten, Der schaudernde Fächer

h.schoenauer - 24.04.2014

Ein Fächer verhüllt einerseits das Antlitz, gleichzeitig bewegt er es durch seine Zuckungen. Wenn er dann gar noch zu schaudern anfängt, liegt das entweder am Gesicht oder an der Welt, die er beide jeweils zu bewegen versucht.

Ann Cotten nimmt ein japanisches Kult-Gerät in die Hand, um in siebzehn Erzählungen Bewegung in emotionale Ruhezonen zu bringen. Dabei geht es meist um Gefühle, die sich kunstvoll an der Oberfläche wegwischen lassen oder deren Tiefgang durch rituelle Handlungen kalt gehalten werden müssen.

Manfred Chobot, Mich piekst ein Ameisenbär

h.schoenauer - 22.04.2014

Weltgeschichten sind die größten Globetrotter, sie kommen überall hin, nehmen überall das Wesentliche auf und bringen die besten Sachen zu Hause auf den Vorlese-Tisch.

Manfred Chobot schickt seine Helden meist freiwillig um die Welt, sie tun sich das Fremde aus Neugierde an und erweitern dabei ihren Horizont. Die Reisevorbereitung und Einstimmung sind dabei fast wichtiger als die Reise selbst, auch hier gilt die stille Lebensweisheit: So wie du eine Reise antrittst, so ist sie!

Christoph W. Bauer, In einer Bar unter dem Meer

h.schoenauer - 26.02.2014

Was für eine verheißungsvolle Erzählkonstellation! In einer Bar unter dem Wasser sind die Figuren offensichtlich ausgesetzt dem relaxenden Gefühl bei Getränken und dem Druck schwerer Geschichten, die auf ihnen lasten wie auf einem U-Boot.

Christoph W. Bauer führt in 19 Erzählungen tatsächlich unscheinbare Gegebenheiten unter dem Druck lang angestauter Verhältnisse einem explosiven Ausbruch zu. Es sind fast immer flach atmende Leute, denen einmal im Leben etwas aus dem Ruder läuft und sie somit aus ihrer Gewöhnlichkeit wirft.

Elias Schneitter / Bertram Haid , Einfach durch den Tag

h.schoenauer - 08.01.2014

Die einzige Methode, das Leben zu meistern, besteht darin, den jeweils aktuellen Tag hinzukriegen. Dutzende Ratgeber stehen mit ihren Tipps Schlange beim ratlosen Leser, scheitern aber meist, weil sie die Sache zu ernst nehmen.

Bertram Haid und Elias Schneitter haben einen Easy-Begleiter „einfach durch den Tag“ entwickelt. Wie schon der Titel ausdrückt, geht es vor allem darum, überhaupt durch den Tag zu kommen.

Victor Tiefenbrunner, Sportcafé

h.schoenauer - 27.11.2013

Manche Institutionen entfalten erst dann ihre wahre Größe, wenn sie physisch devastiert und psychisch verdrängt sind.

Auf Victor Tiefenbrunners Story-Pinnwand „Sportcafé“ verrotten und vergilben die Geschichten bereits oder sind gar wie viele ihrer Helden schon unter der Erde. Aber kaum schlägt jemand einen Erinnerungston an, braust schon die ganze Symphonie eines niedergerungenen Trinkorchesters los.

Nicole Engbers u.a. (Hg.), Die andere Geschichte Vol. 2

h.schoenauer - 16.10.2013

Das Projekt die andere Geschichte geht in die zweite Runde. Sinn dieser Publikationen ist es, ein gemeinsames Auftreten unterschiedlichster Autorinnen zu dokumentieren.

Der Leser sucht sich dabei seinen persönlichen Geschichtenmix zusammen, die Texte sind in den thematischen Schalen „Freunde / Gedanken / Wendepunkte / Wind / Feuer / Alt / Neu / Begegnungen“ zur Verkostung ausgelegt.

Hartmut Lange, Das Haus in der Dorotheengasse

h.schoenauer - 08.10.2013

Die Novelle ist eine Kunstform, die in einem unaufgeregten Ambiente oft kurzfristig für Aufregung sorgen kann.

Hartmut Lange verfasst immer wieder Novellen, die man als Leser zuerst mehrmals schrubben muss, bis man zu ihrer spannungsgeladenen Oberfläche vordringen kann. Seine fünf aktuellen Novellen spielen am sogenannten Teltowkanal im Süden von Berlin. Dieser ist außergewöhnlich ruhig und entlegen und magische 38,39 km lang, er ist also für sich gesehen schon eine Novelle.

Essl-Museum (Hg.), Literatur im Museum

h.schoenauer - 06.06.2013

Museen sind üblicherweise ein Ort der Anschauung mit beigefügtem Depot. Das Essl-Museum in Klosterneuburg startet immer wieder Versuche, durch die bloße Anwesenheit des Museums diverse Kunstgattungen zum Anspringen zu bringen.

Für die Sparte Literatur haben dabei sechs sogenannte junge österreichische Autoren und Autorinnen unter der Schirmherrschaft Erwins Ullmans im Umfeld des Museums ihre eigene Literatur in Gang gesetzt.

Ludwig Laher, Kein Schluß geht nicht

h.schoenauer - 22.02.2013

Manchmal kann das Infrage-Stellen eines einzigen Satzes ein ganzes Weltbild zum Kippen bringen. Die Behauptung „Kein Schluss geht nicht“, geht auf eine Katzengeschichte Margret Rettichs zurück und bringt damit quasi die gängige Erzähl-Theorie auf den Punkt.

Ludwig Laher testet in seinen Erzählungen und Reflexionen nämlich fixe Behauptungen auf ihren Schwankungsgrad. Wie lange muss ich einen Text zum Schaukeln bringen, dass er kippt? Wie lange muss ich etwas Fixes hinterfragen, bis es mehrdeutig wird?