Wirtschaft | Soziales

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten

h.schoenauer - 22.01.2026

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu tötenWiderstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.

Im Roman Sellemond stoßen zwei große gesellschaftliche Trends aufeinander, man könnte fast von unkontrollierbaren Trieben sprechen. Einmal ist es der Übertourismus, der ganze Landstriche heimsucht, und zum anderen der Kult um Krimis (Krimitis), der die Regale in Buchhandlungen und Büchereien ausfüllt. Lässt man beide Kräfte aufeinander los, so entstehen im Windschatten dieser Trends kleine Überlebenszonen, worin sich ein verdichtetes Leben ausgestalten lässt.

Martin Mader, Am Anfang wieder die Nacht

h.schoenauer - 14.01.2026

Martin Mader, Am Anfang wieder die NachtWer das erste Mal durch Zufall oder als Geheimtipp in das Darknet geraten ist, wird hinterher nur schwer beschreiben können, was er darin gesehen hat. Martin Mader entführt mit dem Roman „Am Anfang wieder die Nacht“ die Leser in ein Darknet, worin alles vorkommt, was man sich in einer Gegenwelt erwarten möchte: Dunkelheit, Exzesse, Geld, Drogen, Waffen, Verschwörungen, Geschäfte.

Etwas poetischer formuliert könnte man meinen, im Roman wird die Geschichte zu einem einzigartigen Loch aus dunkler Materie, die alles aufsaugt und zerfrisst, was an Erinnerungspartikeln noch übrig ist.

Erich Hörtnagl, Unforgettable – Unforgotten

h.schoenauer - 12.01.2026

Erich Hörtnagl, Unforgettable – UnforgottenWas immer das Leben unvergessen machen kann, es gleicht einer Sanduhr, die ein paar Mal gedreht wird, ehe der Sand in der Zeit verschwunden ist.

Erich Hörtnagl legt mit „Unforgattable – Unforgotten“ sein Lebenswerk als Fotograf und Dramaturg vor. Die Bilder sind als wohl überlegte Ausschnitte einer weltumspannenden Choreografie aufbereitet, der Buchtitel ist als unsichtbares Relief in den Buchumschlag gestanzt, sodass man ihn in der Hauptsache abtasten muss. Beim ersten Anfassen des Buches werden Zeitgenossen blitzartig an einen Laptop erinnert, was Gewicht und Haptik betrifft, ehe dann die kulturell gestanzte Erinnerung an das Handwerk der Buchdruckkunst einsetzt.

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion

Andreas Markt-Huter - 07.01.2026

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)

Peter Heather erzählt die große und erstaunliche Entstehung und Ausbreitung des Christentums von den Anfängen bis ins Hochmittelalter, von der Zeit seiner Verfolgung bis in eine Zeit, in der es sich endgültig als bedeutender Machtfaktor der europäischen Politik und Kultur etabliert hat und selbst auch gezielt Macht und Gewalt einsetzt, um eigene Vorstellungen durchzusetzen.

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 03.01.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.

Ludwig Roman Fleischer, Pandeminium oder In letzter Zeit

h.schoenauer - 17.12.2025

Ludwig Roman Fleischer, Pandeminium oder In letzter ZeitDie wahren Helden der Zeitgeschichte sind oft Medien, die sich mit einem kleinen Taschenmesser einen Weg durch den Dschungel der Meinungen schlagen. Dabei liegt die wahre Regierung über den kleinteiligen Zeitgeist meist als Impressum einer unscheinbaren Kleinzeitung auf.

Ludwig Roman Fleischer geht gegen das Zeitgeschehen literarisch mit zwei verschränkten Romanen vor. Der Buchtitel „Pandeminium“ ist eine wundersame Verquickung von Pandemie und Minimum, die Fragestellung lautet in etwa: Was passiert, wenn Weltthemen in einer mit Geist dünn besiedelten Provinz diskutiert werden?

Jörn Birkholz, Der Ausbruch

h.schoenauer - 15.12.2025

Jörn Birkholz, Der AusbruchDas Wort „plötzlich“ leitet in der Literatur oft einen Ausbruch ein. Kluge Leser wissen das und blättern im Roman oft von plötzlich zu plötzlich, damit ihnen ja kein Ausbruch als Vulkan, Seuche oder Lebensplanung entgeht.

Jörn Birkholz legt die seelische Fläche, aus der sein Held Max zum Ausbruch getrieben werden soll, ziemlich tief und bedürfnislos. Als Archivar behandelt er zwar aufregende Lebensschicksale eingelagerter Helden, gerät dabei aber selbst in einen scheinbar ereignislosen bürokratischen Schlaf.

Regina Hilber, Mein Amerika? America Me!

h.schoenauer - 12.12.2025

Regina Hilber, Mein Amerika? America Me!Zumindest in der Literatur, sagt man, kann es Austria mit Amerika aufnehmen. Und dann werden gleich wuchtige Beispiele von Kürnberger, Kafka, Roth und Handke genannt, worin von Europa aus ein kontinentales Weltbild von Amerika entwickelt worden ist.

Das sogenannte Amerikabild wird in der heimischen Literatur immer wieder hinterfragt, schließlich sind die Einflüsse über Beat, Musik, Shortstory und Filmepik immer noch virulent, mittlerweile ergänzt durch die Eruptionen von Sozialmedia, KI und Fake-Kultur.

Manfred Hollegger / Markus Gneiß, Maximilian I. (1459-1519)

Andreas Markt-Huter - 10.12.2025

Manfred Hollegger / Markus Gneiß, Maximilian I. (1459-1519)„Um der ganzen Welt zu beweisen, dass die Habsburger das »das edelste Blut im Himmel und auf Erden seien«, ließ Maximilian durch seine Genealogen umfangreiche Stammbaumforschungen durchführen. Auftragsgemäß führten diese die habsburgische Dynastie auf die Staufer, Ottonen und Karolinger, bis auf die Trojaner und – vom Kaiser später allerdings wieder verworfen – bis auf Noah zurück.“ (S. 11)

Kaiser Maximilian I. gilt als Kaiser der Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit und spielt als Habsburger für Österreich und ganz speziell für Tirol eine herausragende Rolle. Neben dem berühmten Goldenen Dachl wird in Tirol mit Maximilian, der Innsbruck für kurze Zeit zu einer europäischen Metropole aufsteigen ließ, auch noch die Legende seines missglückten Aufstiegs in die Martinswand bei Zirl verbunden, wo ihm ein Engel in Gestalt eines Hirten zu Hilfe gekommen sein soll.

Christian Grataloup, Geogeschichte - Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte

Andreas Markt-Huter - 03.12.2025

Christian Grataloup, Geogeschichte - Die Macht der Geografie in der Weltgeschichte„Dem vorliegenden Buch geht es um eine Synthese dieser beiden Perspektiven. Die erste, horizontale, ist die der Beziehungen zwischen Gesellschaften auf der Erdoberfläche, die der Grenzen und Konflikte, der Verbreitungen und Eroberungen. Die zweite, vertikale, ist die der Domestizierungen, des Bergbaus, der Reisfelder, der Verschmutzungen. Unsere Erzählung verknüpft beide, um mit den Füßen fest auf der Erde zu bleiben. Wir werden Meeresströmungen und Seefahrer kennenlernen, Berge, Wüsten und Eroberer, Bauern und zu kalte Winter …“ (S. 12)

Wie, in welchem Zeitraum und aus welchen Gründen ist die erstaunliche Verbreitung des Menschen über alle Regionen dieser Erde erfolgt und was waren die Ursachen für die unterschiedlichen Dynamiken und Entwicklungsgeschwindigkeiten von Gesellschaften? Diesen Fragen werden in Bezug auf ihre geographischen, klimatischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Veränderungen gestellt, um Ursachen und Wirkungen auf den historischen Verlauf der Menschheitsgeschichte nachzugehen. Dabei sollen die Erklärungsmodelle Werkzeuge der Geographie für das Verständnis der Vergangenheit fruchtbar gemacht werden.