Wirtschaft | Soziales

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild

Andreas Markt-Huter - 10.07.2026

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild„Es gab einmal Zeiten, manche erinnern sich noch, da wurden die Konflikte durch Erklärungen, Entschuldigungen oder klitzekleine Racheaktionen beigelegt – oder es wurde der Rechtsweg beschritten. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch hat sich eine Konfliktkultur mit völlig neuen Strukturen und Dynamiken herausgebildet.“

Maria-Sibylla Lotter geht der Veränderung im gesellschaftlich-psychologischen Diskurs nach, die zunehmend von einem Antagonismus zwischen Gruppen, mit einem sensibilisierten Verständnis von Leid und Opfer, und einer Gegenbewegung aus, die sich gegen einen überhöhten moralischen Anspruch und eine Einengung der Rede- und Meinungsfreiheit ausspricht.

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu töten

h.schoenauer - 03.07.2026

Josef Oberhollenzer, Sellemond oder Von der Schwierigkeit, Touristen zu tötenWiderstand, Eigenart und Selbstbewusstsein der Südtiroler resultieren aus dem täglichen Überlebenskampf des Individuums inmitten der Massen. Josef Oberhollenzer zeigt in seinen Romanen immer wieder, dass es sich lohnt, ein Individuum zu sein. Denn es sind immer die Massen, die einsam sind, ‒ die Einzelgänger sind nämlich umkost von Kunst und Literatur.

Im Roman Sellemond stoßen zwei große gesellschaftliche Trends aufeinander, man könnte fast von unkontrollierbaren Trieben sprechen. Einmal ist es der Übertourismus, der ganze Landstriche heimsucht, und zum anderen der Kult um Krimis (Krimitis), der die Regale in Buchhandlungen und Büchereien ausfüllt. Lässt man beide Kräfte aufeinander los, so entstehen im Windschatten dieser Trends kleine Überlebenszonen, worin sich ein verdichtetes Leben ausgestalten lässt.

Martin Mader, Am Anfang wieder die Nacht

h.schoenauer - 26.06.2026

Martin Mader, Am Anfang wieder die NachtWer das erste Mal durch Zufall oder als Geheimtipp in das Darknet geraten ist, wird hinterher nur schwer beschreiben können, was er darin gesehen hat. Martin Mader entführt mit dem Roman „Am Anfang wieder die Nacht“ die Leser in ein Darknet, worin alles vorkommt, was man sich in einer Gegenwelt erwarten möchte: Dunkelheit, Exzesse, Geld, Drogen, Waffen, Verschwörungen, Geschäfte.

Etwas poetischer formuliert könnte man meinen, im Roman wird die Geschichte zu einem einzigartigen Loch aus dunkler Materie, die alles aufsaugt und zerfrisst, was an Erinnerungspartikeln noch übrig ist.

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion

Andreas Markt-Huter - 24.06.2026

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)

Peter Heather erzählt die große und erstaunliche Entstehung und Ausbreitung des Christentums von den Anfängen bis ins Hochmittelalter, von der Zeit seiner Verfolgung bis in eine Zeit, in der es sich endgültig als bedeutender Machtfaktor der europäischen Politik und Kultur etabliert hat und selbst auch gezielt Macht und Gewalt einsetzt, um eigene Vorstellungen durchzusetzen.

Wolfgang Kühnelt u.a. (Hrsg.): Schwalbenkönig und Blutgrätsche

h.schoenauer - 22.06.2026

Wolfgang Kühnelt u.a. (Hrsg.): Schwalbenkönig und BlutgrätschePop-Literatur und Pop-Musik haben einen gemeinsamen Freund: Den Fußball. Allen drei Kunstgattungen ist eine wolkige Aura übergestülpt, die mit dem Schlüsselbegriff „naiv-romantisch“ umschrieben werden kann.

In der Serie „Pop! Goes the Pumpkin“, (also so etwas wie Pop steht auf Kürbis), kümmern sich Anwender der Popkultur um essayistische Überlegungen, wie man den Alltag in der Peripherie etwas behübschen könnte. Eine bewährte Form ist das Zelebrieren von Weltereignissen in den Planquadraten zwischen den Durchzugsrouten der Eventkultur.

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 19.06.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.

Horst Moser, Weil wir nichts wussten

h.schoenauer - 15.06.2026

Horst Moser, Weil wir nichts wusstenEin Schwenk durch die Familiengeschichte gleicht oft einer Dokumentation von Lost Places – unter einer friedlichen Decke aus bunter Vegetation schlummern die brutalen Fundamente einer schaurigen Installation.

Horst Moser misstraut heilen Welten und auf Bunt getrimmten Oberflächen. Seine Romane spielen meist im Kleinstadtidyll und bauen auf der These auf, dass man die große Zeitgeschichte am ehesten verstehen kann, wenn man in die Tiefe der Kleinfamilien bohrt.

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke

Andreas Markt-Huter - 12.06.2026

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke„Große Teile dieser Linken haben sich spätestens seit dem 7. Oktober inhaltlich und ideologisch verrannt. Sie haben sich selbst verraten. Wo sind sie bloß falsch abgebogen? Oder tickten sie schon immer so und haben jetzt endlich den Mut, das sagen zu dürfen, woran sie immer glaubten?

Ausgehend vom Massaker am 7. Oktober 2023 bei dem knapp 1.200 Juden der Terrororganisation Hamas zum Opfer gefallen sind, geht Potter der Frage nach, wie sich große Teile der Linke auf die Seite der Täter stellen konnten und seither in gewaltsamen Demonstrationen gemeinsam mit Islamisten gegen Israel auftreten und einen offenen Antisemitismus zur Schau stellen.

Thea Mengeler, Nach den Fähren

h.schoenauer - 10.06.2026

Thea Mengeler, Nach den FährenDas ideale Buch ist eine Insel. Alle Träume sind darin aufgeschrieben. Die Welt ist draußen und abgeklemmt. Alles Wichtige ist da und kann zu Fuß erreicht werden. Was man richtig aufschreibt, wird zur Wirklichkeit.

Thea Mengeler, geschult an Creative Writing und Kommunikationsdesign, stellt mit dem Roman „Nach den Fähren“ ein Bilderbuch für Große vor, in dem man nachlesen kann, was seit dem letzten gelesenen Bilderbuch so auf der Trauminsel geschehen ist.

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches Leben

h.schoenauer - 08.06.2026

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches LebenTiroler gelten als Tiefwurzler, weil sie mitten in Europa verankert sind! Und obwohl in Nord- und Südtirol zweimal im Jahr massenhaft Orden über bemerkenswerte Personen ausgeschüttet werden, sind es dann immer nur wenige Solitäre, die für eine Biographie zu Lebzeiten in Frage kommen.

Andreas Khol hat als Tiroler, Verfassungsjurist, Erwachsenenbildner, politischer Kommentator, Funktionär in den höchsten Staatsämtern und schließlich als Senioren-milder Gast bei Talkshows verlässlich seine Spuren hinterlassen. Sein Geheimrezept für alle diese Betätigungsfelder liegt in der Gelassenheit und Emsigkeit, mit der er sich den Aufgaben stellt.