Wirtschaft | Soziales

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 19.06.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.

Horst Moser, Weil wir nichts wussten

h.schoenauer - 15.06.2026

Horst Moser, Weil wir nichts wusstenEin Schwenk durch die Familiengeschichte gleicht oft einer Dokumentation von Lost Places – unter einer friedlichen Decke aus bunter Vegetation schlummern die brutalen Fundamente einer schaurigen Installation.

Horst Moser misstraut heilen Welten und auf Bunt getrimmten Oberflächen. Seine Romane spielen meist im Kleinstadtidyll und bauen auf der These auf, dass man die große Zeitgeschichte am ehesten verstehen kann, wenn man in die Tiefe der Kleinfamilien bohrt.

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke

Andreas Markt-Huter - 12.06.2026

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke„Große Teile dieser Linken haben sich spätestens seit dem 7. Oktober inhaltlich und ideologisch verrannt. Sie haben sich selbst verraten. Wo sind sie bloß falsch abgebogen? Oder tickten sie schon immer so und haben jetzt endlich den Mut, das sagen zu dürfen, woran sie immer glaubten?

Ausgehend vom Massaker am 7. Oktober 2023 bei dem knapp 1.200 Juden der Terrororganisation Hamas zum Opfer gefallen sind, geht Potter der Frage nach, wie sich große Teile der Linke auf die Seite der Täter stellen konnten und seither in gewaltsamen Demonstrationen gemeinsam mit Islamisten gegen Israel auftreten und einen offenen Antisemitismus zur Schau stellen.

Thea Mengeler, Nach den Fähren

h.schoenauer - 10.06.2026

Thea Mengeler, Nach den FährenDas ideale Buch ist eine Insel. Alle Träume sind darin aufgeschrieben. Die Welt ist draußen und abgeklemmt. Alles Wichtige ist da und kann zu Fuß erreicht werden. Was man richtig aufschreibt, wird zur Wirklichkeit.

Thea Mengeler, geschult an Creative Writing und Kommunikationsdesign, stellt mit dem Roman „Nach den Fähren“ ein Bilderbuch für Große vor, in dem man nachlesen kann, was seit dem letzten gelesenen Bilderbuch so auf der Trauminsel geschehen ist.

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches Leben

h.schoenauer - 08.06.2026

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches LebenTiroler gelten als Tiefwurzler, weil sie mitten in Europa verankert sind! Und obwohl in Nord- und Südtirol zweimal im Jahr massenhaft Orden über bemerkenswerte Personen ausgeschüttet werden, sind es dann immer nur wenige Solitäre, die für eine Biographie zu Lebzeiten in Frage kommen.

Andreas Khol hat als Tiroler, Verfassungsjurist, Erwachsenenbildner, politischer Kommentator, Funktionär in den höchsten Staatsämtern und schließlich als Senioren-milder Gast bei Talkshows verlässlich seine Spuren hinterlassen. Sein Geheimrezept für alle diese Betätigungsfelder liegt in der Gelassenheit und Emsigkeit, mit der er sich den Aufgaben stellt.

Franz Kabelka, Absolute Bettruhe

h.schoenauer - 03.06.2026

Franz Kabelka, Absolute BettruheEs erscheint mittlerweile kaum mehr ein Krimi, bei dem man als Leser nicht dem Autor zurufen möchte: Schreib doch einmal etwas Wahrhaftiges!

Franz Kabelka muss sich vor fünf Jahren diesen imaginären Zuruf zu Herzen nehmen, als bei ihm Blasenkrebs festgestellt wird. Irgendwo in der Mitte der Leidensgeschichte formuliert er schließlich das Programm für die nächste Zeit: „Dies ist meine Geschichte, wie noch nie eine es war.“ (55)

Isabella Breier, Kosmo

h.schoenauer - 22.05.2026

Isabella Breier, KosmoEine Selbstkündigung lässt niemanden kalt. Zumindest die kündigende Person empfindet sich für ein paar Augenblicke als Individuum, das eine Entscheidung vorgenommen hat.

Isabella Breier stellt in Ihrem Roman „Kosmo“ schon im Titel einen vagen Kosmos vor, der thematisch, psychologisch und philosophisch so gut wie alles aufbricht, was wir im klassischen Wissenschaftsbetrieb mühsam in Schubladen und Fächer gepackt haben. Für die erste Beschreibung des Romans wird am Klappentext der Begriff „enzyklopädisches Erinnerungsuniversum“ verwendet.

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte

Andreas Markt-Huter - 20.05.2026

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)

Griechenland gilt bis heute als die Wiege der abendländischen Kultur. Denken, Wissenschaft, Philosophie, Theater, Literatur, Kunst und Demokratie, wie sie im antiken Griechenland das Licht der Welt erblickt haben, prägen noch heute die westliche Welt, was sich auch in zahlreichen Begriffen und in den Grundlagen logischen Denkens widerspiegelt. Das Sachbuch „Das alte Griechenland“ geht diesen Ursprüngen unserer westlichen Kultur von ihren Anfängen in der griechischen Vorzeit bis zum Ende des byzantinischen Reichs untermalt mit einem umfangreichen Bildmaterial, nach.

Vera Zwerger Bonell, Das Blau ferner Räume

h.schoenauer - 18.05.2026

Vera Zwerger Bonell, Das Blau ferner RäumeDas Wesen mitreißender Kunst besteht darin, dass ihre Schöpferinnen bis zum Schluss nicht wissen, wie die Sache mit ihrer Kreativität ausgehen wird.

Vera Zwerger Bonell eröffnet mit dem wundersamen Titel „Das Blau ferner Räume“ einen Ausblick auf eine Künstlerin, welche die Beziehungspaare „Stadt und Land“, „Krieg und Frieden“, „privat und öffentlich“ halbwegs harmonisch über die Bühne zu bringen versucht. Dabei ist so ein Leben nie planbar wie eine Beamtenkarriere, weil die Kunst an manchen Tagen ins Leben pfuscht und macht, was sie will.

Gerda Sengstbratl, Ein Ich wächst in mir wie Gras …

h.schoenauer - 11.05.2026

Gerda Sengstbratl, Ein Ich wächst in mir wie Gras …Eine Autobiographie wird in jenem Augenblick zur Literatur, in dem sie für eine größere Gruppe passt, die sich damit identifizieren kann. Im Idealfall passt das vorgestellte Schicksal gar auf eine ganze Generation.

Gerda Sengstbratl nimmt für ihren Roman einen Cartoon-ähnlichen Titel: „Ein Ich wächst in mir wie Gras, wie Veilchen, wie Baum, wie Wald.“ Nach dieser Melodie sind oft Bilderbücher gestrickt, wenn sie in griffigen Tafelbildern das anwachsende Ich zu einem einzigartigen Erlebnis-Konglomerat erweitern.