Wolfgang Fürweger, Verbrannte Kindheit
Schon griechische und römische Soziologen haben in ihren antiken Essays darüber geklagt, dass die Jugend noch nie so schlimm gewesen sei wie die jeweils gegenwärtige. Und auch in der Gegenwart täuschen die besten pädagogischen Modellversuche nicht darüber hinweg, dass die Gesellschaft in vielen Angelegenheiten von den Jugendlichen gefordert und überfordert ist.
So sind die in der Öffentlichkeit diskutierten „Bettlerbanden“ von Jugendlichen, die angeblich gewisse Städte unsicher machen, genauso Ausdruck von Hilflosigkeit wie der Kampfeinsatz frustrierter Jugendlicher in kaputten Staatsgebilden Syriens und des Irak.
„»Jedenfalls muss ich euch leider mitteilen, dass euer Vater wegen Mordes rechtskräftig verurteilt und inhaftiert wurde.« Ich schnappe nach Luft. Mord? »Er wurde für schuldig befunden, Helen Katharina Viktoria Zweig an seinem Arbeitsplatz erstochen zu haben. Seine Frau. Und eure Mutter. Ihr seid demnach jetzt Vollwaisen. Es tut mir leid.«“ (16 f)
„Sie lassen mich im Stich. Sie wissen genau, dass ich nicht schwimmen kann, doch es kümmert sie nicht. Ich sollte Todesangst haben, aber ich habe keine. Mir ist, als könnte ich unter Wasser atmen.“ (10)
„Die totenbleichen Figuren schienen im Mondlicht beinahe zu glühen. Alle waren so flach wie ein Blatt Papier. Alle waren mit Kreide gezeichnet. Jede war ein winziges, einzigartiges Ungeheuer mit Reißzähnen und Klauen. Völlig geräuschlos schwärmten sie im Flur aus. Es waren Hunderte, die es, lautlos zitternd und bebend, auf das Mädchen abgesehen hatten.“ (9)
„Du glaubst also, du bist uns auf der Spur? Du glaubst, du hast uns im Sack? Du solltest vorsichtiger sein. Aufpassen, mit wem du dich triffst. Mit wem du dich anlegst. Oder meinst du, wir werden mit dir nicht fertig? Lass dich überraschen.“ (14)
„Gibt es etwas Besseres, als ein schönes Buch zu lesen? Ja: viele schöne Bücher zu lesen! Wer einmal ein gutes Buch gelesen hat, ist für die schlechten schon so gut wie verloren: Warum sollte er auch seine Zeit mit ihnen verschwenden?“ (8)
„»Willkommen, Robyn, im Zimmer 13B und der Selbsthilfegruppe für junge Erwachsene mit Zwangsstörungen. Es gibt kein Zimmer 13A«, erklärte Chuck, »was ein Zimmer 13B überflüssig macht. Und du hast mit Sicherheit auch schon festgestellt, dass es im Aufzug keinen dreizehnten Stock gibt.« (9)
„Er kann sich an den Knall erinnern. Mein Gott, wie hat das geknallt. Wie lange ist das jetzt her? Wenn das Herz die Zeit gestoppt hat, dann hat es eine Pause eingelegt. Er hat nur keine Ahnung wie lange. Eine Minute? Einen Tag?“ (90)
„Ich starre auf das metallene Abflussgitter in der Mitte des Betonbodens. Es war das Erste, was mir ins Auge sprang, als sie mich in die Zelle sperrten, und seither habe ich kaum wieder weggeschaut.“ (9)
„Schon in der Nacht hat sie mit dem Gedanken gespielt, einfach zu den Männern vom Löschtrupp zu gehen. Aber welche Geschichte hätte sie ihnen erzählen können. Die Geschichte von Harald, Hanno und Joonas, die ein Haus in die Luft jagen?“ (12)