Cornelia Funke, Hinter verzauberten Fenstern
„Der blöde Kalender hatte sie hereingelegt! Sie mit seinem Geglitzer neugierig gemacht, ganz zappelig vor Neugier – und dann das. Sie hatte von Anfang an recht gehabt. Es war ein blöder, langweiliger Papierkalender. Dachten die, die solche Kalender machten, etwa, Kinder fänden so was gut? Bilder von rumpeligen Dachböden statt leckerer Schokolade? Julia presste das Fenster mit der Hand wieder zu.“ (S. 21)
Die neunjährige Julia und ihr kleiner Bruder Olli warten ganz aufgeregt, bis ihre Mutter endlich nach Hause kommt und ihnen die versprochenen Adventkalender mit Schokolade bringt. Während sich Olli über seinen Kalender mit Schokolade freuen darf, zeigt sich Julia zutiefst enttäuscht, weil ihr Kalender weder Schokolade noch Bilder vom Nikolaus oder Engeln aufweist, sondern nur ein dunkles Haus mit Bäumen zeigt. Aber bald schon übt ihr Kalender eine unerklärliche Faszination auf sie aus.
„Mausgespannt harrte Toni hinter der alten Standuhr aus, deren klickendes Uhrwerk bald den Abend einläuten würde. Sein Schwänzchen zuckte vorfreudig im Takt des Pendels hin und her. Durch eine alte Brille, die Toni auf dem Dachboden gefunden hatte, guckte er hindurch.“ (S. 9)
„Der kleinen Steinbock Hörnchen lebt auf dem Gipfel der Glückseligkeit. Er liebt seine Freiheit und pfeift auf Regeln. Hörnchen, sag doch mal Hallo! Kein Bock, kein Bock, kein Bock! Hört ihr? Ein echter Keinbock eben. Ich probiere es mal so: Hörnchen, hast du Lust auf eine Geschichte? Meine Geschichte? Au ja! Na gut, dann komm her und stell dich vor.“
„Wilma spürt die Frühlingsfreude durch das Rückenfell strömen, aber sie spürt auch den Hunger, der in ihrem flauschigen Bauch rumort. Ihre Schnurrhaare glühen fast in der Sonne. Ihr ganzer Körper sehnt sich danach, endlich in diese saftige, saure Vogelbeere zu beißen. Wilma schließt die Augen. Das ist bestimmt mein letzter Frühling als freies Murmelmädchen, denkt sie.“ (S. 7)
„Ob Julenisse, Jultomte oder Joulutonttu – in Skandinavien sorgen kleine Wichtelwesen schon lange für magische Weihnachten. Die Helferlein des Weihnachtsmannes ziehen bei den Familien ein und versüßen ihnen die Wartezeit auf das Fest, indem sie mit lustigen Streichen und süßen Aktionen für eine Menge Spaß sorgen.“ (S. 5)
„Der junge Fuchs blickte dem Auto hinterher, das bald immer kleiner wurde, ehe es ganz aus seinem Blickfeld verschwand. Meinten sie das ernst? Er reckte die Nase in den Wind und versuchte, die Spur seiner Menschenfamilie auszumachen. Sie war noch da, ganz schwach. Doch der Wald hinter ihm schien den Duft der Familie überdecken zu wollen. Finn, so hieß der Fuchs, saß auf dem Fußweg vor den ersten Bäumen und roch Pflanzen und Tiere.“ (S. 7)
„Auf dem Grund eines abgelegenen Teichs lebte eine Gruppe von Wasserlarven. Sie waren eine fröhliche Schar und es machte ihnen überhaupt nichts aus, dass ihr Zuhause tief unten im Wasser und so weit weg von der Sonne war. Viele Monate im Frühling und Sommer huschten und rannten die Larven geschäftig über den weichen und schlammigen Boden des Teichs.“
„Eines Tages sprach Mutter Schwein zu ihren drei Kindern: »Ihr seid jetzt groß genug, um für euch selbst zu sorgen. Geht in die Welt hinaus und versucht euer Glück!« Das erste Schweinchen zog los und traf einen Mann. Die trug einen Ballen Stroh. Das Schweinchen sagte höflich: »Lieber Mann, gib mir bitte dein Stroh, damit ich mir ein Haus bauen kann.« Das tat der Mann und das Schweinchen baute sein Haus. Dam kam der böse Wolf und klopfte an die Tür …“ (S. 6 f)
„Milo wohnte in einem hübschen kleinen Haus in einer hübschen kleinen Straße. Er LIEBTE sein Zuhause aus vielen Gründen, aber vor allem, weil … sein bester Freund Jonah gleich nebenan wohnte! Milo und Jonah teilten miteinander Glück und Unglück und alles dazwischen. Nichts war schöner als das Gefühl, einen besten Freund zu haben.“
„Sepia betrachtete ihre Fingerspitzen. Heute schimmerten ihre Nägel schwarzgrün und die Tinte zog sich in Kringeln bis zu ihren Fingerknöcheln hoch. Seit sie erfahren hat, dass Tintenmagie durch ihre Adern floss, wurden ihre Kräfte mit jedem Tag stärker. Noch vor einem Jahr hätte sie ihre Hände am liebsten versteckt, doch das war vorbei.“ (S. 8)