Rudyard Kipling, Wie der Leopard zu seinen Flecken kam und andere Tiergeschichten
Früher soll es unter gebildeten Schichten lästige Kinder gegeben haben, die dem Hauslehrer oder der Gouvernante ein Loch in den Bauch gefragt haben sollen. Seit KI lösen die Kids unabhängig von ihrem sozialen Stand die Fragen mit einer App.
Rudyard Kipling hat sein Dschungelbuch wohl aus kolonialistisch-pädagogischen Gründen geschrieben, die Fauna des indischen Dschungels wurde straff anglisiert und mit Spielregeln der britischen Upperclass unterlegt. Geblieben ist ein Stoff, der sich scheinbar unverfänglich einsetzen lässt wie etwa Cäsars Gallischer Krieg, der aber den Nachteil hat, dass man die politische Komponente nie mehr aus dem Lesegedächtnis bekommt, wenn man einmal aufklärerisch damit abgeduscht worden ist.
„Hier ist zwar alles fremd, aber offenbar habe ich mich in diesen anderthalb Monaten eingelebt. So schön nach dem Nebel! Zu Hause. Der Fels und das Meer im goldenen Rahmen. Die Bücher im Schrank. Nur ist der Sofabezug so kratzig, wie man sich auch hinlegt, das Kissen hart, so hart ... Aufstehen geht aber auch nicht. Diese Trägheit! Die Hand heben ist schon zu viel. Seit einer halben Stunde sage ich mir, ich sollte den Arm ausstrecken, das Aspirinpulver vom Stuhl nehmen, strecke ihn aber nicht aus ...“ (S. 12)
„Es war einmal ein kleiner Samthase, und am Anfang sah er wirklich toll aus. Er war dick und flauschig, wie so ein Hase sein soll. Sein Fell war braun-weiß getupft, er hatte einen richtigen Schnurrbart aus Garn, und seine Ohren waren mit rosa Seide gefüttert. Es sah zauberhaft aus, wie er da am Weihnachtsmorgen mit einem Stechpalmenzweig zwischen den Pfoten ganz oben im Strumpf des Jungen steckte.“ (S. 5)
„Die Dashwoods waren eine alteingesessene Familie in Sussex. Sie hatten ein großes Besitztum und wohnten auf Norland Park inmitten ihrer Ländereien, wo sie seit vielen Generationen ein so achtbares Leben geführt hatten, dass sie im ganzen Bekanntenkreis in hohem Ansehen standen“ (Verstand und Gefühl, S. 9)
„Boris schwimmt in einem Fässchen auf dem Fluss. Wo kommt er her? Niemand weiß das. Ein Gewitter zieht auf. In einer Flussbiegung geht Boris an Land. Eine Eule beobachtet den Kater. Schon beginnt es zu regnen. Die neugierige Eule fliegt Boris nach. Boris findet unter einem Baum Schutz vor dem Regen. »Ich weiß ein leer stehendes Haus für dich«, sagt die Eule.“ (S. 10)
„Es war einmal, lange, lange bevor die Großmutter deiner Großmutter geboren wurde, ein alter Besenbinder, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, Hänsel und Gretel, am Rande eines großen düsteren Waldes lebte. Der Besenbinder war ein unbeschwerter Mann, seine Frau dagegen, die Stiefmutter der Kinder, ein Drachen.“
„Zu der Zeit, da Harald Gilles Söhne in Norwegen herrschten, lebte in den Dörfern um den See Mjøsa eine Sippe, die von allen die »Steinfinnssöhne« genannt wurden. Ihnen gehörten achtzehn große Höfe, verteilt über die Kirchengemeinden der Gegend.“ (S. 7)
„Emma Woodhouse, hübsch, klug und reich, mit einem angenehmen Zuhause und von heiterem Gemüt, schien beinahe alles in sich zu vereinen, was das Leben einem Menschen an Gutem nur bieten kann; Fast einundzwanzig Jahre war sie nun schon auf dieser Welt und hatte in all der Zeit kaum je einmal Kummer oder Sorgen gekannt.“ (S. 7)
„Der Winter war gekommen. Vielen Tieren war es zu kalt, deshalb verschliefen sie lieber. Nur ab und zu reckte sich aus dem Schnee ein Hasenohr empor oder ein Eichhörnchenschwanz – und zog sich dann schleunigst ins kuschelige Versteck zurück. Auch der kleine Maulwurf hatte sich auf den Winter vorbereitet und jede Menge Vorräte zusammengetragen, damit er nirgendwo mehr hinmusste. Doch neugierig war er schon: Wie sah dieser Winter eigentlich aus?“ (S. 2)
„Im Siebengiebel-Wald lebt eine Gruppe Hutzelmänner. Einer von ihnen ist Hörbe, mit dem großen Hut. Sein Haus liegt versteckt unter Ästen und Reisig. Kein Mensch kann es entdecken. Der Sommer ist zu Ende und die Ernte schon eingebracht. Seit Tagen sorgen alle Hutzelmänner für den Winter vor. Auch Hörbe füllt eifrig seine Vorratskammer.“ (S. 6)