Mieze Medusa & Markus Köhle, Alles außer grau
In der Pionierphase des Poetry Slam waren die Auftritte der Künstler oft ein illuminierter Wutschrei, und die ersten Bücher darüber waren unlesbare Niederschriften leicht depressiver Monologisten. Mittlerweile ist Poetry Slam eine kontinental verbreitete literarische Giga-Form mit eigener Geschichte, mitreißenden Ritualen und ausgewiesenen Experten an Bord.
Mieze Medusa & Markus Köhle zeigen mit ihren „Texten to go“, wie Ambiente, Mobilität und lokale Inszenierung eine Kunstform hervorbringen, die „alles außer grau“ ist.
Eine Geschichte verändert sich naturgemäß, wenn sie in eine andere Sprache übersetzt wird. Oft erschließt sich der tiefere Sinn erst, wenn man den Text zweisprachig plastisch vor sich sieht wie eine Stereoaufnahme von einem Gelände.
Wenn eine versteckte Nuance in den Titel rutscht, werden dadurch auch alle anderen Begriffe in einen neuen Kontext gestellt. „Sora bezeichnet im römischen Dialekt eine Frau der einfachen Volksschichten.“ (179)
Wenn überall in den Labors Pflanzen, Tiere und Menschen zusammengeklont und genetisch umformatiert werden, dann braucht es wohl einen, der im Sprachlabor das passende Material herstellt. Diesen Teil hat der Sprachkünstler und -erfinder Markus Köhle übernommen.
Das schönste Argument, das einem Buch widerfahren kann, ist die Bemerkung: Dieses Buch liest sich wie von selbst!
Ein guter Titel wird unumstößlich wahr, wenn er sich an physikalische Grundgesetze hält. 8 Minuten und 19 Sekunden braucht das Licht, um von der Sonne auf die Erde zu gelangen, wir sind also mit jedem Sonnenstrahl dieser Zeitangabe ausgesetzt.
Von manchen Gegenden genießt man ein Leben lang ihren guten Klang und trägt den Wunsch vor sich her, sie einmal aufzusuchen. Der Oderbruch ist so ein Faszinosum, das wir vor allem dann in den Medien sehen, wenn alles unter Wasser steht.
Damit so etwas Garstiges wie der Kapitalismus funktioniert, muss er flächendeckend angewendet werden und bis in die letzte Ritze des Hauses hineinwirken.
Mit Meistererzählungen wird meist ein Meister geehrt, der für eine Werkausgabe noch nicht tot genug ist, beim Publikum aber bereits das Gütesiegel „zeitlos“ erworben hat.
Ein Nomadensprichwort sagt, du musst aus der Stadt fortziehen, um sie zu sehen.