Iris Hanika, Musik für Flughäfen

Der Flughafen Tegel ist wie ein Ring um ein Ereignis gebaut, das vielleicht Abschied heißt oder Sehnsucht, jedenfalls trifft jemand die Erzählerin mit übergroßen Boxhandschuhen mitten ins Herz.
Iris Hanika zwickt in ihren kurzen Texten jeweils emotionale Wollfusel aus dem Gewebe, es sind Unebenheiten, Störungen, verstopfte Rillen in einer alten Langspielplatte.
Es gibt diese Romane, die sind heruntergefahren wie Murmeltiere im Winterschlaf und gerade deshalb knistrig heiß und aufregend. Walter Kappacher, der Meister des erzählten Stillstands, schickt in seinem Selina-Roman einen Lehrer in die Auszeit, um das andere Leben zu entdecken.
TirolCity lässt wohl niemanden kalt. Es handelt sich bei diesem Projekt von YEAN (Young European Architects Network) um ein patriotisches, witziges und zukunftsträchtiges Unterfangen. Der Kunstgriff dabei ist eine leichte Drehung der Semantik.
Manche Bücher haben einen Fluch wie eine verhexte Königskrone an sich, sie wollen partout nicht auf den Kopf des Lesers.
Wenn man sich nach langer Wanderung die vollen Blasen an den wunden Füssen aufsticht, verschaffen diese Nadelstiche große Erleichterung. Ähnlich geht Klaus Merz mit seinen Miniaturen vor. Seine Geschichten sind meist vom Leben wund getretene Blasen, die er mit Erzählverve und Pfiffigkeit zum Platzen bringt.
Sagen sind wie Bäche, sie fräsen sich stetig durch den Fels des Gedächtnisses eines Landes. Daher müssen Sagen immer wieder neu und zeitgemäß erzählt werden, damit der uralte Sagenkern stetig frisch bleibt.
Schön eingefärbt in den Saisonfarben ist in Tirol tatsächlich ständig etwas los. Dabei gehen fast alle Bräuche auf das Treiben der Kirche im Jahreskreis zurück, die gottlosen heidnischen Sachen sind von der Kirche bravourös ausgerottet worden, und den Rest hat der Josephinismus besorgt.
Zu Beginn steht so etwas wie die Schöpfungsgeschichte der Alpen, sie sind tatsächlich steinalt und Zeit spielt bei ihnen keine Rolle. "Dein Jahrhundert ist meine Sekunde" (11) heißt es ehrfurchtsvoll bei Cees Nooteboom, der vor einer Felswand in die Knie geht.
Ja die Almen, sie winken wie eine hochgezogene Fahne übers Land, werden in Liedern besungen, erinnern in der Schweiz an Heidi und in Tirol an Kathi, und immer wieder gibt es dichtende Almbauern und sennende Dichter.
Wenn in einem normalen Verlag plötzlich ein promovierter Theologe publiziert, heißt es für den klugen Leser: Vorsicht, ungefragte Gottesbeweise liegen in der Luft!