Wolfgang Brunner, manifesto vigilancia
Manifesto vigilancia kann man vielleicht als lyrisches Überwachungsprotokoll übersetzen. Wolfgang Brunners Gedichte sind nämlich vom Schriftbild her gesehen als Protokoll angefertigt, das ein rasch tippender Polizist nach einem Ereignis in Echtzeit zu bewältigen versucht. Die Szenerie ist oft recht unaufällig, aber eine Kleinigkeit ist dann unsachgemäß installiert und evoziert ein Gedicht.
Raucher stehen bei schrecklichen Minusgraden am Balkon und fühlen sich berauscht, aber sie überschätzen die Lage und kennen sich plötzlich nicht mehr aus. Eine Bar zum Liebhaben wird eingerichtet und schon zeiht sich eine Bratenspur aus Altöl bis hinauf zur Staumauer, dahinter hat sich das Brennnesselland versteckt.
So ein Schneemann ist eigentlich eine tolle literarische Figur. Aus dem Nichts und aus reinem Spieltrieb basteln ihn die Kinder zusammen, dann wird er aufgeputzt und schön gemacht und anschließend vergessen.
Vierzig Gedichte sind bei Gerhard Kofler natürlich mindestens hundertzwanzig. Man muss die Gedichte einmal in den beiden Sprachen Italienisch und Deutsch zählen und dann noch als Atmosphäre, die zwischen diesen Sprachen herrscht.
Die Geschichte als rauschender Fluss, der immer wieder das Ufer annagt, und wer zu knapp am brüchigen Ufer steht, wird mitgerissen oder überschwemmt!
Was soll man über eine Schauspielerin, die man vor allem hört und sieht, schriftlich sagen? Krista Hauser legt ihre Biographie einer großen Schauspielerin wie einen Brunnen an, woraus das Theaterleben über mehrere große Themenbecken abfließt.
Heinz D. Heisls Eisenbahngeschichten handeln meist von einem Ich, das zwischen Zürich und Innsbruck unterwegs ist. Aber dem Erzähler gehen schon manchmal auch die Garnituren durch, die dann in ihren Sitzfahrplänen von weit entfernten Städten berichten und das Herz quer durch Europa flitzen lassen.
"Dazwischen / auf der Fahrt ins Dorf / kein Wort." (100) Siegfried Nitz geht in seinem Fabriks-Dorf-Roman jenen Fugen nach, die zwischen den Erzählplatten liegen, er schaut gewissermaßen nach, was in den Klusen der glatten Verfliesung verborgen ist.
Hinter den Prospekten vom schönen Dorf gibt es jene sozialen Everglades, in denen einsame Jäger ihre Dosenbiere trinken und den Alligatoren beim Dösen zusehen.
Mein Vater war ein Nazi! - So beginnen mittlerweile tausende Aufarbeitungsromane und dieser Satz ist längst zum schönsten in der deutschen Gegenwartsliteratur gekrönt worden. Aber Jochen Jung gehört dieses mal nicht zu den üblichen Autoren, die sich die Vergangenheit vom Leib schreiben, er nimmt diese literarischen Aufarbeitungsmythen selbst zum Thema für eine Groteske.
Der Überkrimi schert sich nicht um Plot oder Leichen, sondern saugt wie ein überdimensioniertes Argusauge die Stimmung aus den letzten Winkeln einer Gegend. Der Kommissar oder Privatdetektiv dient in solchen Romanen als Ansaugdüse, um Dreck, schlechte Stimmung und Ödnis aufzustöbern.